Genikuläre Nervenablation bei Kniearthrose: Evidenz aus sham-kontrollierten randomisierten Studien
Efficacy and Safety of Genicular Nerve Ablation Techniques for Knee Osteoarthritis: A Systematic Review and Meta-analysis of Sham-Controlled Randomized Trials
Barreto R B et al. Pain Medicine 2026;27(4):449
Diese systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener genikulärer Neurolyseverfahren im Vergleich zu Sham bei Erwachsenen mit symptomatischer Kniearthrose, die nicht für eine Knieendoprothese geeignet sind.
Insgesamt wurden acht randomisierte Studien mit 627 Patienten eingeschlossen. Analysiert wurden konventionelle monopolare Radiofrequenzablation, gekühlte Radiofrequenzablation, bipolare Radiofrequenzablation und Kryoneurolyse. Gegenüber Sham zeigte sich eine signifikante Schmerzreduktion nach 12 Wochen (MD −1,65; 95 %-KI −2,57 bis −0,74) sowie eine signifikante Verbesserung der WOMAC-Funktion (MD −11,37; 95 %-KI −18,83 bis −3,91). Subgruppenanalysen sprachen für einen größeren Effekt der konventionellen monopolaren Radiofrequenzablation. Es zeigt sich eine konklusive Evidenz für die Schmerzreduktion nach 12 Wochen und die Funktionsverbesserung nach 24 Wochen. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
Kommentar
Die Autoren interpretieren ihre Ergebnisse als robuste Evidenz für einen klinisch relevanten Nutzen der genikulären Neurolyse hinsichtlich Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung gegenüber Sham. Die grössten Effekte wurden nach 12 beziehungsweise 24 Wochen beobachtet. Trotz Wirksamkeitsnachweis bestehen wesentliche Limitationen: hohe statistische Heterogenität, Unterschiede bei Patientenselektion, Unterschiede in Zielnerven und Bildgebung, Unterschiedliche technische Protokolle und Elektroden, geringe Anzahl Studien pro Verfahren. In Zukunft braucht es standardisierte, randomisierte Head-to-Head-Studien mit einheitlichen technischen Protokollen und längerer Nachbeobachtung, um die optimale Ablationstechnik sowie geeignete Patientengruppen zu identifizieren.

Chirurgie bei femoroacetabulärem Impingement (FAI)
Survivorship of Femoroacetabular Impingement Surgery at Mean 10-Year Follow-up: A Prospective, Multicenter Cohort Study
Nepple J J et al. J Bone Joint Surg Am 2026;108:860
362 Hüften (Patientenalter 32 Jahre; 53 % Frauen) mit femoroacetabulärem Impingement (FAI) wurden zwischen 2008 bis 2012 mit Hüftarthroskopie (3/4 der Fälle) oder offen chirurgisch (1/4) behandelt und in einer prospektiven, multizentrischen Kohortenstudie nachuntersucht. Die Überlebensrate ohne totale Hüftarthroplastik (THA) betrug 90.6 % nach 10.4 (± 1.6) Jahren postoperativ (95.0 % nach 5 Jahren). Risikofaktoren für eine THA waren eine Femurkopf-Chondromalazie (p<0.001), ein Body-Mass-Index von ≥30 kg/m2 (p=0.009), höheres Alter bei der Operation (p=0.01) und männliches Geschlecht (p=0.02).
In dieser Studie wurden 10 Jahre nach einer FAI-Operation bei gut 30-jährigen Patienten gegen 10 % der Hüften reoperiert und mit einer THA versorgt. Dieses Resultat ist nicht gerade berauschend und muss mit den Patienten diskutiert werden. Wir haben sowohl vorletztes (https://rheuma-schweiz.ch/weekly/ausgaben/weekly-12-august-2024/studien-12-august-2024/#studie-0) wie letztes Jahr eine Studie bei FAI zum Vergleich Physiotherapie vs. Arthroskopie besprochen (https://rheuma-schweiz.ch/weekly/ausgaben/weekly-14-juli-2025/studien-14-juli-2025/), und heute bleibt die Konsequenz dieselbe: «Die Indikationsstellung einer arthroskopischen Operation bei FAI sollte zurückhaltend gestellt werden.».

Impfantwort nach Zosterimpfung bei frühem oder verzögertem Beginn der Therapie mit Tofacitinib bei RA Patienten
Timing of Recombinant Herpes Zoster Virus Vaccination Administration and JAK Inhibitor Initiation in Rheumatoid Arthritis: A Multicenter, Open-Label, Randomized Comparative Study
Takanashi S et al. Ann Intern Med 2026:Online ahead of print
Die multizentrische, offene, randomisierte STOP-HZ-Studie untersuchte, ob der Zeitpunkt der Gabe des rekombinanten Herpes-zoster-Impfstoffs (RZV, Shingrix®) im Verhältnis zum Beginn einer JAK-Inhibitor-Therapie (Tofacitinib) die Impfantwort und den Krankheitsverlauf bei Patienten mit rheumatoider Arthritis beeinflusst. Eingeschlossen wurden 60 Patienten ab 50 Jahren, die erstmals mit Tofacitinib behandelt werden sollten. Alle erhielten die erste Impfstoffdosis zu Studienbeginn und die zweite nach acht Wochen. Gruppe A begann die JAK-Inhibition gleichzeitig mit der ersten Impfung, Gruppe B erst nach der zweiten Impfstoffdosis.
Nach zwölf Wochen zeigten beide Gruppen eine vergleichbare humorale Immunantwort gegen Varizella-Zoster. Patienten, die den Beginn der JAK-Inhibition bis nach Abschluss der Impfserie hinauszögerten (Gruppe B), entwickelten jedoch bereits nach der ersten Impfung höhere Antikörpertiter. Die zelluläre Immunantwort unterschied sich zwischen den Gruppen nicht wesentlich.
Hinsichtlich der rheumatoiden Arthritis profitierten Patienten mit frühem Beginn der JAK-Inhibition (Gruppe A) von einer rascheren Verbesserung der Krankheitsaktivität. Bereits nach vier und acht Wochen waren CDAI und andere Aktivitätsparameter günstiger als in Gruppe B; nach zwölf Wochen bestanden jedoch keine relevanten Unterschiede mehr.
Die Sicherheit war insgesamt akzeptabel. Schwere unerwünschte Ereignisse waren selten. Eine Herpes-zoster-Erkrankung trat lediglich bei einem Patienten der Gruppe A auf.
Fazit
Die Studie zeigt einen Zielkonflikt zwischen optimaler Impfimmunogenität und schneller Krankheitskontrolle. Wird die JAK-Inhibition erst nach Abschluss der Zoster-Impfserie begonnen, ist die frühe Antikörperantwort stärker. Ein sofortiger Beginn der JAK-Inhibition führt dagegen zu einer rascheren Kontrolle der rheumatoiden Arthritis, ohne dass die endgültige Impfantwort nach zwölf Wochen wesentlich beeinträchtigt wird. Die Autoren empfehlen daher eine individuelle Entscheidung: Ist es klinisch vertretbar, kann die Zoster-Impfung vor Beginn einer JAK-Inhibitor-Therapie abgeschlossen werden; bei hoher Krankheitsaktivität sollte die notwendige Behandlung jedoch nicht unnötig verzögert werden

IL-6R-Hemmer versus cDMARDs bei Polymyalgia rheumatica
Effectiveness and safety of interleukin 6 receptor inhibitors versus conventional immunomodulatory therapy in steroid-refractory polymyalgia rheumatica
Dua AB et al. RMD Open 2026;12:e006850
Retrospektive Untersuchung mit Vergleich einer Therapie mit Interleukin-6Rezeptor-Hemmer versus konventionelle Therapeutika bei PMR-Patienten, welche nach Glukokortikoiden (GC) eine neue Behandlung benötigten. 415 Vergleichspaare wurden eingeschlossen, eine Riesenzellarteriitis war Ausschlusskriterium.
IL-6R-Hemmer führten gegenüber cDMARDs (meist MTX, seltener Leflunomid und Azathioprin) häufiger zum Absetzen der GC oder zu einer minimalen Dosis von GC. Im ersten Jahr erfolgten unter IL-6R-Hemmer mehr Hospitalisation wegen Infekten, im 2. Jahr waren die Hospitalisationen unter beiden Therapieoptionen vergleichbar.
Fazit
IL-6R-Hemmer waren wirksamer in Bezug auf GC-Einsparung als konventionelle DMARDs bei PMR bei bekanntem Sicherheitsprofil. IL-6R-Hemmer sollten bei Rückfällen der PMR oder bei Intoleranz von GC erwogen werden.
