Widerstands- oder neuromuskuläres Training bei Coxarthrose ebenbürtig
Progressive Resistance Training or Neuromuscular Exercise for Hip Osteoarthritis: A Multicenter Cluster Randomized Controlled Trial
Kjeldsen T. et al. Ann Intern Med 2024;177:573
160 Patienten mit klinisch diagnostizierter Coxarthrose wurden entweder mit progressivem Widerstandstraining (PRT, 5 hochintensive Widerstandstrainingsübungen) (n=82) oder mit neuromuskulärem Training (NEMEX, 10 Übungen für die sensomotorische Kontrolle und funktionelle Stabilität) (n=78) während 12 Wochen mit wöchentlich 2 betreuten 60-minütigen Gruppensitzungen behandelt. Die als primärer Endpunkt festgelegte Veränderung im 12-Wochen-Verlauf des 30-second chair stand tests (30s-CST) betrug 1.5 mit PRT und 1.5 mit NEMEX. Als sekundäre Endpunkte wurden die Schmerz- und die Lebensqualitäts-Subskalen (QoL) des Hip Disability and Osteoarthritis Outcome Score (HOOS) gemessen. Die Veränderung bei den Schmerzen betrug 8.6 Punkte mit PRT und 9.3 Punkte mit NEMEX sowie beim HOOS-QoL 8.0 Punkte mit PRT und 5.7 Punkte mit NEMEX (alle Gruppenvergleiche nicht signifikant).
Diese hochrangig publizierte Studie zeigt einmal mehr, dass der Vergleich von verschiedenen aktiven Übungen bei Patienten mit degenerativen Veränderungen keine signifikanten Unterschiede nachweisen kann. Weshalb riskieren die Autoren keinen Placeboarm (z. B. Warteliste)? Schliesslich war auch bei dieser zweiarmigen Studie keine Verblindung möglich, was für die Studienqualität eine Einschränkung bedeutet. Die gute Nachricht ist, dass es bei der Empfehlung, dass Bewegung zur Erstlinienbehandlung für Patienten mit Arthrose günstig ist, bleibt, ohne dass die Art der Bewegung eine Rolle spielt.

Erhöhte Malignom-Prävalenz bei Patienten mit IgG4 assoziierter Erkrankung
Increased prevalence of malignancies in patients with IgG4-related disease: implications for clinical care
Keller-Sarmiento L. et al. Rheumatology 2024:online ahead of print
In dieser retrospektiven Studie aus Italien wurde untersucht, ob die Prävalenz von Malignomen bei Patienten mit einer IgG4 assoziierten Erkrankung (IgG4 Related Disorder = IgG4-RD) erhöht ist. Aus einer Kohorte von 210 Patienten (durchschnittliches Alter 58 Jahre bei Diagnosestellung) hatten vor oder nach Diagnosestellung des IgG4-RD 37 Patienten (18%) ein oder mehrere Malignome. Insgesamt traten 48 Malignome bei den 37 betroffenen Patienten auf. 32 Malignome traten vor der Diagnose (durchschnittlich 80 Monate davor), 16 nach der Diagnose (durchschnittlich 23 Monate danach) des IgG4-RD auf. Bei den diagnostizierten Malignomen handelte es sich um Prostata-Ca (23%), Lymphome (15%), Nieren- und Blasen-Karzinome (16 %), kolorektale Karzinome (13%), Melanome (10%) und seltener diverse andere.
Die standardisierte Inzidenz Ratio (SIR) der malignen Erkrankungen, verglichen mit einer italienischen «Normalpopulation», betrug 2.54 und war damit deutlich erhöht. Vor allem IgG4-RD Patienten mit einer Beteiligung des Pankreas hatten eine erhöhte Malignomrate.
Das durchschnittliche Alter der Patienten mit Malignomen vor Diagnosestellung des IgG4-RD betrug 64 Jahre und 68 Jahre bei den Patienten mit Diagnosestellung des IgG4-RD vor Auftreten des Malignoms.
Kommentar
Diese retrospektive Kohortenstudie von 210 Patienten mit einer IgG4 assoziierten Erkrankung (IgG4-RD) zeigt eine deutlich erhöhte Prävalenz von Malignomen, sowohl vor Diagnosestellung des IgG4-RD, als auch danach. Insbesondere eine Beteiligung des Pankreas beim IgG4-RD scheint ein hohes Malignom-Risiko zu haben. Um das IgG4-RD als mögliche paraneoplastische Erkrankung zu bezeichnen, braucht es aber noch mehr Daten.
Aufgrund dieser Daten sollten Patienten mit Neudiagnose eines igG4-RD gut überwacht und ein Tumorscreening gemacht werden.

Assoziation zwischen «late» Kapillarmikroskopie – SSc Muster und pulmonal-arterieller Hypertonie
Significant Nailfold Capillary Loss and Late Capillaroscopic Pattern Are Associated with Pulmonary Arterial Hypertension in Systemic Sclerosis
De Angelis R. et al. Rheumatology 2024;63(6):1616
In einer Fall-kontrollierten Querschnittsstudie wurde bei 110 SSc-Patienten untersucht, ob es Unterschiede gibt in der Nagelfalzkapillarmikroskopie (NVC) zwischen SSc-Patienten mit und ohne Diagnose einer pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH). Die Patienten wurden in Fälle (SSc-PAH, bestätigt durch Rechtsherzkatheterisierung) und Kontrollen (SSc-nonPAH mit niedriger Wahrscheinlichkeit für PAH) unterteilt. NVC-Muster (früh, aktiv und spät) und morphologische Parameter (Mikrogefäßdichte, unspezifische Abnormalitäten, Riesenkapillaren, Mikroblutungen, avaskuläre Bereiche) wurden unter Verwendung eines semiquantitativen Bewertungssystems berücksichtigt.
SSc-PAH-Patienten zeigten signifikant höhere Häufigkeiten des späten Musters, unspezifische Abnormalitäten, geringere Kapillardichte, höhere avaskuläre Bereiche und einen höheren mittleren NVC-Score. Im Gegensatz dazu zeigte das frühe/aktive Muster und eine höhere Rate an Mikroblutungen bei non-PAH-Patienten häufiger. In einer multivariaten Analyse hatten SSc-PAH-Patienten im Vergleich zu non-PAH mehr unspezifische Abnormalitäten (OR 16.89), eine geringere Kapillardichte (OR 38.33) und avaskuläre Bereiche (OR 16.90). Auch zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen dem mittleren pulmonalarteriellen Druck und avaskulären Bereichen, Kapillardichte und unspezifischen Abnormalitäten. Die Ergebnisse zeigen, dass die charakteristische periphere mikrozirkulatorische Schädigung bei SSc, d.h. Kapillarverlust und morphologische Abnormalitäten, bei Patienten mit SSc-PAH schwerwiegender und ausgeprägter sind.
Kommentar
Die Studie analysiert die grösste Stichprobe von Patienten mit SSc-PAH, welche mittels Rechtsherzkatheterisierung diagnostiziert wurden. SSc-PAH-Patienten zeigten eine hohe Häufigkeit des späten NVC-Musters. Interssant ist die Korrelation zwischen dem mittleren pulmonalarteriellen Druck (mPAP) und avaskulären Bereichen, Kapillardichte und unspezifischen Abnormalitäten. Der Einbezug von NVC-Befunden in ein klinisches Modell könnte potenziell für eine frühere Diagnose von PAH verwendet respektive in den DETECT-Algorythmus zur Risikoeinschätzung von PAH bei SSc-Patienten integriert werden. Die Studie ist durch ihr Querschnittsdesign begrenzt, was keine kausale Beziehung zwischen NVC-Abnormalitäten und der Entwicklung von PAH zulässt. Die Diagnose von PAH basierte auf den ESC/ERS-Richtlinien von 2016 und nicht auf der aktualisierten Definition von 2022.

Lippendrüsenbiopsie bei Verdacht auf Sjögren Syndrom
The Value of Labial Gland Biopsies as a Diagnostic Test for Sjögren’s Syndrome
Clark M. et al. Head Neck Pathol 2024;18:64
50 Lippenbiopsien wurden untersucht in Bezug auf die Histologie, wobei die Übereinstimmung verschiedener Pathologen und die Nützlichkeit für die Diagnostik eines Sjögren-Syndroms evaluiert wurde.
Alle Biopsien wiesen adäquates Gewebe für die Beurteilung auf. Die Übereinstimmung mit dem ursprünglich referierenden Pathologen betrug 84% betreffend die Einschätzung, dass die Histologie die Diagnose eines Sjögren-Syndroms unterstützt. Indessen lag die Übereinstimmung zwischen den Pathologen in Bezug auf den sogenannten Fokus-Score lediglich bei 58%. Die Serologieresultate stimmten mit der Aussage der Histologie in 79% überein.
Fazit
Eine Lippenbiopsie ist invasiv und nicht selten führt diese lange Zeit zu veränderten Sensationen der Lippen. Aus diesem Grund wurde hier der Stellenwert der Lippenbiopsie für die Diagnostik des Sjögren-Syndroms untersucht. Laut Autoren berechtigen die gefundenen Resultate nicht, generell eine Lippenbiopsie durchzuführen zur Diagnostik, zumal die isolierten histologischen Befunde, insbesondere bei einem tiefen Fokus-Score, nicht diagnostisch sind.
Diese Studie stellt den Stellenwert einer Lippenbiopsie stark in Frage. Nebst der Klinik dürfte die Serologie und vor allem auch die Ultraschalluntersuchung grössere Bedeutung erlangen.
