Vergleich intermittierender Fastenformen: Systematische Übersicht und Netzwerk-Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien zu metabolischen Effekten
Intermittent Fasting Strategies and Their Effects on Body Weight and Other Cardiometabolic Risk Factors: Systematic Review and Network Meta-Analysis of Randomised Clinical Trials
Semnani-Azad Z. et al. BMJ (Clinical Research Ed.) 2025;389:e082007
Diese aktuelle Netzwerk-Metaanalyse von 99 RCTs mit über 6500 Erwachsenen zeigt, dass intermittierende Fastendiäten – insbesondere alternierendes Fasten – ähnlich effektiv sind wie kontinuierliche Kalorienrestriktion, wenn es um Gewichtsreduktion und Verbesserung kardiometabolischer Risikoparameter geht. Im direkten Vergleich war nur das alternierende Fasten dem kontinuierlichen Kaloriendefizit geringfügig überlegen, vor allem in Studien mit kurzer Laufzeit (<24 Wochen). Unterschiede zwischen den Fastenformen fielen insgesamt gering aus. Insgesamt bestätigen diese Daten, dass intermittierendes Fasten eine sinnvolle ernährungsmedizinische Strategie zur Gewichtskontrolle und kardiometabolischen Risikoreduktion darstellen kann – mit potenziellem Vorteil gegenüber ad-libitum-Ernährung und vergleichbarer Effektivität zur klassischen Kalorienrestriktion.
Kommentar
Diese umfassende Netzwerk-Metaanalyse zeigt, dass intermittierendes Fasten hinsichtlich Gewichtsverlusts und kardiometabolischen Risikofaktoren vergleichbare Effekte wie kontinuierliche Kalorienrestriktion (CER) bietet. Während ADF kurzfristig zusätzliche Vorteile gegenüber TRE, WDF und CER zeigte (z. B. für Lipidparameter und Gewicht), relativieren sich diese Effekte in Studien mit ≥24 Wochen Dauer.
Bewertet man die Diätformen jedoch nicht nur nach ihrer absoluten Fastenzeit, sondern nach dem zusätzlichen Fastenzeitgewinn gegenüber normalen Essgewohnheiten, ergibt sich eine interessante Korrelation: Je stärker die durchschnittliche Fastenzeit gegenüber der Alltagsdiät erhöht wird, desto ausgeprägter scheint die Gewichtsreduktion zu sein. ADF erhöht die Fastendauer im Wochendurchschnitt um 25 %, TRE um 16,6 %, und WDF um 14,3 %. Daraus lässt sich ableiten, dass eine verlängerte Fastenperiode – unabhängig vom genauen Diätmodell – ein zentraler Wirkmechanismus in der Gewichtskontrolle sein könnte.
Künftige Studien sollten längere Zeiträume, striktere Adhärenzmessung und den direkten Vergleich verschiedener Fastenprotokolle beinhalten, um die Rolle dieser Strategien in der Prävention und Therapie kardiometabolischer Erkrankungen zu klären.

Operation versus Glukokortikoid-Injektion für Karpaltunnelsyndrom
Surgery versus corticosteroid injection for carpal tunnel syndrome (DISTRICTS): an open-label, multicentre, randomised controlled trial
Palmbergen W.A.C. et al. Lancet 2025;405(10495):2153
Von 934 Patienten (545 Frauen und 389 Männer) mit elektrophysiologisch oder sonographisch bestätigtem Karpaltunnelsyndrom wurden 468 mit Operation und 466 mit Injektion behandelt. Bei 805 (86%) konnte die 18 Monats-Nachkontrolle durchgeführt werden. In der chirurgischen Gruppe waren 243 (61%) von 401 geheilt, in der Injektionsgruppe 180 (45%) von 404 (relatives Risiko 1.36; p<0.0001). Unerwünschte Ereignisse traten bei 86% in der chirurgischen Gruppe und bei 85% in der Injektionsgruppe auf. Ein Teilnehmer der Operationsgruppe musste aufgrund von Komplikationen ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Die Häufigkeit des Karpaltunnelsyndroms und die einfache Randomisierung eignen sich gut, um das für einen akademisch ausgerichteten Arzt nötige Bündel von Publikationen für die Habilitation zusammenzutragen. Dementsprechend gibt es mehrere Vergleichsstudien zwischen Operation und Injektion. Störend bei der vorliegenden Studie ist der Einschluss von Patienten mit bereits durchgeführten (und offensichtlich nicht erfolgreichen) Injektionen. Das Resultat dieser Studie, bei der die Erfolgsquote in beiden Gruppen deutlich tiefer liegt als in früheren Studien, ist, in Übereinstimmung mit früheren, ein besseres Abschneiden der Chirurgie. Dennoch empfehle ich meinen Patienten, wegen der Einfachheit, Schnelligkeit und Kosteneffizienz, zuerst eine Infiltration und – wenn sie mir die Erfolglosigkeit mitteilen – anschliessend die Anmeldung beim Handchirurgen.

Erhöhtes hsCRP bei Patienten mit Psoriasis ist ein Risikofaktor, später eine Psoriasisarthritis zu entwickeln
Association of Higher Levels of High-Sensitivity C-Reactive Protein with Future Development of Psoriatic Arthritis in Psoriasis: A Prospective Cohort Study
Eder L et al., Arthritis Care Res 2025:Online ahead of print
Die Arbeit von Eder et al. untersuchte, ob erhöhte Spiegel des hochsensitiven C-reaktiven Proteins (hsCRP) bei Psoriasis-Patienten ein Marker für die spätere Entwicklung einer Psoriasis-Arthritis (PsA) sein könnten. Grundlage war die prospektive Toronto Psoriasis Kohorte mit 589 Patienten, die zwischen 2006 und 2019 ohne Anzeichen einer PsA eingeschlossen und jährlich von Rheumatologen untersucht wurden. Zu Beginn wurden Blutproben genommen und hsCRP-Werte bestimmt. Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 7,5 Jahren entwickelten 57 Patienten eine PsA, was einer Inzidenz von 1,2 pro 100 Patientenjahre entspricht. Patienten, die PsA entwickelten, hatten im Mittel höhere hsCRP-Ausgangswerte (5,4 mg/L) als jene ohne PsA (2,9 mg/L). In multivariaten Analysen, die für Alter, Geschlecht, Psoriasis-Dauer und -Schwere, Nagelbefall, BMI, Fatigue und Medikation adjustiert waren, zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang: jedes 1 mg/L hsCRP war mit einem 4 % erhöhten Risiko für PsA assoziiert (Hazard Ratio 1,04; CI 1,01–1,07). Der Effekt war bei Männern und Frauen vergleichbar und unabhängig vom BMI.
Kommentar
Die Autoren schliessen, dass systemische Entzündung, gemessen über hsCRP, bereits in präklinischen Phasen der PsA eine Rolle spielt. Obwohl hsCRP allein keine ausreichende prädiktive Aussagekraft bietet und in der klinischen Routine bisher nur eingeschränkt genutzt wird, könnte es als kostengünstiger, leicht verfügbarer Biomarker in Kombination mit anderen Risikofaktoren helfen, Hochrisikopatienten frühzeitig zu identifizieren. Dadurch wären rechtzeitige präventive oder therapeutische Interventionen möglich, um das Fortschreiten von Psoriasis zur PsA zu verhindern.

Körperform und lumbale Rückenschmerzen
Association between a body shape index and low back pain: a cross-sectional study highlighting gender-specific differences in NHANES data
Xie S. et al. BMC Public Health 2025;25:753
Studie der NHANES Kohorte mit total 14’268 Teilnehmern, Evaluation des Zusammenhanges zwischen Körperform und lumbalen Schmerzen.
Für die Körperformbestimmung wurde der ABSI (A Body Shape Index) angewandt:
Formel: – ABSI = Taillenumfang in m / (BMI 2/3 x Grösse1/2;
(BMI in kg/m2; Grösse in m)
Je höher der ABSI, desto grösser das Risiko für lumbale Rückenschmerzen; lineare Korrelation zwischen ABSI und Rückenschmerzen, besonders ausgeprägt bei ABSI-Werten über 0,85. Die Subgruppenanalyse zeigt eine besonders hohe Assoziation bei Männern (OR = 26) sowie bei über 60-Jährigen (OR = 11).
Fazit
Der Body Shape Index (Körperform) zeigt eine deutlich höhere Assoziation mit verschiedenen Erkrankungen, unter anderem kardiovaskulären Krankheiten sowie Diabetes, als der üblicherweise angewandte BMI (Body Mass Index). Die vorliegende Studie zeigte eine sehr starke Assoziation zwischen hohem ABSI und dem Auftreten von lumbalen Rückenschmerzen, dies insbesondere bei Männern. Zur Erklärung erwähnen die Autoren Forschungsresultate, welche zeigen, dass abdominales Fett nicht nur die mechanische Belastung der LWS erhöht, sondern auch die Degeneration der intervertebralen Bandscheiben beschleunigt.
Das abdominale Fett scheint immer mehr einen Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen darzustellen, dies nicht nur bei Schwergewichtigen, sondern ebenfalls bei normgewichtigen Personen. Daraus leitet sich ab, dass eine Rückenberatung auch das Fett in der Gürtellinie berücksichtigen sollte.
