Abstracts
Neue Aspekte von Medikamenten
Vorhersage der Methotrexat-Wirksamkeit durch Merkmale des Darm-Mikrobioms
Gut Microbiome Signatures Forecast Clinical Response to Methotrexate in Treatment-Naive Early Rheumatoid Arthritis
Gupta V et al. ACR Convergence Meeting 2025 (Abstract Number 2639)
Quelle: https://acrabstracts.org/abstract/gut-microbiome-signatures-forecast-clinical-response-to-methotrexate-in-treatment-naive-early-rheumatoid-arthritis/
Kommentar
Methotrexat (MTX) ist das wichtigste Erstlinienmedikament bei früher rheumatoider Arthritis, aber bis zu 50 % der Patient:innen sprechen nicht ausreichend darauf an. Die Studie untersuchte, ob Merkmale des Darmmikrobioms vor Therapiebeginn vorhersagen können, wer gut auf MTX anspricht.
60 Patient:innen mit neu diagnostizierter, unbehandelter rheumatoider Arthritis erhielten 15 mg MTX/Woche peroral; in Stuhlproben vor Therapie und nach 3–3,5 Monaten wurde das Darmmikrobiom analysiert; auf Grund der EULAR-Response-Kriterien (DAS28-CRP) wurden 2 Gruppen gebildet: Responder (N=37) und Nonresponder (N=23).
Schon vor Therapiebeginn unterschieden sich die Darmmikrobiome von Respondern und Non-Respondern. 5 bakterielle Spezies und 9 Stoffwechselwege waren signifikant unterschiedlich. Bestimmte Bakterien, wie Bacteroides fragilis und Eubacterium sp., korrelierten mit einem besseren Therapieansprechen. Patient:innen mit bestimmten Mikroben hatten eine etwa 10-fach höhere Chance, auf MTX zu reagieren. Gene für das Enzym Dihydrofolatreduktase (DHFR) waren bei Respondern seltener vorhanden.
Ein Machine-Learning-Modell, das Mikrobiom- und klinische Daten kombiniert, sagte das Therapieansprechen recht gut voraus (AUC 0,83).
Fazit
Das Darmmikrobiom vor Therapiebeginn enthält Merkmale, die vorhersagen können, ob Patient:innen auf Methotrexat ansprechen. Mikrobiom-Analysen könnten künftig helfen, Therapien bei rheumatoider Arthritis zu personalisieren und frühzeitig eine optimale Behandlung einzuleiten.
Ballaststoffergänzung verbessert das Ansprechen auf Methotrexat
Dietary Fiber Supplementation Enhances Methotrexate Response and Restores Th17/Treg Balance in Rheumatoid Arthritis: Results from the Superfibre Randomized Trial
Daien CI et al. ACR Convergence Meeting 2025 (Abstract Number LB15)
Quelle: https://acrabstracts.org/abstract/dietary-fiber-supplementation-enhances-methotrexate-response-and-restores-th17-treg-balance-in-rheumatoid-arthritis-results-from-the-superfibre-randomized-trial/
Kommentar
Die Studie untersuchte, ob Ballaststoff-Supplemente (Inulin) bei Menschen mit Rheumatoider Arthritis (RA) die Krankheitsaktivität verbessern, das Immunsystem (Th17/Treg-Balance) normalisieren und die Wirksamkeit von Methotrexat (MTX) steigern können.
Bekannt ist, dass Veränderungen der Darmflora (Dysbiose) Entzündungen bei RA fördern. Andererseits werden Ballaststoffe im Darm zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert, die entzündungshemmend wirken.
In dieser randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten 49 RA-Patienten mit aktiver Erkrankung entweder 12 g Inulin pro Tag (Ballaststoff) oder Placebo während 30 Tagen. Outcome-Parameter waren die klinische Antwort (EULAR-Kriterien), die Krankheitsaktivität (DAS28) sowie die Immunzell-Balance (Th17/Treg).
Die Ballaststoffgruppe zeigte deutlich häufiger eine klinische Antwort (OR 4.65), bei Patienten unter MTX-Therapie eine stärkere Reduktion der Krankheitsaktivität (DAS28 −1.00; unter Placebo −0,34) sowie stärkere Abnahme der entzündungsfördernden Th17-Zellen und eine bessere Th17/Treg-Balance. Die Compliance betrug 90% ohne relevante Nebenwirkungen.
Fazit
Ballaststoff-Supplemente vermögen mit Wirkung über die Darmmikrobiota entzündungshemmende Metabolite zu erhöhen und dadurch Methotrexat effektiver zu machen. Eine kurzfristige Ballaststoff-Supplementierung (Inulin) kann bei rheumatoider Arthritis die Wirksamkeit von Methotrexat verbessern und das entzündliche Immungleichgewicht normalisieren. Sie könnte daher ein einfaches, kostengünstiges Zusatz-Therapiekonzept sein, was allerdings in grösseren Studien bestätigt werden muss.
