Erfolgreiche Totalendoprothetik des Sprunggelenks

Outcomes of Transfibular Total Ankle Arthroplasty: Clinical and Radiographic Analysis of 130 Cases with Minimum 5-Year Follow-up

Day J. et al. J Bone Joint Surg Am 2025;107(12):e61

Retrospektiv wurden 130 Knöchel (122 Patienten; Alter 60.8 Jahre; 50 % weiblich) mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 5.9 Jahren nach primärer Totalendoprothetik des Sprunggelenks (TAA) bewertet. Zu den von Patienten berichteten Ergebnismassen (PROMs) gehörten das Physical Component Summary (PCS) und das Mental Component Summary (MCS) des 12-Punkte-Short Form Health Survey (SF-12), die Knöchel-Osteoarthritis-Skala (AOS) für Schmerzen und Behinderungen und die visuelle Analogskala (VAS) für Schmerzen. Röntgenmessungen des Bewegungsumfangs, der koronalen und sagittalen Ausrichtung und der Implantatsenkung wurden ausgewertet. Das Vorhandensein einer periprothetischen Röntgendurchlässigkeit wurde mit Hilfe eines 12-Zonen-Klassifikationssystems bestimmt. Unerwünschte Ereignisse wurden unter Verwendung des Reoperation Coding System (CROCS) der Canadian Orthopaedic Foot and Ankle Society (COFAS) berichtet.

Befund
Die Kohorte hatte mittlere postoperative Werte von 41,5 für das SF-12 PCS, 54,9 für das SF-12 MCS, 2,3 für VAS-Schmerzen, 19,1 für AOS-Schmerzen und 28,5 für AOS-Behinderungen. Der postoperative tibiotalare Bewegungsumfang betrug 7,5° der Dorsalflexion und 17,3° der Plantarflexion. Insgesamt wurden 42 Valgus-Knöchel (mittlerer koronaler tibiotalärer Winkel 10,4°) und 44 Varus-Knöchel (Mittelwert -9,1°); auf neutral korrigiert. Sechsundzwanzig Knöchel (20 %) hatten 1 Zone mit Röntgendurchlässigkeit, und keiner der Knöchel hatte >7 Zonen. Es gab 3 Fälle von Zysten (2.3%) und 0 Fälle von Absenkungen, septischer oder aseptischer Lockerung oder Fibula-Pseudarthrose. Unerwünschte Ereignisse traten bei 47 Knöcheln (36.2 %) im Mittel von 26.7 Monaten auf, wobei die häufigste Reoperation das Debridement der medialen Rinne (22 Knöchel; 16.9 %) war. Es gab 2 Knöchel (1.5%) mit akuter Infektion, die mit Debridement, Antibiotika und Polyethylenaustausch mit Metallkomponentenretention behandelt wurden. Die Gesamtüberlebensrate des Implantats, definiert als Retention der Metallkomponenten, betrug zum Zeitpunkt der abschliessenden Nachuntersuchung 100 %.

Fazit
Die klinischen und röntgenologischen Daten in dieser Studie deuten darauf hin, dass die transfibuläre TAA eine wirksame und dauerhafte Behandlungsoption für Sprunggelenksarthrose im Endstadium ist, mit einer hervorragenden mittelfristigen Implantatüberlebensrate. Die periprothetische Röntgendurchlässigkeit war begrenzt und führte nicht zu einem Absinken oder Lockern des Implantats. Die häufigste Reoperation war das Debridement der medialen Rinne.

Zur Studie
KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Mortalität bei Polymyalgia rheumatica

Mortality in polymyalgia rheumatica: a 38-year prospective population-based cohort study from Southern Norway

Tengesdal S. et al. Arthritis Res and Ther 2025;27:154

Diese norwegische Studie wurde prospektiv über 38 Jahre durchgeführt und erhob Daten zur Mortalität bei Patientinnen und Patienten mit isolierter Polymyalgia rheumatica (PMR) im Rahmen einer Inzeptionskohortenanalyse. Insgesamt wurden 337 Patienten zwischen 1987 und 1997 eingeschlossen und bis zum Studienende 2024 verfolgt. Es erfolgte ein «matching» von PMR-Patienten bezüglich Geschlecht und Alter bei Studieneinschluss mit Vergleichspersonen aus dem norwegischen Bevölkerungsregister.

Insgesamt wurden 274 PMR-Patienten und 63 Patienten mit Riesenzellarteriitis (GCA)  (overlap PMR/GCA 22 Patienten) eingeschlossen, wobei über 95% aller Patienten zum Studienendpunkt verstorben waren. Bei einem mittleren follow-up von knapp 14 Jahren und einem maximalen follow-up von 35 Jahren zeigte sich bei weiblichen PMR-Patienten eine SMR (standard mortality ratio) von 1.11, bei männlichen PMR-Patienten lag diese bei 0.77. Für GCA-Patienten fand sich Geschlechter-unabhängig eine SMR von 1.1. Ein einziger Patient hatte bei Einschluss ein Malignom, weitere Tumore wurden zu Beginn nicht detektiert.

Kommentar
Diese Langzeitdaten bestätigen ähnliche Studien, haben allerdings u.a. die Limitation der Diagnosestellung nach den damalig gültigen Bird’s Kriterien, welche etwas unspezifischer als die seit 2012 gültigen ACR-Kriterien sind.

Wahrscheinlich wurde auch die Prävalenz einer begleitenden oder unterliegenden GCA unterschätzt, da keine diesbezüglich standardisierte Untersuchung stattgefunden hat.  Dennoch: Patienten in dieser Kohorte mit erfolgter Glucocorticoidtherapie mit initial durchschnittlich knapp über 20mg/d Prednisolonäquivalent zeigten keine erhöhte SMR, was als positives Signal für betreuende Mediziner und Patienten wertvoll ist.

Zur Studie
Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Methotrexat als Erst-Linien Therapie bei pulmonaler Sarkoidose

First-Line Treatment of Pulmonary Sarcoidosis with Prednisone or Methotrexate

Kahlmann V et al. N Engl J Med 2025;393(3):231

Ziel dieser retrospektiven Studie war der direkte Vergleich von Prednison und Methotrexat als Erstlinientherapie bei Patienten mit pulmonaler Sarkoidose. Bislang gilt Prednison als Standard, während Methotrexat üblicherweise bei unzureichender Wirksamkeit oder Unverträglichkeit von Glukokortikoiden eingesetzt wird. Es bestehen jedoch zunehmende Bedenken hinsichtlich der Langzeitnebenwirkungen von Kortikosteroiden, was alternative Erstlinientherapien in den Fokus rückt.

Die Studie analysierte 353 Patienten mit pulmonaler Sarkoidose, von denen 281 initial mit Prednison und 72 mit Methotrexat behandelt wurden. Die Behandlung wurde im Schnitt über 6 Monate verfolgt. Der primäre Endpunkt war das Therapieansprechen, definiert durch klinische, radiologische und funktionelle Verbesserung oder Stabilisierung. Sekundäre Endpunkte umfassten Nebenwirkungen und Therapieabbrüche.

Das Ansprechen war in beiden Gruppen ähnlich: 66 % in der Prednison-Gruppe und 58 % in der Methotrexat-Gruppe zeigten ein Ansprechen. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Die Rate schwerer Nebenwirkungen war jedoch deutlich höher in der Prednison-Gruppe (26 %) im Vergleich zur Methotrexat-Gruppe (10 %). Am häufigsten waren hyperglykämische Episoden, Gewichtszunahme und Infektionen bei Prednison sowie gastrointestinale Beschwerden und Leberenzymerhöhungen bei Methotrexat.

Kommentar
Insgesamt zeigt die Studie, dass Methotrexat bei pulmonaler Sarkoidose eine vergleichbare Wirksamkeit wie Prednison als Erstlinientherapie hat, jedoch mit einer geringeren Rate schwerwiegender Nebenwirkungen. Diese Studie belegt damit die Therapiestrategie einer frühen Basistherapie mit Methotrexat, um Steroide zu vermeiden oder zu sparen. Bei uns Rheumatologen wird diese Therapie-Strategie ja schon lange angewendet. Ich behandle die Sarkoidose mit muskuloskelettalem Befall immer mit einer Kombination von initial Steroiden und Methotrexat. Im Verlauf versuche ich, die Steroide auszuschleichen. Bei schweren Verläufen mit vitalen Organmanifestationen kommen TNF-alpha Antikörper zum Einsatz oder nach neusten Erkenntnissen wahrscheinlich auch Januskinase Hemmer.

Zur Studie
Dr. Thomas Langenegger
Baar

Einfluss von Getränken auf Knochen und Gelenke

Beverage consumption on bone and joint disorders: an umbrella review

Tan H. et al. J Glob Health 2025;15:04222

Übersichtsartikel mit Berücksichtigung von 20 Metaanalysen zur Frage des Zusammenhangs zwischen verschiedenen Getränken und Auswirkungen auf Knochen und Gelenke.

In dieser Studie zeigte Teekonsum ein reduziertes Risiko für Osteoporose (OR = 0.71). Alkohol erhöhte das Osteoporose-Risiko bei chronischem Konsum (OR = 2.95). Zuckerhaltige Getränke erhöhten das Gichtrisiko (OR = 1.35) sowie das Risiko für erhöhte Harnsäuretiter. Kaffeegenuss führte zu einem niedrigeren Gichtrisiko (relatives Risiko = 0,43). Die Auswirkungen von Kaffee auf Gelenkserkrankungen (ausser Gicht) zeigten kontroverse Resultate, während der Einfluss von Tee auf Gelenkserkrankungen neutral blieb.

Fazit
Tee scheint über verschiedene Pathomechanismen günstige Einflüsse auf den Knochen auszuüben, während Alkohol und Süssgetränke (Fruktosegehalt!) sich ungünstig auf Knochen und Gelenke auswirken. Dass Kaffee ausser dem günstigen Effekt bezüglich Gicht auf andere Gelenkserkrankungen sowie Knochen kontroverse Resultate zeigt, dürfte auf die Zusatzoptionen zurückzuführen sein (Zusatz von Zucker, Rauchen, Alkohol).

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich