Schwimmen gegen chronische Kreuzschmerzen
Effectiveness of an individualised swimming and education programme for chronic low back pain (EduSwim): a randomised controlled trial
Wareham DM et al. Br J Sports Med 2026 Jul 21:bjsports-2026-111730
76 Patienten (41 Jahre, 85 % Frauen) mit chronischen (>12 Wochen), unspezifischen Rückenschmerzen wurden randomisiert in eine Schwimm- (8-wöchiges Schwimmcoaching, bis 3-mal wöchentlich 30-45 Min.) und Edukationsgruppe (4 telemedizinische Beratungen durch eine Physiotherapeutin) (Intervention, n=39) oder in die reine Edukationsgruppe (2 telemedizinische Beratungen durch eine Physiotherapeutin) (Kontrollgruppe, n=37) eingeteilt. Nach 8 Wochen betrug der primäre Endpunkt, der Unterschied im Roland Morris Disability Questionnaire (RMDQ), -2.5 (p=0.02), aber dieser Unterschied wurde nach 52 Wochen nicht aufrechterhalten (p=0.11). Bei der Schmerzintensität zeigte die Intervention nach 8 Wochen einen kleinen Nutzen, der gemäss den Autoren möglicherweise nicht klinisch signifikant ist (mittlere Differenz VAS -0.7). Alle anderen sekundären Endpunkte zeigten tendenziell bessere Ergebnisse in der Interventionsgruppe mit Abnahme der Differenz zwischen den beiden Gruppen im Verlauf eines Jahres.
Das zusätzliche Schwimmprogramm brachte kurzfristig eine Besserung der chronischen Kreuzschmerzen, so dass, insbesondere bei Patienten, welche gern schwimmen, daran gedacht werden kann, die übliche Kreuzschmerz-Behandlung durch Schwimmen zu ergänzen. Für eine klare Empfehlung für das Schwimmen war die Studie zu klein, die Kontrollbehandlung (nur 2 statt 4 Physiotherapieberatungen) nicht wirklich vergleichbar und die Verbesserung der chronischen Rückenschmerzen leider nur kurzfristig.

Initialer Verlauf einer seropositiven versus seronegativen RA – CCP Antikörper-differenziert
Progression from symptom onset to rheumatoid arthritis: is the trajectory similar in anticitrullinated protein antibody-positive and-negative disease? A comparative longitudinal study
Malekroudi MH et al. Ann Rheum Dis 2026;85:1486
Diese Studie untersuchte den klinischen Verlauf von Menschen mit entzündlich anmutenden Gelenkbeschwerden im Hinblick auf das Vorhandensein oder Fehlen von anti-citrullinierten Antikörpern (ACPA). Alle Patientinnen und Patienten entwickelten im Verlauf eine rheumatoide Arthritis, davon zeigten 87 keine ACPA, 86 Patienten waren ACPA positiv.
Im Langzeitverlauf wurden Morgensteifigkeit, schmerzhafte Gelenke (tender joints), CrP und MRI Daten von Händen und Füssen zur Beurteilung herangezogen.
Bei ACPA positiven Patienten zeigte sich ein längerer Zeitraum zwischen Beginn eines o.g. Symptoms bis zum Auftreten / Definition einer klinisch suspekten Arthralgie (CSA- clinically suspect arthralgia), jedoch war die Zeit zwischen CSA und RA Entwicklung kürzer im Vergleich zur Gruppe der ACPA -negativen Betroffenen (p = 0.006 and p = 0.014, resp).
ACPA negative Patienten zeigten zu Beginn häufiger eine Morgensteifigkeit, Handschmerzen und «tender joints» sowohl als Initialsymptom, zu Beginn einer CSA und auch zum Zeitpunkt der Diagnosestellung einer RA. Im Gegensatz dazu fand sich bei ACPA positiven Patienten ein rascherer CrP Anstieg und eine subklinische Gelenkentzündung innerhalb von 6-12 Monaten vor einer definitiven RA Entwicklung, dies hauptsächlich im Bereich des Vorfusses (dies war allerdings nur knapp signifikant).
Die Autoren schlussfolgern, dass die unterschiedlichen klinischen Ausprägungen am ehesten auch Unterschiede in den unterliegenden Entzündungsmechanismen bei ACPA-positiven versus -negativen Betroffenen widerspiegeln könnten und somit andere präventive Strategien notwendig sein könnten.
Kommentar
Wenn wir Patientinnen und Patienten mit «klinisch suspekten Gelenkschmerzen» sehen, bleibt oft unklar, wie gross ein mögliches «window of opportunity – for therapy» für einen prognostisch benignen Verlauf einer rheumatoiden Arthritis wäre. Ob die Positivität oder Negativität von ACPA bei der Entscheidung zu einem früheren Therapiestart oder engmaschigeren Kontrolle hilfreich ist, wurde hier differenzierter dargestellt.
Somit erscheinen die «unspezifischen» Zeichen von ACPA negativen CSA doch ein Engramm zu ergeben, das weiter differenziert und klinisch kontrolliert werden sollte.

Reduziert eine Herpes Zoster Impfung mit Shingrix® das Demenzrisiko?
Dementia Risk After Recombinant Herpes Zoster Vaccination in Older Adults With a Recent Skilled-Nursing Facility Stay: A Target Trial Emulation
Hayes K et al. Ann Intern Med 2026;179(7):958
Diese Studie aus den USA untersuchte, ob die Impfung mit dem rekombinanten Herpes-zoster-Impfstoff (RZV, Shingrix) mit einem verminderten Demenzrisiko verbunden ist. Es handelt sich nicht um eine randomisierte Studie, sondern um eine sehr grosse retrospektive Kohortenstudie mit Target-Trial-Emulation. Untersucht wurden 509’926 Personen ab 66 Jahren nach Aufenthalt in einer amerikanischen Pflege- oder Rehabilitationseinrichtung; das Durchschnittsalter lag bei rund 79 Jahren. Von ihnen erhielten 8’843 innerhalb von zwölf Monaten mindestens eine RZV-Dosis.
Über eine Nachbeobachtungszeit von bis zu vier Jahren entwickelten die Geimpften deutlich seltener eine neu diagnostizierte Demenz. Nach statistischer Adjustierung betrug das kumulative Demenzrisiko 18,75 % bei RZV-Geimpften gegenüber 24,56 % bei Nichtgeimpften. Dies entspricht einer absoluten Risikoreduktion von 5,81 Prozentpunkten und einer relativen Risikoreduktion von 24 % (RR 0,76; 95%-KI 0,69–0,84). Vereinfacht entspricht dies ungefähr einem vermiedenen Demenzfall pro 17 geimpfte Personen innerhalb von vier Jahren.
Interessanterweise war der Zusammenhang bei Frauen stärker als bei Männern. Auch bei Personen ohne Hinweise auf eine bereits bestehende kognitive Einschränkung zeigte sich ein vermindertes Risiko. Die Autoren diskutieren verschiedene mögliche Mechanismen, darunter die Verhinderung von VZV-Reaktivierungen sowie immunologische bzw. neuroinflammatorische Effekte der Impfung.
Kommentar
Dies ist eine weitere Studie, die Hinweise liefert, dass eine Zosterimpfung mit Shingrix® das Demenzrisiko senkt. Diese aktuelle Studie zeigt eine starke Assoziation, beweist aber keine Kausalität. Trotz aufwendiger statistischer Adjustierung bestand insbesondere ein möglicher «healthy vaccinee bias»: Menschen, die sich impfen lassen, können sich in relevanten gesundheitlichen und sozialen Faktoren von Nichtgeimpften unterscheiden. In besonders konservativen Kontrollanalysen reduzierte sich der beobachtete protektive Effekt deshalb von 24 % auf etwa 12 %. Die Autoren selbst fordern daher eine randomisierte Studie zur definitiven Klärung.

Immunsuppressiva und Neuroprotektion
Immunosuppressant Use Mediates Neuroprotection Against Alzheimer’s Disease in Rheumatoid Arthritis – A Two-Step Mendelian Randomization and NHANES Study
Chen C et al. Int J Rheum Dis 2026;29:e70823
Analyse von NHANES Daten von 217 Patienten mit Rheumatoider Arthritis im Alter >60 Jahre.
RA-Patienten unter Immunsuppressiva hatten ein tieferes Risiko für Alzheimer als jene ohne Immunsuppressiva. Dieses tiefere Risiko erwies sich als unabhängig, in der Analyse wurden NSAR und Glukokortikoide berücksichtigt.
Fazit
Jüngste Studien fanden für RA-Patienten ein vermindertes Risiko für Alzheimer. Die vorliegende Studie legt nahe, dass dieser Effekt zumindest teilweise auf den Einsatz von Immunsuppressiva zurückzuführen ist.
