4 Wochen Ruhigstellung nach Radiusfraktur genügen
Immobilization Time for Conservative Treatment of Distal Radial Fractures in Elderly Patients: A Randomized Controlled Trial
Sala-Pujals A. et al. J Bone Joint Surg Am 2025;107:1628
135 Patienten mit dislozierter distaler Radiusfraktur wurden entweder für 4 oder für 6 Wochen immobilisiert; zu keinem Zeitpunkt (10 Tage nach Entfernung des Gipses sowie nach 3, 6 und 12 Monaten) fanden sich Unterschiede in den Schmerzen oder funktionellen Ergebnissen zwischen den beiden Gruppen. Die VAS-Werte 10 Tage nach der Gipsentfernung waren ähnlich (3.87 für die 4-wöchige Immobilisierungsgruppe und 4.00 für die 6-Wochen-Gruppe; p=0.67), ebenso wie die Patient-Rated Wrist Evaluation- (PRWE-) Werte (14.18 für die 4-Wochen-Gruppe und 15.51 für die 6-Wochen-Gruppe; p=0.686) und die QuickDASH- (Fragebogen zu Behinderungen des Arms, der Schulter und der Hand) Werte (15.46 für die 4-Wochen-Gruppe und 17.86 für die 6-Wochen-Gruppe; p=0.449) nach einem Jahr. Die Malunion-Rate betrug 29.9 % in der 4-Wochen-Gruppe und 32.8 % in der 6-Wochen-Gruppe (p=0.85), und es gab keine signifikanten Unterschiede bei den Komplikationen oder dem Bewegungsumfang zwischen den Gruppen.
Eine 4-wöchige Immobilisierungsphase bot eine gleichwertige Schmerzkontrolle, funktionelle Ergebnisse und Komplikationsraten wie eine 6-wöchige Immobilisierungsphase bei älteren Patienten mit dislozierten distalen Radiusfrakturen, die nicht-operativ behandelt wurden. Eine einfache, kleine klinische Studie kann langjährige Empfehlungen ändern. Der Trend zu frühfunktioneller Behandlung bewährt sich.

Duale Anti-Ro52/Ro60-Positivität als Marker für Organbeteiligung und Progression bei systemischer Sklerose
Dual Positivity for Anti-Ro52 and Anti-Ro60 Antibodies Is Linked to Greater Organ Involvement and Disease Progression in Systemic Sclerosis
Yin H et al. Sem Arthritis Rheum 2025;74:152810
Diese monozentrische Beobachtungsstudie an 379 Patientinnen und Patienten mit systemischer Sklerose zeigt, dass die gleichzeitige Positivität für Anti-Ro52/TRIM21- und Anti-Ro60/SSA-Antikörper eine klar definierte Hochrisiko-Untergruppe kennzeichnet. Doppelt positive Patientinnen und Patienten weisen eine signifikant höhere Prävalenz und Progressionsrate schwerer Organmanifestationen auf – insbesondere interstitielle Lungenerkrankung (ILD), pulmonale arterielle Hypertonie (PAH), digitale Ulzera und gastrointestinale Beteiligung. Die Doppelpositivität erwies sich in multivariaten Modellen als unabhängiger Prädiktor sowohl für Organbeteiligung (z. B. ILD: aOR ≈ 2,3) als auch für eine verkürzte progressionsfreie Überlebenszeit (HR ≈ 1,9). Diese Befunde belegen, dass Anti-Ro52 und Anti-Ro60 synergistisch wirken und eine besonders aggressive, systemisch fibrosierende Krankheitsform definieren.
Kommentar
Diese Studie belegt, dass die kombinierte Positivität für Anti-Ro52/TRIM21- und Anti-Ro60/SSA-Antikörper bei systemischer Sklerose eine klar abgegrenzte Hochrisikogruppe definiert. Doppelpositive Patientinnen und Patienten weisen eine deutlich erhöhte Prävalenz und Progressionsrate schwerer Organmanifestationen auf, insbesondere ILD, PAH, digitale Ulzera und gastrointestinale Beteiligung. Mechanistisch scheint die Koexpression beider Antikörper über eine chronische Aktivierung des Interferon-Signalwegs und verstärkte Autoantigenpräsentation synergistisch zu wirken und dadurch die fibrosierende Organpathologie zu verstärken. Die Überlebensanalysen zeigen eine nahezu verdoppelte Progressionswahrscheinlichkeit bei Doppelpositivität, was ihren prognostischen Wert unterstreicht. Bemerkenswert ist, dass Ro52 allein erst nach Adjustierung für andere Autoantikörper als unabhängiger Risikofaktor hervortritt – ein Hinweis darauf, dass bisherige Inkonsistenzen in der Literatur teils durch fehlende Berücksichtigung der Doppelpositivität erklärbar sind. Trotz methodischer Einschränkungen liefert diese Arbeit robuste Evidenz, dass Anti-Ro52/Ro60-Doppelpositivität ein zentraler prognostischer Marker für Multiorganbeteiligung und rasche Progression in der systemischen Sklerose ist – und somit ein entscheidendes Ziel zukünftiger pathophysiologischer und therapeutischer Forschung darstellt.

Neues wirksames Medikament zur Behandlung des Sjögren-Syndroms
Efficacy and safety of nipocalimab in patients with moderate-to-severe Sjögren's disease (DAHLIAS): a randomised, phase 2, placebo-controlled, double-blind trial
Noaiseh G et al., Lancet 2025;406(10518):2435
In dieser randomisierten, doppelblinden Phase-2-Studie wurden 163 erwachsene Patienten mit aktivem, Anti-Ro-positivem Sjögren-Syndrom und einem ClinESSDAI ≥ 6 an 69 Zentren in Europa, den USA und Asien eingeschlossen. Sie erhielten alle zwei Wochen entweder Nipocalimab in einer Dosis von 5 mg/kg oder 15 mg/kg intravenös, oder ein Placebo, über einen Zeitraum von 24 Wochen. Primärer Endpunkt war die Veränderung des ClinESSDAI-Wertes nach 24 Wochen, der die systemische Krankheitsaktivität abbildet, jedoch bewusst die IgG- und B-Zell-Domänen des ESSDAI ausklammert, um mechanistische Verzerrungen zu vermeiden.
Nipocalimab ist ein monoklonaler Antikörper, der den neonatalen Fc-Rezeptor blockiert und damit den Abbau von IgG, nicht jedoch IgM und IgA, einschließlich pathogener Autoantikörper, beschleunigt.
Die höhere Dosis Nipocalimab (15 mg/kg) erreichte den primären Endpunkt und führte zu einer statistisch signifikanten Reduktion der Krankheitsaktivität gegenüber Placebo. Die Abnahme des ClinESSDAI war in dieser Gruppe deutlich ausgeprägter als in der Placebogruppe, während die niedrigere Dosis (5 mg/kg) keine signifikante Verbesserung erreichte. Auch in den wichtigsten sekundären Endpunkten zeigte sich unter 15 mg/kg ein konsistenter klinischer Nutzen, darunter Verbesserungen von ESSDAI, kombinierten Responsekriterien und patientenberichteten Symptomen. Besonders bemerkenswert war eine Tendenz zur Besserung von Trockenheit, Fatigue und Schmerzen sowie eine höhere Rate an Patienten mit deutlicher Zunahme des unstimulierten Speichelflusses. Die Wirkung war am stärksten bei Patienten mit hohen Ausgangstitern der relevanten Autoantikörper, was den pathogenetischen Stellenwert von IgG-Autoantikörpern zusätzlich unterstreicht.
Pharmakodynamisch kam es unter Nipocalimab zu raschen und ausgeprägten dosisabhängigen Reduktionen des Gesamt-IgG sowie der Autoantikörper Anti-Ro52, Anti-Ro60 und Anti-La um etwa 50–60 %. Diese Spiegel normalisierten sich innerhalb von acht Wochen nach Therapieende wieder.
Das Sicherheitsprofil war insgesamt günstig und unterschied sich nicht wesentlich von Placebo. Es traten keine Todesfälle und keine opportunistischen Infektionen auf. Hypogammaglobulinämien waren unter Nipocalimab erwartungsgemäß häufiger, blieben jedoch klinisch moderat und erforderten keine Substitutionstherapie. Schwerwiegende Infektionen waren selten und traten nicht gehäuft auf. Eine Anaphylaxie wurde einmal unter der 5-mg/kg-Dosis berichtet und vollständig behandelt. Gastrointestinale Nebenwirkungen, insbesondere Diarrhö, waren unter der 15-mg/kg-Dosis leicht erhöht, jedoch mild und vorübergehend.
Kommentar
Insgesamt zeigt die DAHLIAS-Studie, dass Nipocalimab in einer Dosis von 15 mg/kg alle zwei Wochen die systemische Krankheitsaktivität bei aktivem Sjögren-Syndrom signifikant reduziert und dabei gut verträglich ist. Die ausgeprägte und reversibel bleibende Reduktion von pathogenen IgG-Autoantikörpern untermauert deren pathogenetische Bedeutung und spricht dafür, dass FcRn-Blockade ein vielversprechender Therapieansatz für das Sjögren-Syndrom sein könnte. Weitere Studien über längere Zeiträume sind notwendig, um die Nachhaltigkeit der Effekte und das Sicherheitsprofil weiter zu studieren.

Hydroxychloroquin bei Risiko für rheumatoide Arthritis
A phase 2 trial of hydroxychloroquine in individuals at risk for rheumatoid arthritis
Deane KD et al. Arthritis Rheum 2025; accepted article:doi.org/10.1002/art.43366
Diese Phase 2 randomisierte Studie untersuchte, ob Hydroxychloroquin (HCQ) bei Personen mit anti-CCP-Antikörpern (>2-fache obere Norm) häufiger die Entstehung einer rheumatoiden Arthritis (RA) unterdrückt als Placebo. HCQ wurde während 12 Monaten verabreicht, nach 36 Monaten zeigte sich unter HCQ eine klinische RA in 30.4%, unter Placebo in 32.9 %, ohne signifikante Differenz. Auch die Ausprägung der Gelenksymptome unterschied sich nicht zwischen den Gruppen.
Fazit
Bei erhöhten Titern von anti-CCP-Antikörpern wird angeblich oft HCQ eingesetzt, um das Auftreten einer klinischen RA hinauszuzögern oder gar zu unterdrücken. Die vorliegende Studie zeigt nun, dass dies keinen Sinn macht, indem HCQ nicht anders als Placebo auf die Entwicklung einer RA bei CCP-Ak positiven Personen wirkt.
Frühere Studien zeigten einen kurzfristigen Effekt von Rituximab und auch Methotrexat, ohne dass längerfristig eine Verzögerung bzw. eine Verhinderung einer klinischen RA festgestellt werden konnte. Eine Studie mit Abatacept hatte allerdings eine verminderte Rate an klinischer RA 12 Monate nach Stopp des Medikamentes ausgewiesen, wobei die stärkste Unterdrückung der Rate einer klinischen RA bei fortgesetzter Therapie mit Abatacept verzeichnet wurde. Es ist also durchaus möglich, dass einzelne Substanzen fähig sind, bei Risikopersonen eine klinische RA hinauszuzögern oder gar ganz zu unterdrücken. HCQ gehört jedenfalls nicht dazu.
