GLP-1RAs mit Gewichtsabnahme verbessern PsA-Krankheitsaktivität

Glucagon-like peptide-1 receptor agonist therapy is associated with improvement in psoriatic arthritis-related and metabolic outcomes: A retrospective analysis of two cohorts

Haberman R.H. et al. Arthritis Rheumatol 2026. doi: 10.1002/art.70170

Diese retrospektive Analyse von Patienten mit Psoriasisarthritis (PsA), welche neu Glucagon-ähnliche Peptid-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RAs) einnahmen, wurde aus zwei Kohorten (die University of Toronto PsA (Toronto)-Kohorte am Women’s College Hospital und die NYU Langone Health Psoriatic Arthritis Center (NYU PAC)-Kohorte) rekrutiert und umfasste 48 Patienten mit einem mittleren BMI von 34.9 kg/m2 (Alter 52.7 Jahre; 60.4 % Frauen, initialer Disease Activity index for PsA- [DAPSA]-Score 14.5). Nach einjähriger Behandlung mit GLP-1RAs wurde ein signifikanter Gewichtsverlust beobachtet (-6,43 kg, p<0.0001), wobei 60 % ≥5 % ihres Ausgangsgewichts verloren. CRP-Werte (-1.1 mg/L, p=0.002), Triglyzeridwerte (-0.35 mmol/L, p=0.02), Schmerzwerte (-1.0, p=0.01) und die Anzahl geschwollener Gelenke (0, p=0.03) sanken signifikant. Jede Verringerung des Körpergewichts um 1 % war mit signifikanten Verbesserungen im DAPSA [β=-0.49], der Anzahl ‘tender joints’ [β=-0.18], des EQ-5D [β=0.001], des LDL [β=-0.05] und des systolischen Blutdrucks [β=-0.67] verbunden.

Die GLP-1RA-Therapie führte in einem Jahr zu einem signifikanten Gewichtsverlust und gleichzeitig zu einer signifikanten Verminderung der Krankheitsaktivität und zur Verbesserung von kardiometabolischen Parametern bei PsA-Patienten. Eine direkte Auswirkung der Substanz GLP-1RA auf die psoriatische Haut- und Gelenkerkrankung kann zwar nicht ausgeschlossen werden, aber es ist plausibel, dass diese Studie die langjährig bekannte aber oft vernachlässigte Tatsache unterstreicht, dass Übergewicht die Krankheitsaktivität (hier bei PsA) fördert und Gewichtsreduktion zu einer Verminderung der Krankheitsaktivität führt.

Zur Studie
KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Tofacitinib hat keinen negativen Einfluss auf das Wachstum bei JiA Patientinnen und Patienten

Impact of tofacitinib on growth in patients with juvenile idiopathic arthritis

Brunner HI et al, Ann Rheum Dis 2026: Online ahead of print

Hintergund
Diese post-hoc Analyse von 225 Patientinnen und Patienten mit juveniler idiopathischer Arthritis (JiA) und überwiegend polyartikulärer Manifestation hat untersucht, ob eine Langzeitgabe von Tofacitinib über einen mittleren Zeitraum von 3.6 Jahren einen Einfluss auf das Wachstum der Betroffenen hat.

Insgesamt fand sich ein weitgehend gleiches Wachstum im Vergleich zu altersentsprechenden Kindern / Jugendlichen, wobei das Wachstum in der JiA Gruppe < 12 Jahre eher grösser war als zu erwarten gewesen wäre. Die zudem untersuchten Parameter des Insulin-like-growth-factors 1, des IGF bindenden Proteins und des Osteocalcins als Knochenstoffwechselmarker zeigten in der Gesamtgruppe keinen Tofactinib-Einfluss, bei den Jüngeren Betroffenen im Alter von 6-12 Jahren fand sich jedoch ein Anstieg dieser Parameter.

Die Autoren beschreiben ein «Aufholwachstum» insbesondere bei JiA Patienten während der Pubertät oder in der Gruppe der 6-12 Jährigen mit niedriger Körpergrösse zu Beginn der Behandlung.

Kommentar
Kinder und Jugendliche mit Autoimmunerkrankungen erleiden häufig einen Wachstumsstillstand und erreichen so nicht die Körpergrösse ihrer Gleichaltrigen. Dies liegt zum einen an der Krankheit, deren Aktivität und dem Einfluss auf Wachstumsfaktoren aber auch an der häufig notwendigen Gabe von Glucorticoiden.

Der Einfluss von Tofacitinib auf IGF-1 wird hier als möglicher Mechanismus der positiven Wachstumseffekte beschrieben. Inwieweit durch Tofacinitib auch die Dosis von Glucocorticoiden eingespart werden konnte, war nicht Thema dieser Pfizer-unterstützten Arbeit.

Letztlich scheint nicht ausschliesslich die gute Krankheitskontrolle eine Rolle bezüglich des Einflusses auf das Wachstum zu spielen, sondern auch der Mechanismus der verwendeten Anti-Inflammation. Grössere Studien und/oder anderweitige Daten dürften folgen.

Zur Studie
Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Intranasales Niclosamid bei Patienten mit ANCA-Vaskulitiden und nasaler Manifestation

The Effect of Intranasal Niclosamide on Nasal Symptoms in Patients with Antineutrophil Cytoplasmic Antibody-Associated Vasculitis

Lim B et al. Arthritis Rheum 2026;78(4):970

Die Studie untersuchte den Effekt von intranasalem Niclosamid, einem Antihelminthikum, auf HNO-Symptome bei ANCA-assoziierter Vaskulitis (AAV), insbesondere bei GPA/MPA mit nasaler Beteiligung. Hintergrund ist die bekannte Rolle der IL-6/STAT3-Achse und der PR3-vermittelten Granulombildung bei GPA. Niclosamid zeigte in präklinischen Modellen eine Hemmung dieser Signalwege und reduzierte granulomatöse Entzündungen.
Bei der aktuellen Arbeit handelt sich um eine post-hoc Subanalyse der randomisierten, doppelblinden, placebo-kontrollierten PROTECT-V-Studie (Humphrey et al., BMC Infect Dis 2025 Feb;25:204ff).In dieser Studie wurde untersucht, ob eine Prophylaxe mit intranasalem Niclosamd u.a. auch bei immunsupprimierten Patienten mit Autoimmunerkrankungen vor einer COVID-19 Infektion schützt. Die Studie war negativ.
In dieser Studienpopulation waren auch 32 AAV-Patienten mit HNO-Beteiligung (14 Niclosamid, 18 Placebo). Diese wurden in dieser Studie retrospektiv analysiert. Die intranasale Therapie erfolgte über durchschnittlich etwa 200 Tage. Endpunkte waren retrospektiv erhobene vaskulitische HNO-Symptome vor, während und nach Therapie.
Während der Behandlung traten HNO-Symptome nur bei 1/14 Patienten (7%) unter Niclosamid auf gegenüber 7/18 (39%) unter Placebo (P = 0.04). Besonders ausgeprägt war der Effekt bei PR3-ANCA-positiven Patienten: keiner von 10 Patienten unter Niclosamid entwickelte aktive HNO-Symptome gegenüber 5/9 (56%) unter Placebo. Nach Absetzen der Therapie verschwand der Unterschied jedoch weitgehend wieder, was eher für einen symptomkontrollierenden als dauerhaft krankheitsmodifizierenden Effekt spricht.
Die Therapie war insgesamt sicher; systemische Nebenwirkungen wurden kaum beobachtet, da die intranasale Applikation nur minimale systemische Spiegel erzeugte. Problematisch war jedoch die lokale Verträglichkeit: Nasale Irritationen führten in der Hauptstudie relativ häufig zu Therapieabbrüchen

Kommentar
Diese Arbeit ist rheumatologisch interessant, weil sie erstmals klinische Hinweise liefert, dass lokale IL-6/STAT3-modulierende Therapien bei lokalisierten HNO-Manifestationen der GPA wirksam sein könnten. Gerade für Patienten mit persistierender sinunasaler Aktivität trotz systemischer Remission könnte dies künftig therapeutisch relevant sein. Die Autoren sehen die Daten daher als «proof of concept», nicht jedoch als ausreichende Evidenz für eine klinische Anwendung ausserhalb kontrollierter Studien

Zur Studie
Dr. Thomas Langenegger
Baar

Überleben der Hüft- und Knieprothesen unter MTX

Ten-year hip and knee arthroplasty implant survival in patients with inflammatory arthritis receiving methotrexate monotherapy compared with osteoarthritis: a registry-based data linkage study

Ursini F et al. Nature Scientific Reports 2026;16:17481

Diese italienische Registerstudie untersuchte, ob Patienten mit entzündlichen Gelenkerkrankungen (rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis oder Spondylitis ankylosans), welche zum Zeitpunkt der Hüft- oder Knieprothesen-Operation mit Methotrexat (MTX) behandelt werden, langfristig ein höheres Risiko für einen Prothesenwechsel haben als Patienten mit Arthrose (ohne MTX).

Eingeschlossen wurden 225 Arthritis-Patienten mit Hüft- und 215 mit Knieprothesen unter MTX-Monotherapie. Als Kontrollgruppe diente eine Kohorte von Arthrosepatienten (449 erhielten eine Hüft-, 428 eine Knietotalprothese).

Nach 10 Jahren zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied in der Erhaltung der Implantate: Hüft-TP bei Arthritis 93,9%, bei Arthrose 96,1%; Knie-TP bei Arthritis 93,7%, bei Arthrose 93,9%.

Weitere Resultate
Der Zeitpunkt der MTX-Einnahme vor oder nach der Operation beeinflusste das Risiko einer Revision nicht. Die MTX-Behandelten erhielten deutlich häufiger Kortison; trotzdem war die Implantat-Haltbarkeit vergleichbar.

Fazit
Die Behandlung mit MTX scheint das Langzeitergebnis von Totalprothesen sowohl für Hüfte wie auch Knie nicht ungünstig zu beeinflussen. Dies gilt nur für eine MTX-Monotherapie, nicht aber für andere Basistherapeutika, insbesondere nicht für Biologics, welche hier nicht untersucht wurden.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich