Bei RA Patienten reduziert die Zosterimpfung mit Shingrix® das Risiko an Zoster zu erkranken und die Gesamtmortalität wird deutlich reduziert
Effectiveness of recombinant zoster vaccine in reducing herpes zoster incidence and all-cause mortality among patients with rheumatoid arthritis: a retrospective cohort study of 21,046 individuals from TriNetX U.S. Collaborative Network
Lin Y et al., EClinicalMedicine 2025;85:103319
Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) unter immunsuppressiver Therapie haben ein erhöhtes Risiko, an Herpes Zoster (HZ) zu erkranken. Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit des rekombinanten Zoster-Impfstoffs Shingrix® (RZV) hinsichtlich der Reduktion sowohl der HZ-Inzidenz als auch der Gesamtmortalität bei Personen mit RA zu untersuchen.
Es wurde eine retrospektive Kohortenstudie mit Daten des TriNetX U.S. Collaborative Network im Zeitraum von 2017 bis 2024 durchgeführt. Die Studienpopulation bestand aus RA-Patienten, die entweder den RZV erhalten hatten (RA-RZV-Kohorte) oder nicht geimpft waren (RA-Kontrollkohorte). Zur Angleichung der Ausgangscharakteristika (u. a. Demografie, sozioökonomischer Status, Lebensstil, medizinische Versorgung, Begleiterkrankungen und Medikation) wurde ein Propensity Score Matching (PSM) durchgeführt. Primäre Endpunkte waren das Risiko für HZ und die Gesamtmortalität.
Nach PSM umfasste jede Kohorte 21.046 Personen. Die RA-RZV-Gruppe zeigte signifikant geringere Risiken für HZ (HR: 0,836; 95 %-KI: 0,738–0,947) und Gesamtmortalität (HR: 0,606; 95 %-KI: 0,561–0,654). Die Risikoreduktion für HZ war besonders ausgeprägt bei Patienten im Alter von 50–64 Jahren, bei Frauen, bei Weißen und bei Schwarzen/Afroamerikanern.
Kommentar
Die Impfung mit RZV ist mit einem verringerten Risiko für HZ bei Patienten mit RA ab 50 Jahren assoziiert. Eindrücklich ist auch die Reduktion der Gesamtmortalität, insbesondere im ersten Jahr. Leider wurden in dieser Studie nicht die Todesursachen aufgeführt. Es wird spekuliert, dass vor allem die kardiovaskuläre Mortalität betroffen ist. Diese Hypothese wird durch eine frühere Studie (Kornelius E etal., BMJ Open. 2025;15:e090428) unterstützt, die zeigte, dass der stärkste schützende Effekt der HZ-Impfung auf schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) bei Diabetespatienten beobachtet wurde. Mehrere Mechanismen könnten diese Beobachtung erklären. Eine Möglichkeit ist, dass der rekombinante Zoster-Impfstoff (RZV) die Immunantwort moduliert und die systemische Entzündung reduziert – ein zentraler Treiber sowohl für kardiovaskuläre als auch für Gesamtmortalität.
Eine Zosterimpfung mit Shingrix® wird in der Schweiz vom BAG empfohlen für alle Personen ab 65 Jahren, bei immunsupprimierten Patienten bereits ab 50 Jahren und bei Hochrisikopersonen (z.B. bei Stammzelltransplantationen) bereits 18 Jahren.

Harnsäure-/Gichtreduktion dank Gewichtsabnahme
Weight Reduction and Target Serum Urate Level: A Longitudinal Study of Annual Medical Examination
Weight Loss After Receiving Anti-Obesity Medications and Gout Among Individuals With Overweight and Obese: A Population-Based Cohort Study
Fukui S. et al. Arthritis Rheumatol 2025;77:346
Wei J. et al. Arthritis Rheumatol 2025;77:335
(1) 58’630 Teilnehmer (Alter 46 Jahre, 51 % weiblich, 19.4 % mit Übergewicht, Harnsäure (SU)-Spiegel 5.3 mg/dL [315 μmol/L] und 5.6 % mit Gicht und/oder Hyperurikämie in der Vorgeschichte) wurden anlässlich 336’814 Konsultationen (jährliche ärztliche Untersuchung von Oktober 2012 bis Oktober 2022) über 5.3 Jahre untersucht. Die Gewichtsveränderung zwischen Konsultationen wurde als klein (1.0-4.9 kg), mässig (5.0-9.9 kg) und gross (≥10 kg) bezeichnet. Bei Hyperurikämie betrug das relative Risiko für das Erreichen eines SU-Spiegels <6 mg/dL (<360 μmol/L) 1.25 bei kleiner Gewichtsreduktion, 2.82 bei moderater Gewichtsreduktion und 5.27 bei grosser Gewichtsreduktion, entsprechend einer erforderlichen Anzahl Personen für die Behandlung (NNT) von 61.1 für kleine, 8.5 für moderate und 3.6 für grosse Gewichtsreduktion.
(2) Bei 131’000 Teilnehmern des Health Improvement Network ohne Gicht, die für ein Jahr mit Orlistat (reversibler Inhibitor von Lipasen des Magen-Darm-Traktes) behandelt wurden, betrug das 5-Jahres-Risiko für Gicht 1.6 % für Personen mit Gewichtszunahme oder -stabilität, verglichen mit 1.5 %, 1.3 % bzw. 1.2 % für Personen mit langsamem (2 %-5 %), moderatem (5 %-10 %) oder schnellem (≥10 %) Gewichtsverlust, entsprechend einer Hazard Ratio von 0.91, 0.82 und 0.73. Ähnliche Ergebnisse wurden für die wiederkehrenden Gichtschübe bei 3847 Personen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit mit Gicht beobachtet, die mit Orlistat behandelt wurden.
(1) Die namhaften Autoren wie Sara K Tedeschi, Hyon K Choi und Daniel H Solomon folgerten, dass einige Teilnehmer mit Hyperurikämie den angestrebten Harnsäurespiegel mit moderaten bis starken Gewichtsreduktionen erreichen konnten (mit 10 kg Gewichtsabnahme erreichte jeder 4. Patient den SU-Normwert), während geringe Gewichtsreduktionen mit nur geringen Veränderungen des Harnsäurespiegels verbunden waren.
(2) Ein stärkerer Gewichtsverlust dank einer einjährigen Behandlung mit Orlistat war mit einem geringeren Risiko für Gicht und weniger Gichtschüben bei übergewichtigen oder adipösen Menschen verbunden.
Fazit
Zwei Populationsstudien brechen eine Lanze für die Gewichtskontrolle bei Gicht.

Erhöhte intestinale Permeabilität im Serum korreliert mit erosiver Fingerpolyarthrose und radiologischer Progression: DIGICOD-Kohortenanalyse
Serum Intestinal Permeability Biomarkers Are Associated with Erosive Hand Osteoarthritis and Radiographic Severity: Results from the DIGICOD Cohort
Binvignat M. et al. Osteoarthritis and Cartilage 2025;33:736
Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen intestinaler Permeabilität und erosiver Handarthrose (EHOA) bei 410 Patient:innen der DIGICOD-Kohorte. Dabei zeigten sich signifikant erhöhte Serumspiegel der intestinalen Permeabilitätsmarker LBP und zonulinbezogener Proteine (ZRP) bei Patient:innen mit EHOA im Vergleich zu jenen ohne. Auch nach Adjustierung für Alter, BMI und Geschlecht blieben diese Marker signifikant mit EHOA assoziiert. Zudem korrelierten LBP und ZRP mit radiologischen Schweregraden (Verbruggen- und KL-Score) sowie mit Schmerz (AUSCAN-Score). Diese Befunde untermauern die These, dass eine gestörte Darmbarriere sowohl zur strukturellen Gelenkveränderung als auch zu den Symptomen bei HOA beiträgt, und weisen auf LBP und ZRP als potenzielle Biomarker hin.
Kommentar
Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen erhöhter intestinaler Permeabilität und erosiver Handarthrose (EHOA). Patienten mit EHOA wiesen signifikant höhere Serumspiegel zonulinbezogener Proteine und des Lipopolysaccharid-bindenden Proteins (LBP) auf, die zudem mit der strukturellen Schwere der Erkrankung korrelierten. Diese Marker waren auch nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index (BMI) signifikant mit EHOA assoziiert. Frühere tierexperimentelle und klinische Studien stützen diese Befunde und legen eine Rolle von Darmbarrierestörungen und mikrobieller Dysbiose in der Pathogenese der Arthrose nahe.
Besonders interessant ist, dass diese Assoziationen unabhängig von Adipositas beobachtet wurden, ein Risikofaktor, der bei der Kniearthrose stark ausgeprägt ist, bei der Handarthrose hingegen eine untergeordnete Rolle spielt. Dennoch wurden erhöhte Marker der intestinalen Permeabilität auch bei adipösen Patienten mit Kniearthrose beschrieben, was die Hypothese unterstützt, dass metabolische Faktoren und gestörte Darmbarriere synergistisch zur Arthroseentwicklung beitragen könnten – unabhängig vom betroffenen Gelenktyp.
Trotz methodischer Einschränkungen liefert die Studie wichtige Hinweise auf eine therapeutisch nutzbare Verbindung zwischen intestinaler Gesundheit und Arthrose. Strategien zur Wiederherstellung der Darmbarriere – etwa durch Probiotika, Ernährung oder andere Mikrobiom-Interventionen – könnten neue Behandlungsansätze in der OA-Therapie ermöglichen.

RA: Alter bei Krankheitsbeginn und radiologische Veränderungen
Age of onset of rheumatoid arthritis and radiographic changes
Shimizu M. et al. Semin Arthritis Rheum 2025;71:152635
Registerbasierte Studie von Patienten mit rheumatoider Arthritis mit dem Ziel, den Effekt des Alters bei Krankheitsbeginn auf neue Gelenkserosionen sowie die radiologische Progression zu untersuchen.
284 Patienten wurden innerhalb von zwei Jahren nach RA-Diagnose in die Studie aufgenommen; der modifizierte totale Sharp-Score (mTSS) betrug in der jüngeren Gruppe 0,54 (Alter <44 Jahre), 3,12 in der mittleren Gruppe (45 bis 65 Jahre) und 4,77 in der ältesten Gruppe (>66 Jahre). Als Ergebnis zeigte sich mit höherem Alter bei Krankheitsbeginn eine grössere Anzahl von Gelenkserosionen sowie eine stärkere Progression der radiologischen Veränderungen.
Fazit
Allgemein besteht eine Tendenz, ältere Patienten eher weniger aggressiv zu behandeln als jüngere. Die vorliegende prospektive Studie zeigt aber, dass gerade im Alter eine adäquate intensive Behandlung notwendig ist, um destruktive Veränderungen möglichst gering zu halten. Der Effekt einer unterschiedlichen Therapiestrategie bei den Studienteilnehmern konnte analytisch weitgehend ausgeschlossen werden, so dass die Resultate in dieser Beziehung solide erscheinen.
