Kombi-Therapie bei früher RA

Treatment with methotrexate plus oral prednisolone versus triple therapy (methotrexate/sulfasalazine/hydroxychloroquine) plus intra-articular glucocorticoids in early rheumatoid arthritis: a prespecified nonrandomised subgroup analysis of clinical and radiographic data at 48 weeks from the NORD-STAR trial's conventional treatment arm

Hetland M.L. et al. Ann Rheum Dis 2025:S0003-4967(25)00819-2. doi: 10.1016/j.ard.2025.03.002

In der NORD-STAR-Studie (NOrdic Rheumatic Diseases Strategy Trials And Registers) wurden 137 nicht vorbehandelte Patienten (54 Jahre, 70 % Frauen) mit früher Rheumatoider Arthritis (RA, DAS-28 CRP 5.0) in die orale Gruppe (Schweden, Norwegen, Niederlande und Island: Methotrexat plus orales Prednisolon [20 mg/d, schnell ausschleichend, abgesetzt Woche 36]) und 80 Patienten in die Injektionsgruppe (Dänemark und Finnland: Dreifachtherapie [Methotrexat, Sulfasalazin, Hydroxychloroquin] und obligatorische intraartikuläre Glukokortikoid-Injektionen) eingeschlossen, wovon 78 % bzw. 89 % die Studie beendeten. Nach 48 Wochen erreichten 36 % bzw. 55 % eine klinische Krankheitsaktivität ≤2.8, entsprechend einer Risikodifferenz (primärer Endpunkt) von 19 %. Auch die sekundären klinischen, von Patienten berichteten und Sicherheits-Parameter zeigten numerisch bessere Ergebnisse in der Injektionsgruppe im Vergleich zur oralen Gruppe. Beispielsweise traten Infektionen bei 53 % bzw. 30 % auf. Die röntgenologische Progression (Δtotal van der Heijde-modifizierter Sharp-Score) war niedrig: orale Gruppe 0.26, Injektionsgruppe 0.80. Die kumulative Dosis von oralen/intraartikulären Glukokortikoiden betrug 1905 mg Prednisolon für die orale Gruppe und 165 mg für die Injektionsgruppe.

Die Dreifachtherapie mit obligatorischen Glukokortikoid-Gelenkinjektionen ergab numerisch bessere klinische Ergebnisse, weniger Entzugserscheinungen, weniger unerwünschte Ereignisse und eine niedrigere kumulative Dosis von Glukokortikoiden, aber etwas schlechtere röntgenologische Ergebnisse als die Behandlung mit Methotrexat und oralem Prednisolon. Diese niedrig dosierte Dreiertherapie ergab bereits vor der Biologika-Ära gute klinische Ergebnisse bei früher rheumatoider Arthritis und könnte bei uns, einschliesslich Glukokortikoid-Gelenkinjektionen, vermehrt eingesetzt werden.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Koffein verbessert die endotheliale Dysfunktion bei Patienten mit SLE

Caffeine improves systemic lupus erythematosus endothelial dysfunction by promoting endothelial progenitor cells survival

Orefice V. et al. Rheumatology 2025;64(4):1886

In dieser Studie wurde in vivo und in vitro der Effekt von Koffein auf die endotheliale Funktion bei Patienten mit SLE untersucht. Dabei lag der Fokus auf den endothelialen Vorläuferzellen (EPCs), die eine wichtige Rolle in der Gefäßgesundheit spielen. EPCs helfen bei der Regeneration des beschädigten Endothels, sind wichtig für die Angiogenese und schützen daher vor Arteriosklerose. Kardiovaskuläre Ereignisse sind bekanntermassen bei Patienten mit SLE gehäuft.

Untersucht wurde dies sowohl direkt bei SLE-Patienten (ex vivo) als auch im Labor an gesunden Spenderzellen (in vitro), die mit SLE-Serum behandelt wurden.

Bei 31 in die Studie eingeschlossenen SLE-Patienten zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Koffeinaufnahme und dem Anteil zirkulierender EPCs. In den Zellkulturversuchen verbesserte Koffein sowohl das Aussehen der Zellen als auch deren Fähigkeit, Kolonien zu bilden, wenn sie zuvor mit SLE-Serum behandelt wurden. Koffein konnte zudem Marker für Autophagie und Apoptose normalisieren.

Kommentar
In dieser in vivo und in vitro Studie konnte gezeigt werden, dass Koffein einen positiven Effekt auf die endotheliale Dysfunktion bei Patienten mit SLE hat. Es wird postuliert, dass damit die Entstehung oder Progression der Arteriosklerose, die bei SLE-Patienten gehäuft auftritt, positiv beeinflusst werden kann. Die gleiche Autorengruppe konnte bereits eine inverse Korrelation zwischen Koffeinkonsum und Krankheitsaktivität beim SLE nachweisen (Orefice V et al., Lupus 2020;29:1377ff).

Dies ist ein weiterer Beleg, dass regelmässiger Koffeinkonsum auch in Form von Kaffee positive Effekte auf die Gesundheit hat.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Bedeutung der Serum-RAGE-Konzentration für die Krankheitsaktivität bei anti-CCP-negativer rheumatoider Arthritis

Clinical Significance of Serum RAGE Levels in Anti-CCP-Negative Rheumatoid Arthritis

Rao P. et al. Clin Rheumatol 2025:online ahead of print

Die Studie zeigt, dass die Serumspiegel des Rezeptors für Advanced Glycation End Products (RAGE) bei RA-Patienten signifikant niedriger sind als bei gesunden Kontrollen. Ein deutlicher negativer Zusammenhang besteht zwischen RAGE-Konzentrationen und den Entzündungsmarkern DAS28, BSG und CRP sowie den Autoantikörpern RF, anti-CCP und IgG. Höhere RAGE-Spiegel gehen mit einer geringeren Krankheitsaktivität und niedrigeren Entzündungswerten einher. Besonders auffällig ist, dass anti-CCP-negative RA-Patienten signifikant höhere RAGE-Werte aufweisen als anti-CCP-positive. In dieser Subgruppe ist der RAGE-Spiegel besonders hoch bei niedriger Krankheitsaktivität. Die ROC-Analyse unterstreicht die diagnostische Überlegenheit von RAGE gegenüber traditionellen Parametern wie CRP und BSG bei der Identifikation einer niedrigen Krankheitsaktivität (AUC RAGE = 0,774 vs. CRP = 0,705; BSG = 0,699). Insgesamt deutet dies darauf hin, dass RAGE ein vielversprechender Biomarker für die Krankheitsbeurteilung bei RA ist, insbesondere bei anti-CCP-negativen Patienten, wo herkömmliche Marker an Aussagekraft verlieren.

Kommentar
Die AGE–RAGE-Achse spielt eine zentrale Rolle in der Pathogenese der rheumatoiden Arthritis (RA), indem sie chronische Entzündungsprozesse und Gewebezerstörung fördert. Advanced Glycation End Products (AGEs), die sowohl endogen bei oxidativem Stress und Hyperglykämie als auch exogen über die Ernährung entstehen, binden an den Rezeptor für AGEs (RAGE), der auf verschiedenen Zelltypen im entzündeten Gelenkgewebe exprimiert ist. Diese Bindung aktiviert intrazelluläre Signalwege wie NF-κB und MAPK, was zur Freisetzung proinflammatorischer Zytokine (z. B. TNF-α, IL-6) und Matrixmetalloproteinasen führt. Die Studie unterstützt das mechanistische Modell, welches erklärt, warum eine Reduktion der AGEs in der Praxis über Änderung der Ernährung resp. Reduktion der glykämischen Last bei der RA positive Effekte zeigt.

Die Studie unterstreicht das Potenzial von RAGE als Biomarker zur Krankheitsaktivitätsbewertung bei RA, insbesondere bei seronegativen Patienten und solchen mit milder Verlaufsform. Als Querschnittsstudie erlaubt das Design keine Aussagen über Kausalzusammenhänge oder zeitliche Veränderungen.

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Dr. Christian Marx
Zürich

Bewegungstherapie bei schwerer axialer Spondyloarthritis

One-year effectiveness of long-term exercise therapy in people with axial spondyloarthritis and severe functional limitations

van Wissen M.A.T. et al. Rheumatology 2025;64:1817

Randomisierte Studie von Patienten mit axialer Spondyloarthritis und schweren funktionellen Einschränkungen. Die erste Gruppe erhielt maximal 64 Therapiesessionen über 52 Wochen mit 14 optionalen zusätzlichen Sitzungen mit überwachter aktiver Bewegungstherapie (Aerobics und Muskelkräftigung); die Patienten wurden individuell behandelt nach individuellen Zielen; zum Vergleich diente die zweite Gruppe, welche eine übliche Routinebehandlung erfuhr.

Die Resultate zeigten einen signifikanten Unterschied, indem die Interventionsgruppe (personalisierte Überwachung) zu einem besseren funktionellen Outcome nach 52 Wochen führte.

Fazit
Hier handelt es sich um die erste randomisierte Studie über die Rolle von Bewegungstherapie bei Patienten mit Spondyloarthritis und schwerer funktioneller Einschränkung. Es zeigte sich, dass individuell überwachte und geführte Bewegungstherapie im Gegensatz zur Routinebehandlung nach 52 Wochen zu einem deutlich besseren Ergebnis bezüglich funktioneller Kapazität und Lebensqualität führte.

Aufgrund dieser Resultate darf auch bei schwerer Einschränkung infolge axialer Spondyloarthritis von einer individuell geführten und überwachten Bewegungstherapie ein wesentlicher Nutzen erwartet werden.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich