Sind Statine hilfreich zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse unter Tofacitinib im Vergleich zur TNF-Hemmertherapie

Use of statins and its association with major adverse cardiovascular events with tofacitinib vs TNF inhibitors in patients with rheumatoid arthritis with and without atherosclerotic cardiovascular disease

Giles J. et al. Ann Rheum Dis 2025:online ahead of print

Diese Arbeit hat als post-hoc Analyse der «ORAL surveillance» Studie untersucht, inwieweit die Gabe eines Statins bei Patientinnen und Patienten mit RA unter Tofacitinib im Vergleich zu einem TNF-Hemmer (TNFi) mit einem schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignis (MACE, major cardiovascular event) assoziiert ist.

Bei 53% der Patienten mit einer positiven Anamnese für eine arteriosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung (ASCVD, atherosclerotic cardiovascular disease) waren Statine bereits eingesetzt worden, falls lediglich ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignis vorlag, kamen bei 27% der Patienten Statine zum Einsatz. Diese Verteilung war unabhängig von der Gabe von Tofacitinib oder einem TNFi.

Bei ASCVD Patienten ohne Einsatz eines Statins lag das Auftreten eines MACE unter Tofacitinib deutlich höher als im Vergleich zum TNFi mit einer hazard ratio von 4.07. Falls ein Statin bei ASCVD Patienten bereits zu Beginn oder im Verlauf der RA Therapie zum Einsatz kam, zeigte sich kein wesentlicher Unterschied im Auftreten eines MACE in der Tofacitinib versus der TNFi Gruppe (hazard ratio 1.17).

Kommentar
Die Gabe eines Statins zeigt hier doch einen deutlichen Effekt im Hinblick auf schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse in der Hochrisikopopulation der kardiovaskulären Vorerkrankungen – insbesondere bei Einsatz von Tofacitinib.

Die Warnung vor einem MACE unter Januskinaseinhibition wird bleiben (müssen?), eine Risikoreduktion können wir aber anstreben und anscheinend auch erfolgreich umsetzen.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Karpaltunnelsyndrom als Frühzeichen der Rheumatoiden Arthritis

Carpal Tunnel Syndrome as an Early Underrecognized Feature of Rheumatoid Arthritis: A Population-Based Study of Carpal Tunnel Syndrome Occurrence Before and After Rheumatoid Arthritis Incidence

George R.J. et al. Arthritis Care Res 2025 May 5. doi: 10.1002/acr.25566.

Die Gesamtprävalenz eines Karpaltunnelsyndroms (KTS) vor oder bei der Diagnosestellung einer Rheumatoiden Arthritis (RA) betrug bei 1335 Patienten mit RA (Zeitspanne 1980 bis 2019) verglichen mit 1331 Personen ohne RA 179 Patienten mit RA (13 %) vs. 85 Personen ohne RA (6 %) (Odds Ratio [OR] 2.23). Die meisten früheren KTS-Diagnosen traten ≥2 Jahre vor dem Indexdatum auf (112 Ereignisse bei Patienten mit RA vs. 75 Ereignisse bei Personen ohne RA). Nach der RA-Diagnose hatten Personen mit RA (im Vergleich zu Personen ohne RA) ein ~80 % höheres Risiko für ein KTS (Hazard Ratio [HR] 1.78). Das Risiko für ein KTS bei Patienten mit seronegativer (vs. seropositiver) RA betrug OR 1.33 vor der RA-Diagnose und HR 1.37 danach. Bei Patienten mit RA waren Adipositas (HR 1.42) und fehlende ACPA («seronegativ») (HR 1.79), aber nicht andere Risikofaktoren, mit einem erhöhten KTS-Risiko verbunden.

Beim mehr als zweifachen Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom (KTS) in den Jahren vor der RA und beim 1.8-fach erhöhten Risiko für ein KTS kurz nach der Diagnose RA sollte man sich bei jedem KTS die Frage stellen, ob es sich um ein Frühzeichen der Rheumatoiden Arthritis handeln könnte.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Begünstigt die Chondrocalcinose die Entwicklung einer Arthrose?

Chondrocalcinosis and incident knee osteoarthritis: findings from 2 large prospective cohorts with 20 years of follow-up

Wu Y. et al. Ann Rheum Dis 2025:online ahead of print

Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Knie-Chondrocalcinose und dem Auftreten einer Kniearthrose sowie Schmerzen. Chondrocalcinose beschreibt radiologisch sichtbare Kalziumablagerungen, meist bestehend aus Calcium-Pyrophosphat- oder basischen Kalziumphosphat-Kristallen, die häufig zusammen mit Arthrose auftreten. Unklar war bisher, ob sie eine Folge oder eine Ursache der Arthrose darstellen. Grundlage der Analyse waren zwei große prospektive Kohorten: die Rotterdam-Studie mit 3737 Teilnehmern und einer Nachbeobachtung von bis zu 20 Jahren sowie die Multicenter Osteoarthritis Study (MOST) in den USA mit 2750 Teilnehmern und 7 Jahren Nachbeobachtung. Eingeschlossen wurden Personen ohne oder mit nur minimaler Arthrose (Kellgren-Lawrence-Grad 0–1). Primäre Endpunkte waren das erstmalige Auftreten einer radiologisch gesicherten Kniearthrose (KLG ≥2 oder Gelenkersatz) sowie das Auftreten von Knieschmerzen.

Die Ergebnisse zeigten, dass Chondrocalcinose zu Beginn bei rund 5 % der Studienteilnehmer ohne Arthrose vorlag. Sie war signifikant mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer neuen Kniearthrose assoziiert, mit einer gepoolten Odds Ratio von 1,75 (CI 1,35–2,27; p < 0,001). Auch bei Probanden, die zu Beginn keinerlei Arthrosezeichen aufwiesen (KLG = 0), blieb die Assoziation bestehen (OR 1,77; CI 1,04–3,01). Zudem zeigte sich, dass eine höhere Ausprägung der Chondrocalcinose mit einem gesteigerten Arthroserisiko verbunden war. Bezüglich Schmerzen ließ sich hingegen keine konsistente Beziehung feststellen. In der Rotterdam-Kohorte bestand ein schwacher Zusammenhang zwischen Chondrocalcinose und neu auftretenden Schmerzen, der jedoch unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Arthrose nicht mehr nachweisbar war. Insgesamt zeigte sich, dass die Chondrocalcinose im Verlauf eher zunahm oder stabil blieb, eine Rückbildung wurde nicht beobachtet.

Kommentar
Die Autoren schließen aus dieser Studie, dass die Chondrocalcinose nicht nur eine Folge der Arthrose ist, sondern auch einen unabhängigen Risikofaktor für deren Entstehung darstellt. Sie könnte eine eigene Subgruppe von Arthrosepatienten kennzeichnen. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Chondrocalcinose als Risikofaktor berücksichtigt werden sollte.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

PsA: Wirksamkeit und Sicherheit von IL-17, IL-12/23 und IL-23-Blocker

Efficacy and safety of IL-17, IL-12/23, and IL-23 inhibitors for psoriatic arthritis: a network meta-analysis of randomized controlled trials

Gao S. et al. Frontiers in Immunology 2025:online ahead of print

Netzwerkmetaanalyse zur systematischen Evaluation der therapeutischen Wirksamkeit und Sicherheit von IL-17, IL-12/23 und IL-23-Blocker in der Therapie der PsA. Berücksichtigung von 22 randomisierten Clinical Trials mit insgesamt über 9’000 Patienten.

Insgesamt zeigten alle Blocker eine bedeutende Wirksamkeit im Erreichen eines ACR20, ACR50 wie auch ACR70 nach 12,16 und 24 Behandlungswochen. IL-17-Blocker, insbesondere Bimekizumab, Secukinumab und Ixekizumab, zeigten eine besonders starke Wirksamkeit. Betreffend Sicherheit fanden sich keine Unterschiede im Vergleich zur Placebo-Behandlung, nur Bimekizumab war mit einem höheren Risiko an Nasopharyngitis assoziiert.

Fazit
Die Netzwerkanalyse zeigte für alle Interleukin-Blocker eine deutliche Wirksamkeit, wobei IL-17-Blocker besonders hervorstachen. Unter Bimekizumab war das Risiko für Nasopharyngitis im Vergleich zu den anderen Interleukin-Blockern höher.

Interessant wäre der Einbezug von TNF-Blockern und auch JAK-Hemmern in eine Netzwerkvergleichsanalyse. Trotz aller statistischer Aufarbeitung beruhen aber die besten Vergleichsdaten immer noch auf direktem Vergleich der therapeutischen Optionen in Clinical Trials.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich