Stosswellentherapie vs. Placebo: Mehr Wirkung bei Achillessehnen-Tendinopathie?

Does Shockwave Therapy Lead to Better Pain and Function Than Sham over 12 Weeks in People with Insertional Achilles Tendinopathy? A Randomised Controlled Trial.

Alsulaimani B. et al. Clin Rehabil 2024:online ahead of print

Diese randomisierte kontrollierte Studie untersuchte, ob die zusätzliche Anwendung der radialen extrakorporalen Stosswellentherapie (rESWT) neben einem standardisierten Übungs- und Schulungsprogramm bei insertionaler Achillessehnen-Tendinopathie einen Vorteil bietet. 76 Patienten wurden entweder einer rESWT- oder einer Scheinbehandlungsgruppe zugewiesen. Die Ergebnisse nach 6 und 12 Wochen zeigten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Schmerzreduktion, Funktion oder anderen Parametern. Zudem wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass rESWT keinen zusätzlichen Nutzen im Vergleich zur alleinigen Durchführung von Übungen und Schulung bietet.

Kommentar
Diese Studie schliesst eine wichtige Forschungslücke, indem sie die Wirksamkeit der radialen extrakorporalen Stosswellentherapie (rESWT) in Kombination mit einer empfohlenen Behandlung bei insertionaler Achillessehnen-Tendinopathie untersucht. Das Übungsprogramm umfasste fortgesetztes Gehen und sportliche Aktivität, angepasst an individuellen Schmerzlevel – eine Methode, die derzeit zur Rehabilitation empfohlen wird. Weder beim primären Endpunkt – einer Kombination aus Schmerz, Teilhabe und funktionellen Einschränkungen – noch bei sekundären Outcome-Massen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen nach 6 oder 12 Wochen. Die Ergebnisse ähneln denen früherer Studien. Ein Vorteil der Studie war ihre ausreichende statistische Power (76 Teilnehmer) sowie die Verblindung der Teilnehmer und der Auswerter. Methodische Einschränkungen sind, dass Therapeuten nicht verblindet waren und die im Testprotokoll gewählte rESWT Intensität (ca. 0,63 MJ/mm²) einer hohen Energie entspricht; die wirksame Dosis wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Trotzdem kann festgehalten werden, dass rESWT keinen zusätzlichen Vorteil über Training und natürliche Heilung hinaus bietet.

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Dr. Christian Marx
Zürich

Kardiovaskuläres Risiko von Romosozumab im Vergleich mit Bisphosphonaten

Comparative cardiovascular safety of romosozumab versus bisphosphonates in Japanese patients with osteoporosis: a new-user, active comparator design with instrumental variable analyses

Tominaga R et al., J Bone Miner Res 2025:online ahead of print

Diese Studie aus Japan untersuchte das kardiovaskuläre Risiko bei Osteoporosepatienten, die mit Romosozumab oder Bisphosphonaten als erstmalige Therapie (New User Design) behandelt wurden. In den Zulassungsstudien von Romosozumab hatten die Patienten unter Romosozumab eine leicht höhere Anzahl von kardiovaskulären Ereignissen (Myokardinfarkte, CVI) als die Vergleichsgruppe unter Alendronat.

Analysiert wurden japanische Patientinnen ab 40 Jahren, die entweder eine Osteoporose-Diagnose hatten oder eine Fragilitätsfraktur erlitten. Eingeschlossen wurden nur Personen, die nach der Markteinführung von Romosozumab in Japan (4. März 2019), erstmals eine der beiden Therapien erhielten.

Von insgesamt 59.694 Verordnungen entfielen 8.808 auf Romosozumab und 50.886 auf Bisphosphonate. Die Patienten in der Romosozumab-Gruppe waren im Durchschnitt älter (80,5 vs. 78,2 Jahre). Die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen innerhalb eines Jahres betrug 12,3 pro 100 Patientenjahre für Romosozumab und 11,4 für Bisphosphonate (unadjustierte IR: 1,08; 95 %-CI 1,00–1,18). Nach Korrektur von möglichen Confoundern mittels instrumenteller Variablenanalyse ergab sich ein Hazard Ratio von 1,30 (95 %-Konfidenzintervall: 0,88–1,90) für Romosozumab im Vergleich zu Bisphosphonaten.

Kommentar
Obwohl die Studie möglicherweise zu wenig statistische Power hatte, fand sie keinen eindeutigen Hinweis auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko von Romosozumab im Vergleich zu Bisphosphonaten bei Osteoporose-Patienten. Die Zukunft mit mehr Daten aus Beobachtungsstudien wird zeigen,ob die Vorbehalte betreffend kardiovaskulären Ereignissen für Romosozumab bestehen bleiben. Vorderhand sollte Romosozumab bei Patientinnen mit einem erhöhten kardiovaskulären Risikoprofil nicht gegeben werden. Bei Patientinnen mit St.n. Myokardinfarkt oder CVI ist gemäss Arzenimittelkompendium Romosozumab kontraindiziert.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Übergewicht nur teilweise ungünstig für Wirbelsäulenoperation

Do Obese Patients Have Worse Outcomes in Adult Spinal Deformity Surgeries?: A Meta-analysis

Maroun R. et al. Spine 2025;50:129

Diese Metaanalyse über 9 Studien von Operationen zur Korrektur einer Wirbelsäulendeformität bei Erwachsenen (adult spinal deformity, ASD) ergab für nicht-adipöse Patienten eine geringere Rate an implantatbedingten Komplikationen (Odds Ratio (OR)=0.25, p=0.0002) und Non-Home-Entlassungen (OR=0.52, p=0.007) gegenüber adipösen. Nicht-adipöse Patienten hatten auch eine reduzierte Verweildauer (LOS, MD=-0.29, p=0.02) und einen verminderten geschätzten Blutverlust (EBL, SMD=-0.68, p=0.008). Für die übrigen Endpunkte wie Oswestry Disability Index (ODI), Schmerzwerte, Operationszeit, Revisionsraten, Wundinfektionen oder thromboembolische Ereignisse wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede beobachtet.

Nicht-adipöse Patienten haben bei einer ASD-Korrekturoperation, wie erwartet, im Vergleich zu adipösen weniger implantatbedingte Komplikationen, aber hinsichtlich Funktionalität (ODI) und Schmerz wurden keine signifikanten Unterschiede nachgewiesen.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Therapieresistenz auf JAKi: Wechsel zu DMARD vs anderem JAKi

Switching to biological DMARDs versus cycling among JAK inhibitors in patients with rheumatoid arthritis and with inadequate response to JAK inhibitors: from FIRST registry

Miyazaki Y. et al. RMD Open 2025;11:e004987

Welche RA-Therapie nach ungenügendem Ansprechen auf Januskinase-Inhibitor (JAKi)?

434 RA-Patienten mit neuem Start eines JAKi und ungenügendem Ansprechen (kein Erreichen einer tiefen Krankheitsaktivität) innerhalb von 26 Wochen wurden umgestellt auf ein DMARD oder einen anderen JAKi; Analyse des Ansprechens und der Sicherheit nach weiteren 26 Wochen.

Patienten unter einem zweiten JAKi erfuhren eine Krankheitsaktivitätsreduktion mit höheren Remissionsraten. Das Verbleiben auf der neuen Medikation sowie die Sicherheitsaspekte blieben unverändert.

Fazit
Nach Resistenz auf einen ersten JAKi zeigt sich ein Wechsel zu einem anderen JAKi als wirksamer als ein Wechsel zu einem bDMARD in dieser Studie.

Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen unter TNF-Hemmern, wo sich bei Resistenz eher ein Wechsel auf ein DMARD mit anderem Wirkungsmechanismus lohnt, zeigt sich in dieser Studie, dass bei Resistenz auf einen JAKi durchaus auf einen zweiten gewechselt werden kann bei Patienten mit rheumatoider Arthritis.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich