Diagnostische Genauigkeit von PET/CT, MRT, Ultraschall und Biopsie bei Riesenzellarteriitis: ein Direktvergleich
Direct Comparison of the Diagnostic Accuracy of PET/CT, Cranial MRI, Ultrasound and Temporal Artery Biopsy in Giant Cell Arteritis
Moreel L et al. European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging 2025;52(9):3333
In einer retrospektiven Vergleichsstudie wurden Patienten mit Verdacht auf Riesenzellarteriitis (RZA) untersucht, um die diagnostische Genauigkeit verschiedener Verfahren zu bewerten: PET/CT, kraniale Magnetresonanztomographie (MRT), Ultraschall und Temporalarterienbiopsie (TAB). Eingeschlossen wurden konsekutive Patientinnen und Patienten, bei denen mindestens zwei dieser Untersuchungen innerhalb von sieben Tagen nach Beginn einer Steroidtherapie durchgeführt worden waren. Als Referenzstandard diente das klinische Urteil erfahrener Rheumatologen und Nuklearmediziner nach einer Nachbeobachtungszeit von mindestens sechs Monaten, wobei sämtliche klinischen, laborchemischen und bildgebenden Informationen berücksichtigt wurden. Insgesamt konnten 111 Personen in die Analyse eingeschlossen werden, davon 61 mit bestätigter RZA und 50 mit alternativer Diagnose. Die kombinierte kraniale und großgefäßbezogene PET/CT erwies sich als das genaueste Verfahren mit einer Sensitivität von 89 % und einer Spezifität von 98 %. Auch die alleinige kraniale PET/CT und die Temporalarterienbiopsie zeigten eine hohe diagnostische Treffsicherheit und waren dem Ultraschall der Temporalarterien deutlich überlegen. Die kraniale MRT wies dagegen eine deutlich geringere Sensitivität auf.
Kommentar
Die aktuellen EULAR-Empfehlungen betonen den frühen Einsatz bildgebender Verfahren: Ultraschall gilt als Methode der ersten Wahl, während PET/CT und MRT bei unklaren Fällen oder Verdacht auf Großgefäßbeteiligung als Alternativen empfohlen werden.
Diese Studie zeigt, dass die kombinierte kraniale und großgefäßbezogene PET/CT die höchste diagnostische Genauigkeit für die Riesenzellarteriitis aufweist. Sie übertrifft Ultraschall und MRT in der Sensitivität sowohl bei der Detektion kranieller als auch grossgefäßbezogener Vaskulitis, während TAB und kraniale PET/CT eine vergleichbare diagnostische Leistung zeigen.
Die geringere Sensitivität des Ultraschalls im Vergleich zu früheren Studien dürfte auf begrenzte Vaskulitis-spezifische Expertise der Untersucher zurückzuführen sein – ein Faktor, der in den EULAR-Empfehlungen zunehmend berücksichtigt wird. Die kraniale MRT zeigte in dieser Kohorte eine geringere Genauigkeit, was möglicherweise durch eingeschränkte Verfügbarkeit und Selektionsbias erklärt werden kann. Insgesamt liefert diese erste direkte Vergleichsstudie aller relevanten diagnostischen Verfahren bei RZA evidenzbasierte Hinweise darauf, dass PET/CT das sensitivste und vielseitigste Verfahren darstellt, während Ultraschall und TAB weiterhin wichtige, aber von lokaler Expertise abhängige Alternativen bleiben.

3-Jahres-Daten zur kognitiv-funktionellen Therapie bei chronischen Kreuzschmerzen
Cognitive functional therapy with or without movement sensor biofeedback versus usual care for chronic, disabling low back pain (RESTORE): 3-year follow-up of a randomised, controlled trial
Hancock M. et al. Lancet Rheumatol 2025:S2665-9913(25)00135-3. doi: 10.1016/S2665-9913(25)00135-3
492 Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen in 20 Physiotherapie-Zentren für die Grundversorgung in Australien wurden in der RESTORE-Studie in drei Gruppen aufgeteilt: 164 erhielten CFT (kognitiv-funktionelle Therapie, bis zu 7 Behandlungen über 12 Wochen plus eine Auffrischung nach 26 Wochen) allein, 163 CFT+Biofeedback und 165 die übliche Behandlung. Die kognitiv-funktionelle Therapie sollte den Patienten die Angst vor schmerzhaften Bewegungen nehmen und sie zu einen aktiveren Lebensstil motivieren. Bei der 1-Jahres-Nachbeobachtung gaben 359 (73%) ihre Zustimmung für die 3-Jahres-Kontrolle, und 312 (87%; entsprechend 63% der Ursprungskohorte) wurden nach 3 Jahren erfolgreich nochmals befragt: 104 (63%) von 164 in der CFT-Gruppe, 106 (65%) von 163 in der CFT+Biofeedback-Gruppe und 102 (62%) von 165 in der Gruppe mit üblicher Behandlung (total Frauen 188 (60%) von 312, Alter 48.1 Jahre). Nach 3 Jahren waren CFT (mittlere Differenz -3.5 im Roland Morris Disability Questionnaire) und CFT+Biofeedback (-4.1) beide wirksamer als die übliche Behandlung zur Reduktion der Aktivitätseinschränkung. Die Unterschiede zwischen CFT und CFT+Biofeedback waren gering und nicht signifikant (mittlere Differenz -0.6). Für die Schmerzintensität nach 3 Jahren waren CFT (-1.0) und CFT+Biofeedback (-1.5) ebenfalls wirksamer als die übliche Behandlung, und die Unterschiede zwischen CFT und CFT+Biofeedback waren gering und nicht signifikant (-0.5).
Die Behandlung von chronischen Kreuzschmerzen ist nach wie vor frustran, wie eine neueste Metaanalyse erneut aufzeigte (Jenkins H.J. et al. Lancet Rheumatol 2025 May 28:S2665-9913(25)00064-5. doi: 10.1016/S2665-9913(25)00064-5). In Australien konnte eine kognitiv-funktionelle Therapie (CFT) mit lediglich 8 Sitzungen eine Wirkung noch nach 3 Jahren nachweisen. Der zusätzliche Einsatz von Biofeedback ergab keine Verbesserung. Die Hinweise, dass eine Kombination mit funktionellem und kognitivem Ansatz bei chronischen Kreuzschmerzen am ehesten Erfolg verspricht, mehren sich.

mRNA SARS-CoV-2 Impfungen verstärken Wirkung von Checkpoint Inhibitoren bei Krebs
SARS-CoV-2 mRNA vaccines sensitize tumours to immune checkpoint blockade
Grippin AJ et al, Nature 2025:Online ahead of print
Obwohl dieser Artikel nicht einen rheumatologischen Hintergrund hat, habe ich ihn ausgewählt, da er erstaunliche Resultate liefert, welche vor allem immunologisch sehr interessant sind.
Der vorliegende Nature-Artikel untersucht, ob SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoffe Tumore für eine Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) sensibilisieren können. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass ICIs bei vielen Tumorarten das Überleben verlängern, ihre Wirksamkeit jedoch wesentlich von einer vorbestehenden Tumorimmunität abhängt und Patienten mit «kalten» Tumoren häufig kaum profitieren. Personalisierte mRNA-Tumorvakzine können diese Immunsensibilisierung zwar erreichen, sind aber komplex in der Herstellung und bisher noch nicht im Klinikalltag anwendbar. Die Autoren prüften daher, ob bereits verfügbare COVID-19-mRNA-Impfstoffe einen vergleichbaren Effekt besitzen.
In präklinischen Mausmodellen führte die Verabreichung eines SARS-CoV-2-mRNA-Vakzins zu einem starken Anstieg von Typ-I-Interferonen und einer ausgeprägten Aktivierung des angeborenen Immunsystems. Dendritische Zellen und andere antigenpräsentierende Zellen wurden aktiviert, präsentierten vermehrt Tumor-assoziierte Antigene und setzten kostimulatorische Signale frei. Dies ermöglichte die effektive Priming-Phase von CD8-T-Zellen mit Ausbildung tumorreaktiver Effektorzellen und einer deutlichen T-Zell-Infiltration in den Tumor. Diese Immunaktivierung führte zu einer Erhöhung der PD-L1-Expression auf Tumorzellen, weshalb die gleichzeitige Gabe von ICIs für den maximalen antitumoralen Effekt erforderlich waren. Die neutralisierende Blockade der Typ-I-Interferon-Signalwege hebt den Effekt vollständig auf, womit die Schlüsselrolle dieses Immunpfades bestätigt wird.
Klinisch analysierten die Autoren retrospektive Kohorten großer Tumorzentren, darunter Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) und metastasiertem Melanom, die ICIs erhielten. Patienten, die innerhalb von 100 Tagen vor Beginn der ICI-Therapie eine COVID-19-mRNA-Impfung erhielten, zeigten ein signifikant längeres Gesamtüberleben und eine höhere Dreijahres-Überlebensrate. Dieser Vorteil blieb auch nach Anpassung zahlreicher klinischer Kovariablen bestehen und bestätigte sich in Propensity-Matched-Analysen. Der Effekt trat in beiden Tumorentitäten auf und war insbesondere bei immunologisch «kalten» Tumoren (PD-L1-negativ) ausgeprägt.
In Zahlen betrug das mediane Überleben von Patienten mit fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen Std III und IV für geimpfte 37.3 Monate, für ungeimpfte 20.6 Monate, das 3-Jahresüberleben erreichten 55.7 % versus 30.8 %. Bei metastasierenden Melanomen Std IV betrug das 3 Jahresüberleben 67.6 versus 44.1 %. Das mediane Überleben konnte für Ungeimpfte nicht eruiert werden, für Geimpfte betrug es 26.7 Monate. Dieser erstaunliche Effekt war bei beiden mRNA-COVID Impfstoffen (von Moderna und Biontech), nicht jedoch bei konventionellen Impfstoffen z.B. gegen Influenza oder Pneumokokken vorhanden.
Kommentar
Die Resultate dieser Arbeit sind sehr bemerkenswert, da sie einen bekannten Impfstoff in eine neue therapeutische Rolle rückt. Vorausschauend erscheint insbesondere relevant, dass eine zeitliche Abstimmung zwischen mRNA-Impfung und ICI-Beginn eine Rolle spielt, und dass eine kurzfristige immunologische «Aufladung» genutzt werden kann, um die Ansprechrate auf Checkpoint-Inhibitoren zu verbessern. Der ideale Zeitpunkt für das Priming muss noch evaluiert werden. Interessant wird auch sein, ob tumorspezifische mRNA Impfstoffe, die in Entwicklung sind, noch bessere Resultate liefern werden.

Nach Knie- und Hüftarthroplastik bei RA: Mortalität sinkt, venöse Thromboembolien nehmen zu
Reduced mortality but elevated venous thromboembolism risk following knee and hip arthroplasty in patients with rheumatoid arthritis: A general population-based cohort study
Deng X et al. PLoS One 2025;20(11):e0335453
Daten aus einer grossen englischen Datenbank mit RA-Patienten dienten zur Evaluation des Zusammenhangs zwischen Mortalität (alle Ursachen), venösen Thromboembolien und dem Zustand nach Gelenkersatz von Knie bzw. Hüfte.
Patienten und Patientinnen mit Kniearthroplastik hatten ein 23% tieferes Risiko für Mortalität, was sich für die Hüftoperation nur als Trend zeigte. Zudem war das Risiko von venösen Thromboembolien nach beiden Operationen deutlich erhöht (Knie: Risiko 1.63; Hüfte: Risiko 2.19).
Fazit
Patienten mit RA weisen nach Knieoperation eine tiefere Mortalität auf; nach Knie- wie auch Hüftarthroplastik stieg das Risiko allerdings deutlich für venöse Thromboembolien.
Eine kausale Verknüpfung kann aus dieser Studie nicht abgeleitet werden. Doch ist es interessant, dass sich eine Knieoperation bezüglich Mortalität zumindest nicht negativ auswirkt, was wahrscheinlich auch für die Hüftoperation gilt. Wichtig zu wissen ist, dass bei RA-Patienten nach Knie- und Hüftoperationen ein besonderes Augenmerk für das Auftreten von Thromboembolien gefordert ist.
