Rasche Gehgeschwindigkeit korreliert mit Lebenserwartung

Physical performance is associated with long-term survival in adults 80 years and older: Results from the ilSIRENTE study

Cacciatore S. et al. J Am Geriatr Soc 2024;72:2585

Die Autoren der Università Cattolica del Sacro Cuore (Rom, Italien) begannen vor 20 Jahren eine prospektive Kohortenstudie in der Region Sirente (L’Aquila, Italien). Von 429 Personen im Alter von 80-85 Jahren konnten 195 Teilnehmer (Alter 82 Jahre, 131 [67 %] Frauen) für die aktuelle Analyse gewonnen werden. 45 [21 %] erreichten das 95. Altersjahr. Langzeitüberlebende waren vorwiegend Frauen (80 % vs. 63 %), hatten einen geringeren Behinderungsgrad (ADL Score 0.04 vs. 0.99), einen höheren body mass index (BMI 27.4 vs. 25.8 kg/m2), eine höhere Short Physical Performance Battery (SPPB 9.2 vs. 7.1 einschliesslich Gleichgewichtstests, 4-m-Ganggeschwindigkeitstest und Chair-Stand-Test) und eine raschere Gehgeschwindigkeit (0.88 vs. 0.78 m/s). Keiner hatte eine Herzinsuffizienz (im Gegensatz zu 13 Teilnehmern [9 %] der innerhalb 15 Jahren Verstorbenen). Langzeitüberlebende nahmen weniger Medikamente ein (2.5 vs. 3.5) und hatten tiefere Interleukin 6 (IL-6)-Plasmaspiegel (1.64 vs. 2.58 pg/mL).

In dieser prospektiven aber kleinen Studie korrelierte die körperliche Leistungsfähigkeit und die geringere Krankheitslast (speziell Herzinsuffizienz) bei Achtzigjährigen, die selbstständig leben, mit dem 15-jährigen Überleben. Die Bedeutung der Ernährung wurde nicht untersucht, und jene des Körpergewichts und der tiefen IL-6-Spiegel bleibt unklar. Die rasche Gehgeschwindigkeit war ein unabhängiger, günstiger Parameter.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

PMR-Therapie: Unterschiede bei ICI-induzierter PMR versus primärer PMR

Immune checkpoint inhibitor-mediated polymyalgia rheumatica versus primary polymyalgia rheumatica: comparison of disease characteristics and treatment requirement

Vermeulen OCB et al. Rheumatology 2025 ;64(2) :771

Diese retrospektive Zentrumsstudie aus Groningen hat die klinischen, bildgebenden und vor allem therapeutischen Unterschiede bei PMR-Patientinnen und Patienten herausarbeiten wollen, abhängig davon, ob es sich um eine primäre PMR oder eine PMR unter Immuncheckpoint-Inhibitortherapie (ICI-PMR) entstandene Problematik handelt.

Es konnten 15 ICI-PMR Patienten mit 37 primären PMR-Patienten verglichen werden. Bei ICI PMR zeigten sich weniger häufig erfüllte EULAR/ACR Klassifikationskriterien, weniger ausgeprägte bildgebende Befunde im PET-CT und eine tiefere Glucocorticoiddosis, um eine Symptomreduktion zu erzielen. Die Startdosis der Glucocorticoide p.o. lag bei den ICI-PMR Patienten bei 7.5mg/d mit rascherer Reduktion gegenüber den „üblichen“ 15mg/d bei den primären PMR-Patienten – mit dann auch langsamerem Tapering. Somit ergab sich eine kumulativ tiefere GC-Gesamtdosis bei den Tumorpatientinnen und -patienten.

Kommentar
Die Autoren kommen zum Schluss, dass ICI-induzierte PMR-Manifestationen einen milderen Verlauf zeigen als eine primäre PMR. Diese Schlussfolgerung erscheint ein wenig problematisch: alle ICI-Patienten sind selbstverständlich anti-«inflammatorisch» vorbehandelt, eine tiefere serologische Inflammation ist somit auch zu erwarten – und ggfs auch eine raschere Remission. Zum anderen wurde bei ICI-PMR bereits initial eine Dosis der GC von < 10mg/d gewählt – dies ist im Rahmen der Tumortherapien meistens so gewünscht. Ob auch bei den primären PMR-Patienten eine tiefere Dosis für eine Remissionserzielung ausreichend gewesen wäre, wissen wir nicht.

Im klinischen Alltag beobachten wir jedoch oft, dass ICI-PMR Patienten eine ausgeprägte Manifestation mit einem eher erhöhten GC-Bedarf haben, der allerdings aus Sorge vor einem verminderten Ansprechen der Tumortherapie (oder aus Studienvorgaben heraus) nicht unbedingt umgesetzt werden kann. Ich gehe persönlich nicht davon aus, dass man einen milderen Verlauf bei ICI-PMR für alle Betroffenen antizipieren kann, sondern empfehle eine individuelle Therapieeinschätzung.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Glukokortikoid Exposition während der Schwangerschaft und Häufigkeit von psychischen Erkrankungen der exponierten Kinder/Jugendlichen

Mental Disorders Among Offspring Prenatally Exposed to Systemic Glucocorticoids

Laugesen K et al. JAMA Netw Open 2025;8(1):e2453245

In dieser bevölkerungsbasierten Kohortenstudie aus Dänemark wurde der Zusammenhang zwischen der pränatalen Exposition mit systemischen Glukokortikoiden und dem Risiko für psychische Erkrankungen im Kindes-/Jugendalter untersucht. Dabei wurden während der Schwangerschaft Glukokortikoid-exponierte und nicht-exponierte Nachkommen von Müttern mit derselben Grunderkrankung (Risiko einer Frühgeburt oder Autoimmun-/Entzündungserkrankungen) verglichen. Eingeschlossen wurden alle lebend geborenen dänischen Kinder von 1996 bis 2016.

Die Studie umfasste insgesamt 1.061.548 Kinder, darunter 31.518 von Müttern mit Frühgeburtsrisiko und 288.747 von Müttern mit Autoimmun- oder anderen Entzündungserkrankungen.

  • Kinder von Müttern mit Frühgeburtsrisiko hatten bei Glukokortikoid-Exposition ein erhöhtes Risiko für:
    • Autismus-Spektrum-Störungen: 6,6 % vs. 4,3 % (RR: 1,5)
    • Intellektuelle Beeinträchtigungen: 1,6 % vs. 1,3 % (RR: 1,3, nicht signifikant)
    • ADHS: 5,8 % vs. 4,3 % (RR: 1,3)
    • Stimmungs-, Angst- und stressbedingte Störungen: 7,2 % vs. 4,6 % (RR: 1,5)
  • Kinder von Müttern mit Autoimmun-/Entzündungserkrankungen hatten bei Glukokortikoid-Exposition ebenfalls erhöhte Risiken:
    • Autismus-Spektrum-Störungen: 4,8 % vs. 3,8 % (RR: 1,3)
    • Intellektuelle Beeinträchtigungen: 1,1 % vs. 0,8 % (RR: 1,4, nicht signifikant)
    • ADHS: 5,5 % vs. 4,4 % (RR: 1,3)
    • Stimmungs-, Angst- und stressbedingte Störungen: 6,6 % vs. 4,6 % (RR: 1,4)

Die Ergebnisse wurden durch verschiedene Vergleichsgruppen (aktive Vergleichsgruppe und Geschwister-Design) bestätigt.

Kommentar
Die Studie zeigt, dass eine pränatale Exposition mit Glukokortikoiden mit einem erhöhten Risiko für gewisse psychische Erkrankungen assoziiert ist. Diese Daten unterstreichen die Notwendigkeit einer vorsichtigen Anwendung von Glukokortikoiden während der Schwangerschaft

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Upadacitinib für nicht radiographische axiale Spondyloarthritis

Upadacitinib in active non-radiographic axial spondyloarthritis: 2-year data from the phase 3 SELECT-AXIS 2 study

Van den Bosch F et al. Arthritis Res. & Ther 2025:online ahead of print

Fortsetzungsdaten der originalen randomisierten SELECT-AXIS 2-Studie (Upadacitinib versus Placebo bei aktiver nicht-radiographischer axialer Spondyloarthritis) über ein weiteres Jahr.

Von 313 Patienten erhielten alle kontinuierlich Upadacitinib (224 seit Studienbeginn, 107 nach anfänglichem Placebo, später Wechsel auf Upadacitinib nach einem Jahr). Bei den Patienten, welche seit insgesamt zwei Jahren Upadacitinib erhielten, zeigte sich auch im zweiten Jahr eine Erhaltung der Wirksamkeits-Ziele einschliesslich Krankheitsaktivität, Schmerz, Funktion, Enthesitis, Lebensqualität und auch entzündliche Parameter im MRI. ASAS40 erreichten 57%, eine niedrige Krankheitsaktivität 59% und eine Remission (inaktive Erkrankung) 31%. Ähnliche Daten fanden sich auch bei den Patienten, welche während der randomisierten Studie zu Beginn Placebo erhalten hatten, und erst später nach einem Jahr auf Upadicitinib wechselten. Neue Aspekte zur Sicherheit ergaben sich keine im Vergleich mit der originalen Studie (SELECT-AXIS 2).

Fazit
Über zwei Jahre zeigten sich in dieser Studie anhaltende Verbesserungen in verschiedenen Endpunkten über zwei Jahre ohne neue Hinweise auf nicht bereits bekannte Sicherheitsaspekte.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich