Verhindert die arthroskopische Operation beim femoro-acetabulären Impingement die Entwicklung einer Coxarthrose?

Modern Hip Arthroscopy for FAIS May Delay the Natural History of Osteoarthritis in 25% of Patients: A 12-Year Follow-up AnalysisModern Hip Arthroscopy for FAIS May Delay the Natural History of Osteoarthritis in 25% of Patients: A 12-Year Follow-up Analysis

Ramkumar P et al., Am J Sports Med 2024;52(5):1137

In dieser retrospektiven Studie wurde untersucht, ob die arthroskopische Intervention (Labrum Reparatur, Korrektur Offset-Störung) bei jüngeren Personen mit einem femoro-acetabulären Impingement (FAI) die Entwicklung einer Koxarthrose verhindert. Es wurden 619 konsekutive Patienten aus dem Hospital for Special Surgery in NY evaluiert. Es fanden sich 100 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 33.8 Jahren, die ein beidseitiges FAI hatten und bei denen eine Seite arthroskopisch operiert wurde. Präoperativ hatten 98 % der Patienten ein radiologisches Koxarthrosestadium nach Tönnis von 0 oder 1 (Skala 0 bis 4, wobei 0 keine Arthrose und 4 eine schwere Arthrose bedeutet). Die durchschnittliche postoperative Beobachtungsdauer betrug bei den operierten Patienten 12 Jahre. In diesem Zeitraum kam es bei 48% der Patienten auf der nicht operierten Seite zu einer Progredienz der Koxarthrose, verglichen mit 28 % auf der operierten Seite. 70 % der Patienten hatten nach durchschnittlich 12 Jahren auf beiden Seiten das gleiche Tönnis Stadium, 25% wiesen auf der operierten Seite ein niedrigeres Stadium auf, 5 % hatten auf der operierten Seite ein höheres Stadium. 7 operierte versus 6 nicht operierte Hüften erhielten im Verlauf einen prothetischen Hüftgelenksersatz.

Kommentar
Diese Studie belegt bei jüngeren Personen einen gewissen, wenn auch bescheidenen Effekt einer arthroskopischen Intervention beim femoro-acetabulären Impingement nach einer Beobachtungsdauer von 12 Jahren.

Die Indikationsstellung einer arthroskopischen Operation sollte deshalb auch bei jüngeren Personen zurückhaltend gestellt werden. Für mich kommt diese Intervention bei sehr jungen, sportlich aktiven (z.B. Profisportler) Personen mit einem symptomatischen FAI, das die weitere Sportkarriere gefährdet, in Frage. Bei allen anderen, auch jüngeren Personen, bin ich diesbezüglich zurückhaltend.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Wirkung der Protonenpumpenhemmer auf Knochendichte und Knochenmikroarchitektur bei Patienten unter Steroidtherapie

Proton Pump Inhibitor Use and Bone Health in Patients with Rheumatic Diseases: A Cross-Sectional Study

Palmowski A.et al. Mayo Clinic Proceedings 2024; 99(7): 1046

In einer Querschnittsstudie wurde die Wirkung von Protonenpumpenhemmern (PPI) auf die Knochendichte (BMD) und die Knochenmikroarchitektur (gemessen am trabekulären Knochenscore (TBS)) bei Patienten mit entzündlichen rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen (iRMDs) untersucht. Querschnittsdaten aus einer prospektiven Kohorte (2015 bis 2022) von Patienten mit iRMDs wurden verwendet, um drei gleichrangige primäre Endpunkte zu bewerten: die BMD des linken Schenkelhalses und der Lendenwirbelsäule (als T-Scores) sowie den TBS. Die inverse Wahrscheinlichkeit wurde angepasst für zahlreiche Störfaktoren, darunter Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, aktuelle und kumulative Glukokortikoid (GC)-Dosis, C-reaktive Proteinspiegel, Behinderung und andere. Die Studie umfasste 1495 Patienten (75% Frauen; Durchschnittsalter: 62,6 ± 13,1 Jahre; 49% und 63% mit regelmäßiger PPI- bzw. GC-Nutzung). Unterschiede zwischen PPI-Nutzern und Nichtnutzern waren nur bei Patienten statistisch signifikant, welche gleichzeitig GCs in einer Dosis von mehr als 7,5 mg/Tag Prednisonäquivalent einnahmen. Der TBS war bei PPI-Nutzern und Nichtnutzern ähnlich. Die Ergebnisse legen nahe, dass PPIs zu einem Verlust an Knochendichte/BMD führen; der negative Zusammenhang zwischen PPI-Nutzung und BMD scheint von der gleichzeitigen GC-Nutzung abzuhängen.

Kommentar
Meta-Analysen haben bereits in der Vergangenheit konsistent ein erhöhtes Risiko für Hüft-, Wirbelsäulen- und allgemeine Frakturen bei der Verwendung von PPIs gezeigt. In dieser Studie wurde der negative Einfluss von PPIs auf die BMD besonders bei Patienten offensichtlich, welche gleichzeitig höhere Dosen von GCs (mehr als 7,5 mg/Tag Prednisonäquivalent) einnahmen. Dies deutet auf eine Wechselwirkung zwischen PPIs und GCs hin, die den Verlust der Knochendichte verschärft. Es gab keinen signifikanten Unterschied im trabekulären Knochenscore (TBS) zwischen PPI-Nutzern und Nichtnutzern. Dies könnte daraufhin deuten, dass der Anstieg der Frakturen unter PPI wahrscheinlich auf die Beeinträchtigung der BMD und nicht Knochenmikroarchitektur zurückzuführen ist.

Mögliche Mechanismen, welche den Einfluss von PPIs auf die Knochengesundheit erklären könnten eine verminderte Kalziumabsorption, direkte Hemmung der Osteoklastenaktivität oder auch indirekte Effekte durch Hypomagnesiämie und Vitamin-B12-Mangel sein.

Limitierend ist das Querschnittstudien-Design; für die Feststellung von Kausalität wären Längsschnittstudien von Vorteil.

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Dr. Christian Marx
Zürich

Aderhautdicke korreliert mit Aktivität der Spondylitis ankylosans

Choroidal Thickness Is a Biomarker Associated With Response to Treatment in Ankylosing Spondylitis

Steiner M. et al. J Clin Rheumatol 2024;30:131

Die Autoren untersuchten die Aderhautdicke (Choroidal Thickness, CT) bei 44 Patienten mit Spondylitis ankylosans (AS) als Parameter für eine systemische Entzündung bei AS zuvor und nach 6 Monaten Behandlung mit Biologika.

Die CT-Werte waren zu Studienbeginn signifikant höher als nach 6-monatiger Behandlung (Ausgangswert: 355 μm; 6 Monate: 341 μm; p<0.001). Es gab eine 95%-ige Übereinstimmung zwischen CT und CRP zu Studienbeginn und nach 6 Monaten. Klinisch bedeutsame Verbesserungen waren mit einer niedrigeren CT zu Beginn der Studie (<374 μm) verbunden.

Es handelt sich um eine kleine (gerade einmal 44 Patienten) aber spannende Studie zu einem bisher nicht beachteten Phänomen. Wenn wir unsere Patienten mit AS beim Verdacht auf eine Uveitis zum Ophthalmologen schicken, sollte auch die Aderhautdicke gemessen werden, als Aktivitätsparameter und damit als Hilfe für die Therapieentscheidung.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Kognitive Beeinträchtigung im Alter: Kombiniertes physisch/kognitives Training

Effect of combined physical-cognitive training on the functional and cognitive capacity of older people with mild cognitive impairment: a randomized controlled trial

Castellote-Caballero Y. et al. BMC Medicine 2024; 22: 281

Die Zunahme der älteren Population, insbesondere auch in der rheumatologischen Praxis, führt zu einer wachsenden Prävalenz von spezifischen Störungen wie beispielsweise kognitivem Vermögen. Die vorliegende Studie analysierte die kombinierte Therapie mit physischen und kollektiven Interventionen, um bei älteren Leuten eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten zu erzielen.

Über 12 Wochen wurden zwei Gruppen randomisiert kontrolliert behandelt: Die eine Gruppe mit lediglich kognitiver Stimulation, die zweite Gruppe mit zusätzlichem physischem Training.

Als Resultat zeigte sich eine signifikante Verbesserung sowohl in physischen wie auch kognitiven Aspekten (Gleichgewicht, Gehen, Kraft der oberen und unteren Extremitäten, Flexibilität, physische Funktion, kognitive Funktion, Sprechfluss sowie in exekutiven Funktionen) im Vergleich zur Kontrollgruppe mit alleinigem kognitivem Training.

Fazit
Bei milden kognitiven Störungen im Alter lohnt sich eine kombinierte Intervention sowohl kognitiv wie auch physisch, um die Lebensqualität beträchtlich zu verbessern. Gerade in der rheumatologischen Praxis treffen wir immer wieder entsprechende Kandidatinnen und Kandidaten für ein solches Training an.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich