Koffein senkt Serum-Harnsäure

Caffeine Inhibits Both Basal and Insulin-Activated Urate Transport

Mandal A.K. et al. Arthritis Rheumatol 2024;76:1658

Die Autoren untersuchten die Wirkung von Koffein, ein Adenosinrezeptor-Antagonist, und von Adenosin auf die basale und Insulin-stimulierte Netto-14-C-Urataufnahme in der humanen proximalen Nierentubuli-Zelllinie PTC-05 und auf einzelne Urattransporter, die in Xenopus laevis-Eizellen exprimiert werden. Koffein und Adenosin hemmten sowohl die basale und Insulin-stimulierte Netto-14-C-Urataufnahme, die durch endogene Urattransporter in PTC-05-Zellen vermittelt wird. In Eizellen, die einzelne Urattransporter exprimieren, hemmte Koffein (>0,2 mM) die basale Urattransportaktivität der GLUT9-Isoformen, OAT4, OAT1, OAT3, NPT1, ABCG2 und ABCC4 effizienter als Adenosin, ohne URAT1 und OAT10 signifikant zu beeinflussen. Im Gegensatz zu Adenosin hemmte Koffein in niedrigeren Konzentrationen (<0,2 mM) jedoch sehr effektiv die Insulinaktivierung der Urattransportaktivität von GLUT9, OAT10, OAT1, OAT3, NPT1, ABCG2 und ABCC4, indem es die Aktivierung von Akt und extrazellulärer signalregulierter Kinase blockierte.

Was die Empirie in Lehrbüchern festhielt, dass Kaffeekonsum bei Gicht günstig ist, konnten diese Forscher belegen: die Hemmung der Urattransportaktivität der reabsorbierenden Transporter GLUT9, OAT10 und OAT4 durch Koffein dürfte ein Schlüsselmechanismus für die harnsäuresenkende Wirkung des Kaffees sein.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Serum-Calprotectin bei Psoriasis-Arthritis: Zusammenhang mit Krankheitsaktivität und Ultraschall

Serum Calprotectin as an Inflammatory Marker in Psoriatic Arthritis Patients: Relation to Disease Activity and Musculoskeletal Ultrasound Findings

Badr FM et al. Egyptian J Immunology 2024;31(3):40

Diese Querschnittsstudie untersuchte den Serum-Calprotectin-Spiegel bei PsA-Patienten und analysierte dessen Zusammenhang mit der Krankheitsaktivität (gemessen anhand des Disease Activity in Psoriatic Arthritis Score, DAPSA) sowie muskoskelettalen Ultraschallbefunden. Es wurden 50 PsA-Patienten und 30 Kontrollpersonen eingeschlossen und einer umfassenden Untersuchung mit Anamnese, körperlicher Untersuchung, Ultraschall der Hand- und Handgelenksgelenke sowie Laboranalysen unterzogen. Die Patienten waren im Durchschnitt 41,04 Jahre alt (±11,8 Jahre), mit einem Verhältnis von Frauen zu Männern von 3:2. Die mediane Dauer der Arthritis betrug 2 Jahre (1–4 Jahre), und der mediane DAPSA-Wert lag bei 25 (3–84).

Die Ergebnisse zeigten, dass die Serum-Calprotectin-Spiegel bei PsA-Patienten signifikant höher waren als bei den Kontrollen (174,2 ng/ml vs. 41,4 ng/ml, p<0,001). Ein Cutoff-Wert von >106,4 ng/ml sagte das Vorliegen von PsA mit einer Sensitivität von 98 % und einer Spezifität von 86,6 % voraus (p=0,001). Ein höherer Cutoff-Wert von >258,9 ng/ml war prädiktiv für synoviale Hypertrophie in den Handgelenken mit einer Sensitivität von 71 % und einer Spezifität von 83 %. Der Ultraschall zeigte, dass synoviale Hypertrophie in den Handgelenken (32 %) und Fingergelenken (28 %) die häufigsten Befunde waren. Zudem bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Serum-Calprotectin-Spiegeln und spezifischen Merkmalen der PsA, darunter synoviale Hypertrophie (p=0,004), Osteophyten (p<0,0001), Nagelbeteiligung (p=0,03) und Erosionen (p=0,01). Im Vergleich zu herkömmlichen Entzündungsmarkern wie ESR (p=0,005) und CRP (p=0,001) zeigte Serum-Calprotectin eine deutlich stärkere Assoziation mit PsA (p<0,0001).

Kommentar
Herkömmliche Entzündungsmarker wie die Erythrozytensedimentationsrate (ESR) und C-reaktives Protein (CRP) sind bei PsA oft nur begrenzt aussagekräftig, da sie nur bei etwa der Hälfte der Patienten erhöht sind. Beispielsweise zeigt ESR in 50 % der Fälle normale Werte trotz aktiver Erkrankung. Calprotectin erwies sich als vielversprechender Marker für die Diagnose und Überwachung von PsA. Es zeigte höhere Sensitivität und Spezifität als ESR und CRP und korrelierte insbesondere mit synovialen Veränderungen in den kleinen Gelenken. Die Calprotectin-Werte wurden nur einmal pro Patient erfasst; eine serielle Messung wäre für präzisere Analysen erforderlich. Dennoch könnte in der klinischen Praxis das Serum-Calprotectin als diagnostisches Instrument bei unklaren Fällen von PsA aufgrunder der Studie mitbestimmt werden.

Zusatzinformation in der Zusammenfassung von Prof. Dr. Beat A. Michel: https://rheuma-schweiz.ch/weekly/special-focus/calprotectin-der-besondere-entzuendungsparameter/

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Dr. Christian Marx
Zürich

Zoledronat nach Denosumab-Stopp

Zoledronate Sequential Therapy After Denosumab Discontinuation to Prevent Bone Mineral Density Reduction: A Randomized Clinical Trial

Lee C et al. JAMA Netw Open 2024;7(11):e2443899

In dieser Studie aus Taiwan wurde untersucht, ob nach einem Wechsel einer Osteoporosetherapie von Denosumab auf Zoledronat nach 1 Jahr die Knochendichte sich unterscheidet gegenüber einer fortgesetzten Therapie mit Denosumab. Hintergrund dieser Studie ist ein mögliches Reboundphänomen nach Stopp einer Therapie mit Denosumab.

Es wurden 101 Patienten mit Osteoporose, die bereits mindestens während 2 Jahren mit Denosumab behandelt wurden, in 2 Gruppen randomisiert. Die eine Gruppe von 25 Patienten erhielt weiterhin Denosumab 60 mg 2-mal jährlich und die andere Gruppe (n=76 Patienten) eine Zoledronatinfusion von 5 mg 6 Monate nach der letzten Denosumab-Gabe.

Die 76 Patienten, die nach Denosumab einmalig Zoledronat erhielten, hatten nach 1 Jahr eine signifikante Abnahme der Knochendichte von -0.68% in der LWS, verglichen mit einer Zunahme der Knochendichte von +1.3 % bei den Patienten, die weiterhin Denosumab erhielten. Kein Unterscheid zeigte sich im Bereich der Hüfte zwischen den beiden Gruppen.  Eine noch grössere Abnahme der Knochendichte in der Zoledronatgruppe von 3.2 % zeigte sich in einer Subgruppe von Patienten, die vor dem Wechsel auf Zoledronat Denosumab > 3 Jahre erhielten.

Kommentar
Diese Studie belegt einmal mehr, dass es trotz nachfolgender Therapie mit Zoledronat nach einer Behandlung der Osteoporose mit Denosumab zu einem Abfall der Knochendichte kommen kann.

Da das Reboundphänomen nach Stopp Denosumab bis zu 2 Jahre dauern kann, ist ein Kritikpunkt an dieser Studie der kurze Beobachtungszeitraum von nur 1 Jahr. Wahrscheinlich wäre die Abnahme der Knochendichte nach 2 Jahren noch grösser ausgefallen. Momentan ist noch unklar, und es gibt keine Daten aus prospektiv kontrollierten Studien, wie nach einem Stopp einer mehrjährigen (> 2 Jahren) Therapie von Denosumab vorzugehen ist. Ich persönlich gebe den Patienten 6 Monate nach der letzten Denosumabgabe Zoledronat 5 mg. 3 Monate danach bestimme ich die CTx Crosslaps und falls diese weiter hoch sind, erfolgt die 2. Zoledronatinfusion. Diese wiederhole ich 3-6 monatlich, bis die CTx Crosslaps wieder supprimiert sind.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Bimekizumab und Certolizumab: Wirksamkeit und osteoblastische Aktivität bei axSpA

Impact of bimekizumab and certolizumab pegol on efficacy, safety and osteoblastic activity in radiographic axial spondyloarthritis: results from a phase lla, multicentre, randomised, double-blind, exploratory study with PET-CT imaging

Baraliakos X. et al. Ther Adv Musculoskelet Dis 2024:online ahead of print

Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit sowie neuer Knochenbildung von Bimekizumab (BKZ, Inhibitor von IL-17F und IL-17A), im Vergleich mit Certolizumab.

BKZ zeigte in der Behandlung der axSpA ähnlich wie Certolizumb Verbesserungen im klinischen Outcome bei bekannten Sicherheitsdaten. Gemessen mittels 18F-fluorid PET-CT zeigte sich eine Reduktion der Osteoblasten Aktivität sowohl in den Iliosakralgelenken wie auch der Wirbelsäule.

Fazit
Die duale Inhibition von IL-17A und IL-17F von BKZ bewirkt bei radiographischer axialer Spondylarthritis nicht nur eine Verbesserung des klinischen Outcomes, sondern scheint auch zu einer Reduktion der Osteoblastenaktivität in den ISG-Gelenken sowie der Wirbelsäule zu führen. Langzeitstudien sind nötig, um definitive Auswirkungen auf die neue Knochenformation bei radiologischer axSpA zu erlauben.

PS: Bimekizumab erhielt kürzlich die Neuzulassung in der Schweiz mit Indikation für nr-axSpA, AS und Psoriasis Arthritis.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich