Genikulärnerven-Neurolyse versus Scheinprozedur bei Kniearthrose: Effekt auf Schmerzen in einer randomisierten klinischen Studie
Effect of Ultrasound-Guided Genicular Nerve Neurolysis versus Sham Procedure on Pain in Patients with Knee Osteoarthritis: A Randomized Clinical Trial
Reysner M et al. Pain Medicine [Malden, Mass.] 2026;27(1):33
In einer doppelblinden, randomisierten, Sham-kontrollierten Studie mit 100 Erwachsenen mit radiologisch bestätigter, konservativ therapieresistenter Kniearthrose wurde eine ultraschallgestützte chemische Neurolyse von vier genikulären Nerven mit 95 % Ethanol geprüft. Gegenüber einer Scheinprozedur führte die Neurolyse zu deutlich stärkeren Schmerzreduktionen (NRS) zu allen Zeitpunkten bis 6 Monate, senkte gleichzeitig den Opioidverbrauch und verbesserte die gesundheitsbezogene Lebensqualität (EQ-5D-5L); neurologische Defizite oder schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf.
Kommentar
Die Resultate unterstützen eine ultraschallgestützte chemische Neurolyse der genikulären Nerven mit 95 % Ethanol bei symptomatischer, konservativ refraktärer Kniearthrose; dabei senkt die Intervention nicht nur Schmerzen, sondern reduziert auch den Opioidbedarf und verbessert die Lebensqualität. Im Vergleich zu alternativen Denervationsverfahren (Radiofrequenz, Kryoablation, Phenol) wird Ethanol als praktisch attraktiv dargestellt: verfügbar, günstig, ohne spezielle Lagerung, mit rascherem Wirkungseintritt und potenziell besserer Steuerbarkeit der Läsionsbildung unter Ultraschall. Bezüglich Sicherheit werden keine neurologischen Komplikationen berichtet. Einschränkungen sind: Ein-Zentrum-Studie, die Beschränkung auf schwere Arthrosegrade (Kellgren 3–4) und die bislang auf 6 Monate begrenzte Nachbeobachtung.
Damit erscheint die ethanolbasierte genikuläre Neurolyse als wirksame und sichere minimalinvasive Option für Patientinnen und Patienten mit refraktären Arthroseschmerzen, insbesondere wenn ein Kniegelenkersatz nicht möglich ist.

Lebensstil spart Gesundheitskosten bei Kreuzschmerzen
Impact of Positive Lifestyle Behaviors on Direct Health Care Cost Savings for Low Back Pain
Tian Y. et al. Arthritis Care Res (Hoboken) 2025. doi: 10.1002/acr.25653
Diese Längsschnittstudie basiert auf Daten aus der Australian Twin Back (AUTBACK)-Studie (401 Zwillinge, davon 307 in die Studie aufgenommen). Initial wurden Kreuzschmerzen (low back pain, LBP) und Lebensstilverhalten dokumentiert. Die körperliche Aktivität wurde objektiv mittels eines Accelerometers quantifiziert. Variablen wie Body-Mass-Index, Rauchstatus, körperliche Aktivität und Schlafqualität bestimmten eine Lebensstil-Verhaltensskala. Während eines Jahres wurde der wöchentliche Gesundheitskonsum erfasst. Die Gesundheitskosten, Ausgaben für Arztbesuche und Medikamente, einschliesslich persönlicher und australischer Medicare-Kosten, wurden in zweiteiligen Modellen analysiert.
Personen mit niedrigeren Lebensstilverhaltenswerten, Frauen und solche mit einer Baseline-Episode von LBP wiesen höhere Gesundheitskosten auf. Insgesamt machten 2,6 % der Teilnehmer über 56 % der Gesamtausgaben aus. Eine Verbesserung der Lebensstil-Verhaltensskala um einen Punkt war signifikant mit einer 23%-igen Reduktion der gesamten Gesundheitskosten für LBP assoziiert (p=0.006), 25 % Reduktion der Medikamentenkosten für LBP (p<0.001) und 27 % Reduktion der Arztbesuchskosten für LBP (p<0.001). Der Unterschied der jährlichen Kosten für den Gesundheitsgebrauch zwischen Personen mit den niedrigsten und höchsten Lebensstilwerten betrug 873 AU$.
Das Berechnungsmodell erlaubte es diesen australischen Autoren, den klinisch bekannten Zusammenhang zwischen Lebensstilverhalten und Gesundheitskosten im Zusammenhang mit Kreuzschmerzen aufzuzeigen. Sie folgern, dass Interventionen, die darauf abzielen, Lebensstilverhalten zu verbessern, erhebliche Kosteneinsparungen für Einzelpersonen und das Gesundheitssystem bringen könnten. – Meine persönliche Ernüchterung besteht darin, dass sowohl die staatlichen Empfehlungen wie seriöse Berichterstattung und breitgestreute Social Media den gesunden Lebensstil predigen, unterstützt durch die aktuelle ‘longevity’-Welle, aber dennoch beispielsweise der Trend zum Übergewicht ungebrochen ist.

Denosumab reduziert, verglichen mit Bisphosphonaten, das Arthrose Risiko
Association between denosumab use and risk of osteoarthritis among adults with osteoporosis in a real-world cohort
Zhu Z et al. Osteoarthritis Cartilage 2026: Online ahead of print
Die vorliegende Studie untersuchte, ob die Osteoporosebehandlung mit Denosumab im Vergleich zu Bisphosphonaten das Risiko für das Auftreten einer Arthrose beeinflusst. Es handelt sich um eine grosse retrospektive Kohortenstudie auf Basis der internationalen elektronischen Gesundheitsdatenbank TriNetX. Eingeschlossen wurden Erwachsene ab 45 Jahren mit diagnostizierter Osteoporose, die zwischen 2014 und 2023 entweder Denosumab oder ein Bisphosphonat erhielten. Um Verzerrungen zu minimieren, wurden zahlreiche klinische Faktoren berücksichtigt und mittels Propensity-Score-Matching zwei vergleichbare Gruppen gebildet. Am Ende umfasste jede Kohorte 59’157 Patienten.
Der primäre Endpunkt war das Auftreten einer neu diagnostizierten Arthrose, zusätzlich wurden spezifisch Arthrosen von Knie, Hüfte und Daumensattelgelenk analysiert. Im Verlauf von zehn Jahren entwickelten 13,31 % der mit Denosumab behandelten Patienten eine Osteoarthritis, verglichen mit 14,49 % in der Bisphosphonat-Gruppe. Dies entsprach einer signifikanten Risikoreduktion unter Denosumab mit einer Hazard Ratio von 0,89. Auch bei den einzelnen Gelenken zeigte sich ein ähnlicher Trend mit reduziertem Risiko für Knie-, Hüft- und Daumensattelgelenksarthrose. Die Ergebnisse blieben in verschiedenen Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen stabil.
Kommentar
Diese grosse Real-World-Analyse zeigt, dass bei Patienten mit Osteoporose die Behandlung mit Denosumab im Vergleich zu Bisphosphonaten mit einem moderat geringeren Risiko für das Auftreten einer Arthrose assoziiert ist. Die Autoren interpretieren die Befunde dahingehend, dass Denosumab durch die Hemmung des RANKL-Signals und damit der Osteoklastenaktivität Veränderungen im subchondralen Knochen verhindern könnte, die zur Entstehung oder Progression der Arthrose beitragen. Ein stabilerer subchondraler Knochen könnte mechanische Belastungen im Gelenk besser abfangen und dadurch degenerative Veränderungen im Knorpel reduzieren.

Schlafverbesserung bei RA durch Upadicitinib
Sleep improvement in patients with rheumatoid arthritis treated with upadacitinib in real-world practice: results from the SLEERA study
Hügle T et al. Arthritis Res Ther 2026: online ahead of print
Schlafstörungen bei Rheumatoider Arthritis (RA) sind häufig. Die vorliegende Schweizer Studie untersuchte eine internationale Beobachtungs-Kohorte in Bezug auf die Auswirkung von Upadacitinib auf den Schlaf bei RA.
Von 39 Patienten hatten 76% eine subjektive Schlafstörung, gemessen mit dem PSQI (Pittsburgh Sleep Quality Index). Zusätzlich wurde die Schlafqualität mittels Actigraphy gemessen. Nach 3-monatiger Therapie mit Upadacitinib zeigte sich ein signifikant verbesserter PSQI. Von 19 Patienten mit initial gestörtem Schlaf erreichten 8 eine gute Schlafqualität, was auch bei all diesen mittels Actigraphy festgestellt werden konnte. Die objektive Schlafmessung konnte nur eine Verbesserung aufzeigen bei Patienten, welche eine Remission der RA oder Normwerte für Schmerz und Fatigue erreichten.
Fazit
Dies ist die erste Studie, welche sowohl subjektive wie objektive Evidenz einer Schlafverbesserung bei (einer kleinen Kohorte von) RA-Patienten unter Therapie mit Upadacitinib zeigt. Die Resultate weisen darauf hin, dass ein guter Schlaf nur durch eine wirksame Therapie zu erwirken ist.
