Rheumatologie und Hämato-Onkologie: Pathophysiologische Überschneidungen und klinische Implikationen
Zwischen der Rheumatologie und der Hämato-Onkologie bestehen zahlreiche Schnittmengen. In den letzten Jahren wurde die klonale Hämatopoese zunehmend als potenzielle Quelle autoinflammatorischer Prozesse identifiziert, die durch ein aberrantes Programm somatisch mutierter myeloischer Zellen bedingt sind. Als paradigmatische Entität gilt in diesem Zusammenhang das VEXAS-Syndrom, das durch somatische UBA1-Mutationen charakterisiert ist. Vergleichbare pathogenetische Mechanismen scheinen jedoch auch bei myelodysplastischen und myeloproliferativen Syndromen (MDS/MPS) ohne UBA-1Mutation von Relevanz zu sein, da bei etwa 20 % der Patient:innen mit MDS/MPS im Verlauf autoinflammatorische bzw. autoimmunassoziierte Komplikationen auftreten, häufig in Form vaskulitischer Syndrome.
Nicht nur das myeloische, innate Immunsystem, sondern auch das adaptive, lymphatische Immunsystem, beide hämatopoetischen Ursprungs, kann durch Dysregulation zur Entwicklung autoimmuner Erkrankungen beitragen. Dies kann idiopathisch, im Rahmen klassischer Autoimmunerkrankungen oder auch als immunvermittelte Nebenwirkung immunonkologischer Therapien – insbesondere Checkpoint-Inhibitoren – auftreten.
Bei Patient:innen mit Autoimmunerkrankungen ist ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung maligner Neoplasien beschrieben. Des weiteren stellen Tumorerkrankungen, bedingt durch das häufig fortgeschrittene Alter rheumatologischer Patient:innen, eine relevante Komorbidität dar. Die Therapie rheumatologischer Erkrankungen im Kontext der häufigen onkologischen Begleiterkrankungen, manchmal auch unter laufender Tumortherapie, erfordert daher eine interdisziplinäre Herangehensweise und stellt eine erhebliche klinische Herausforderung dar.
In der vorliegenden Ausgabe werden diese und weitere Themen von Expert:innen in dem jeweiligen Feld vorgestellt und diskutiert. Vielen Dank an alle Autor:innen für die ausgezeichneten Beiträge.
Prof. Dr. med. Thomas Daikeler, Rheumatologie, Universitätsspital Basel