Abatacept versus Rituximab bei rheumatoider Arthritis assoziierter Interstitieller Pneumopathie

Association of Abatacept with Lower Mortality Risk Compared to Rituximab in Rheumatoid Arthritis-Associated Interstitial Lung Disease: An Emulated Target Trial

Shih Pet al. Arthritis Rheumatol 2025:online ahead of print

Rheumatoide Arthritis (RA) kann mit interstitieller Lungenerkrankung (ILD) vergesellschaftet sein. Die optimale Wahl einer Biologikatherapie bei diesen Patienten ist bislang unklar. Bisherige Leitlinien favorisieren Rituximab, während Abatacept zunehmend als mögliche Alternative diskutiert wird.
In dieser Arbeit wurde eine grosse retrospektive Kohortenstudie auf Basis der TriNetX US Collaborative Network Datenbank durchgeführt. Eingeschlossen waren Patienten mit RA-ILD zwischen 2007 und 2024. Nach Propensity Score Matching standen 1.615 Patienten unter Abatacept ebenso vielen Patienten unter Rituximab gegenüber. Primärer Endpunkt war die Gesamtmortalität, sekundäre Endpunkte umfassten Hospitalisationen, mechanische Beatmung, Infektionsereignisse und weitere intensivmedizinische Massnahmen.

Die Analyse ergab, dass Abatacept im Vergleich zu Rituximab mit einer signifikant niedrigeren Gesamtmortalität (HR 0,69), sowie einem geringeren Risiko für mechanische Beatmung und Hospitalisation assoziiert war. Subgruppenanalysen bestätigten den Überlebensvorteil in den meisten klinischen Konstellationen, insbesondere bei biologikanaiven Patienten und solchen ohne Sauerstoffpflichtigkeit. Einschränkungen ergaben sich bei stark inflammatorischen Patienten, bei denen der Mortalitätsvorteil nicht konsistent war. Unter Rituximab traten mehr Pneumonien auf. Andere Nebenwirkungen waren in beiden Therapiegruppen vergleichbar.

Kommentar
Die Studie zeigt auf, dass Abatacept im Vergleich zu Rituximab bei RA-ILD mit besserem Überleben verbunden ist. Allerdings betonen die Autoren, dass trotz sorgfältigem Matching Residualconfounding durch Indikationsstellung nicht ausgeschlossen werden kann. Abatacept wird möglicherweise bevorzugt bei weniger aggressiven Verlaufsformen eingesetzt. Somit dürfen die Ergebnisse nicht als kausaler Nachweis interpretiert werden. Gleichwohl liefern sie erstmals head-to-head-Daten in einer grossen realen Kohorte, die für Abatacept einen konsistenten Überlebensvorteil nahelegen.
Zur Bestätigung dieser Beobachtungen sind jedoch prospektive, randomisierte kontrollierte Studien notwendig, um einen tatsächlichen kausalen Nutzen zu belegen und die Therapieempfehlungen zu untermauern.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Cannabidiol bei Fibromyalgie

Cannabidiol versus placebo in patients with fibromyalgia: a randomised, double-blind, placebo-controlled, parallel-group, single-centre trial

Uggen Rasmussen M. et al. Ann Rheum Dis 2025:online ahead of print

Diese Studie aus Dänemark hat bei insgesamt 200 Patientinnen und Patienten mit einer Fibromyalgie den Effekt von Cannabidiol (CBD) gegenüber Placebo untersucht, dies in der Annahme einer Überlegenheit von CBD. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Schmerzintensität nach 24 Wochen Therapiedauer, welche mittels NRS-Schmerzskala erhoben wurde.

Bei Therapieende nach täglicher Gabe von 50mg Pflanzenbasiertem CBD gegenüber Placebotabletten lag die mittlere Schmerzreduktion in der CBD Gruppe bei -0.4 Punkten (95% Konfidenzintervall -0.82 bis 0.08) gegenüber -1.1 Punkten  (95% Konfidenzintervall -1.53 bis -0.63) in der Placebogruppe. Somit wurde anhand dieser Daten mit einem signifikanten Unterschied zugunsten Placebo mit einem p-Wert von 0.0028 eher die Gabe des Placebo favorisiert, wobei die beobachteten Unterschiede zwischen den Gruppen von den Autoren als klinisch nicht bedeutsam interpretiert wurden.

Das Nebenwirkungsprofil wurde als eher mild angegeben und war in beiden Gruppen gleich verteilt.

Kommentar
Die oft gewünschte Hinzunahme von „Cannabis“ bei chronischen Schmerzen lässt sich in Bezug auf Patientinnen und Patienten mit einer Fibromyalgie aus dieser Studie heraus nicht rechtfertigen. Dies entspricht wahrscheinlich auch den (wenigen) Erfahrungen derjenigen, die Fibromyalgie-Betroffene mit einer meist „Eigenmedikation“ von CBD Präparaten betreut haben.

Vielmehr darf man den eigenen Placeboeffekt der Betroffenen hervorheben und somit die eigenen Ressourcen bezüglich einer Schmerzreduktion thematisieren.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Gichtanfälle treten beim Stoppen der Prophylaxe auf

Gout Flares After Stopping Anti-Inflammatory Prophylaxis: A Rapid Literature Review and Meta-Analysis

Stamp L.K. et al. Arthritis Care Res 2025;77:720

2972 Patienten mit Beginn einer uratsenkenden Therapie (ULT) und gleichzeitiger entzündungshemmender Prophylaxe wurden anhand von sechs Studien und eigenen Daten mit Blick auf weitere Gichtanfälle untersucht. Ein oder mehrere Gichtanfälle hatten 14.7 % während der Prophylaxe, 29.7 % in den drei Monaten nach Beendigung der Prophylaxe und 12.2 % während des letzten Studienzeitraums. Der Unterschied vom Zeitraum während der Prophylaxe und nach Beendigung der Prophylaxe war signifikant (p<0.0001), ebenso jener vom Absetzen der Prophylaxe verglichen mit drei Monate danach (p<0.001). Sensitivitätsanalysen zeigten keine wesentlichen Auswirkungen der Prophylaxedauer, der Studiendauer oder der ULT-Klasse.

Die Autoren folgerten, dass Gichtanfälle nach Beendigung der entzündungshemmenden Prophylaxe häufig auftreten, nach weiteren drei Monaten aber zu den Werten zurückkehren, die während der Prophylaxe beobachtet wurden (gute 10 %). Leider liefern sie keine Erklärung für dieses Phänomen. Die Patienten sollten vor dem Risiko von Gichtanfällen gewarnt werden und einen Plan für eine wirksame Behandlung von Gichtanfällen haben.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Sakroiliitis bei Morbus Crohn

Prevalence of sacroiliitis on magnetic resonance enterography in Crohn’s disease and its association with intestinal findings: a monocentric observational cross-sectional study

Amati G. et al. Clin Exp Med 2025;25:314

MR-Enterographie ist eine empfohlene Untersuchung des Dünndarms bei Morbus Crohn. Die vorliegende Studie untersuchte die Präsenz einer Sakroiliitis bei 200 Patienten (durchschnittliches Alter 49,5 Jahre) auf einem MR des Darmes, wobei allfällige TNF-Blocker mindestens drei Monate vor dem MRI abgesetzt wurden.

Eine aktive Sakroiliitis fand sich in 10,5%, weniger häufig waren Kapsulitis, Erosionen, Sklerose und Ankylose (0,5 bis 2,5%). Korrelationen mit demographischen oder klinischen Variabeln fanden sich nicht. Am häufigsten zeigte sich eine Sakroiliitis, wenn zugleich eine asymmetrische Entzündung der Dünndarmwand bestand.

Fazit
Diese Untersuchung zeigt, dass eine subklinische Sakroiliitis bei Morbus Crohn-Patienten häufig ist (rund 10%). Die Autoren empfehlen denn auch eine frühe Überweisung zur weiteren Abklärung betreffend Vorliegen einer axialen Spondyloarthritis an den Rheumatologen im Falle einer Sakroiliitis in der MR-Enterographie.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich