Die endoskopische lumbale Diskektomie ist der offenen überlegen
Open Versus Endoscopic Lumbar Discectomy: A Propensity-Matched Analysis of 2618 Surgical Patients
Perez-Albela A et al. Arthritis Care Res 2026;51(10) :731
Von 2618 Patienten der PearlDiver-Datenbank von 2010 bis 2022 wurden in dieser retrospektiven Studie mit Propensity Score Matching 1309 Patienten nach einer endoskopischen Diskektomie (ED) und 1309 nach einer offenen Diskektomie (OD) hinsichtlich intraoperativer Komplikationen, 90-tägigen medizinischen Komplikationen und 2-Jahres-chirurgischen Reoperationsraten miteinander verglichen. Bei der multivariaten Analyse war ED mit einem signifikant geringeren Risiko für durale Risse (0.15 % vs. 1.15 %, OR 0.179, p=0.006), Infektionen an der Operationsstelle (0.08 % vs. 1.15 %, OR 0.082, p=0.001), Wundkomplikationen (0.38 % vs. 1.07 %, OR 0.342, p=0.023) und Dura-Reparatur (0.08 % vs. 0.69 %, OR 0.091, p=0.021) assoziiert. ED war auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit für anhaltende Schmerzen verbunden (2.22 % vs. 2.83 %, OR 0.665, p=0.048). Keine signifikanten Unterschiede fanden sich bei Nervenverletzungen, tiefer Beinvenenthrombose (TVT), Harnwegsinfektion oder Reoperationen.
Bisherige Studien waren uneinheitlich. Diese Daten zeigen eine Überlegenheit der endoskopischen lumbalen Diskektomie gegenüber der offenen hinsichtlich aller untersuchten Parameter, namentlich duralen Rissen, Infektionen an der Operationsstelle, Dura-Reparaturen sowie postoperativer Schmerzen. Die Raten von TVT, Harnwegsinfektion und Reoperationen unterschieden sich nicht signifikant zwischen beiden Gruppen.

Uveitis in Kindheit und Adoleszenz kann Zeichen erhöhter Rate an Autoimmunerkrankung in der Folge sein
Immune-mediated inflammatory diseases following pediatric uveitis diagnosis
Kwak JJ et al. JAMA Network Open 2026: Online ahead of print
Diese Populations-basierte Studie erstellt mittels Versicherungsdaten aus Korea hat zwischen 2008 und 2024 das Outcome bei Kindern und Adoleszenten (Alter < 20 Jahre) 5 Jahre nach der Diagnosestellung einer nicht-infektiösen Uveitis untersucht. Fragestellung war die geschätzte kumulative 5-Jahresinzidenz einer aus 13 vordefinierten Autoimmunerkrankungen (immune-mediated inflammatory diseases – IMIDs). Untersuchungszeitraum war somit zwischen 2011 und 2022.
In der Kohorte aus 27656 pädiatrischen / adoleszenten Patientinnen und Patienten mit Uveitis zeigte sich die 5-Jahres Inzidenz für IMIDs bei 8.5% und lag damit signifikant höher als in der übrigen (Durchschnitts-)Bevölkerung Gleichaltriger. Das mittlere Alter lag bei 12.6 Jahren, wobei 58.3% der Patienten männlich waren. Die Krankheits-spezifischen standardisierten Inzidenzen (standardized incidence ratio- SIR) waren am höchsten für die Sarkoidose, gefolgt von der ankylosierenden Spondylitis und dem M. Behçet. Insbesondere in der Altersgruppe der 10-19 Jährigen lag die geschätzte 5-Jahresinzidenz mit ca 9% deutlich höher als in der Gruppe der unter 10 Jährigen, insgesamt waren weibliche Patientinnen häufiger mit einer IMID Diagnose detektiert worden.
Kommentar
Diese ausführliche Studie ist hier lediglich in Kürze wiedergegeben. Diese Daten entsprechen ähnlichen Untersuchungen aus Korea, Daten aus Europa sind hierzu nicht diskutiert worden, könnten allerdings bis auf M. Behçet ähnlich aussehen.
Die ophthalmologische Praxis der Zuweisung von Uveitis Patientinnen und Patienten im Alter < 20 Jahren oder zumindest die Beobachtung derselben / eine Weitergabe dieser Information an die betreuenden Pädiater erscheint sehr sinnvoll.
Letztlich dürfte ja aber ein Grossteil der Uveitis-Patientinnen/en aus dieser Studie auch über die Pädiatrischen Kolleginnen und Kollegen gesehen worden sein.
Im Rahmen unserer auch bisherig guten Zusammenarbeit mit verschiedenen Opthalmologinnen und Opthalmologen werde ich mir jedenfalls erlauben, diese Studie einmal dorthin weiterzuleiten und für den Alltag zu diskutieren.

Nichtsteroidale Antirheumatika bei entzündlichen Darmerkrankungen
Safety of Prescription Nonsteroidal Anti-inflammatory Drugs in Adults With Inflammatory Bowel Disease: Data From a Large Administrative Claims Cohort
Mayer A et al. Arthritis Care Res 2026: Online ahead of print
Die Studie untersuchte die Sicherheit von NSAR (nichtsteroidalen Antirheumatika) bei erwachsenen Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (IBD; Morbus Crohn und Colitis ulcerosa). Hintergrund ist die traditionelle Sorge, dass NSAR Krankheitsschübe auslösen können, obwohl viele IBD-Patienten gleichzeitig relevante muskuloskelettale Beschwerden haben.
Analysiert wurde eine sehr grosse US-Versichertendatenbank mit insgesamt über 348’000 IBD-Patienten. Etwa 23 % erhielten im Beobachtungszeitraum eine neue NSAR-Verschreibung. Primärer Endpunkt war eine IBD-bedingte Hospitalisation. Mittels aufwendiger Propensity-Score-Analysen versuchten die Autoren, Unterschiede zwischen NSAR-Anwendern und Nichtanwendern statistisch auszugleichen. Im Gesamtkollektiv zeigte sich unter NSAR nur eine geringe Zunahme IBD-bezogener Hospitalisationen (HR 1,07). Bei Colitis ulcerosa fand sich keine klinisch relevante Risikoerhöhung; die Nichtunterlegenheit wurde erreicht (HR 0,97). Beim Morbus Crohn konnte eine Nichtunterlegenheit dagegen nicht sicher gezeigt werden; hier bestand ein leicht erhöhtes Risiko (HR 1,16). Die Subanalysen mit COX-2-selektiven NSAR zeigten keine relevante Erhöhung IBD-bedingter Hospitalisationen, auch nicht beim M. Crohn.
Auch wiederholte NSAR-Anwendung sowie COX-2-selektive NSAR zeigten keine deutliche Verschlechterung der Resultate. Die Daten sprechen insbesondere dafür, dass kurzfristiger oder gezielter NSAR-Einsatz bei Colitis ulcerosa-Patienten möglicherweise sicherer ist als bisher angenommen.
Kommentar
Die traditionellen strikten Warnungen vor NSAR bei jeder IBD könnten zu pauschal sein. Bei Patienten mit ausgeprägten muskuloskelettalen Beschwerden, insbesondere bei Colitis ulcerosa, scheint ein sorgfältig abgewogener NSAR-Einsatz vertretbar. Beim Morbus Crohn bleibt hingegen weiterhin Vorsicht angezeigt. Ich persönlich gebe den Patienten mit IBD und muskuloskelettalen Schmerzen, wenn unbedingt nötig, COX-2 Hemmer. Diese und andere kleinere Studien und auch Metaanalysen zeigten unter Celecoxib bei Colitis ulcerosa keine signifikante Erhöhung von Schüben. Auch für Etoricoxib gibt es Beobachtungsdaten mit relativ guter Verträglichkeit.

Anifrolumab subkutan für den systemischen Lupus erythematodes
Efficacy and Safety of Subcutaneous Anifrolumab in Systemic Lupus Erythematosus: A Randomized, Phase 3 Study
Manzi S et al. Arthritis Rheum 2026:Online ahead of print
Die multinationale Phase 3, doppelblinde, placebo-kontrollierte Studie (TULIP-SC) untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von wöchentlichem 120 mg subkutan verabreichtem Anifrolumab bei Patienten mit mittelschwerem bis schwerem systemischem Lupus erythematodes (SLE) zusätzlich zur Standardtherapie. Anifrolumab ist ein monoklonaler Antikörper, der den Typ-I-Interferon-Rezeptor blockiert.
In der Analyse nach 52 Wochen ergab sich bei 220 Patienten (109 unter Anifrolumab) für Anifrolumab gegenüber Placebo eine signifikante Überlegenheit im primären Endpunkt BICLA (Krankheitsaktivität: BILAG-based Composite Lupus Assessment) von 59,4% vs. 43,9%. Gleichzeitig konnten mehr Patienten unter Anifrolumab ihre Kortison-Dosis reduzieren. Die Krankheitskontrolle erfolgte schneller und anhaltender und die Nebenwirkungsrate war insgesamt vergleichbar mit Placebo, wobei unter Anifrolumab etwas häufiger Herpes zoster auftrat (3,8% vs. 1,1%).
Fazit
Die Studie zeigt, dass nach intravenöser Therapie nun auch unter subkutaner wöchentlicher Verabreichung Anifrolumab in Ergänzung zur Standardtherapie eine gute Wirksamkeit bei aktivem Lupus erreicht wird, die Krankheitsaktivität wird reduziert, teilweise führt dies zu einem geringeren Kortisonbedarf und insgesamt ergibt sich ein akzeptables Sicherheitsprofil. Somit kann die subkutane Form als praktische Alternative zur intravenösen Gabe gelten.
