Erhöht viel Fleischgenuss das Risiko, an einer RA zu erkranken?

Quantified intakes of key diet components and the risk of developing rheumatoid arthritis: Results from a nested case-control study

Bäcklund R et al. Ann Rheum Dis 2025;84(11):1791

Diese Fall-Kontroll-Studie untersuchte die Beziehung zwischen der Einhaltung der schwedischen Ernährungsempfehlungen (Swedish Dietary Guidelines, SDG) und dem Risiko, an rheumatoider Arthritis (RA) zu erkranken. Die Studie nutzte Daten aus der Malmöø Diet and Cancer Study (MDCS) und untersuchte den Einfluss von spezifischen Nahrungsbestandteilen, insbesondere rotem und verarbeitetem Fleisch, Obst und Gemüse, auf das Risiko der RA-Entwicklung. Die Ernährung der Teilnehmer wurde mit einer validierten Methode zur Erfassung der Ernährungsgewohnheiten zum Zeitpunkt der Aufnahme in die MDCS (1991-1996) erfasst. Die Einhaltung der SDG wurde durch den Swedish Dietary Guidelines Score (SDGS) gemessen, der fünf Komponenten umfasst: Ballaststoffe, Obst und Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte, Zuckerzusatz und rotes/ verarbeitetes Fleisch. RA-Fälle wurden durch Registerverlinkung und medizinische Aktenüberprüfung bis 2016 identifiziert.

Eine höhere Aufnahme von rotem und verarbeitetem Fleisch war mit einem höheren Risiko für seropositive RA verbunden, insbesondere bei einer höheren Aufnahme (Quartil 4), mit einer Odds Ratio (OR) von 3.43. Im Gegensatz dazu war eine höhere Aufnahme von Gemüse und Obst mit einem geringeren Risiko für RA verbunden (OR für Quartil 4: 0.44). Die Einhaltung der SDG hinsichtlich der Aufnahme von Obst und Gemüse und die Begrenzung von rotem Fleisch waren mit einem verringerten Risiko für RA verbunden. Bemerkenswert war der schützende Effekt von Gemüse und Obst unabhängig vom Serostatus. Die Zusammenhänge zwischen Ernährung und RA unterschieden sich zwischen seropositiver und seronegativer RA. Während eine höhere Aufnahme von rotem Fleisch das Risiko für seropositive RA erhöhte, war der Effekt für seronegative RA weniger ausgeprägt oder sogar nicht signifikant.

Kommentar
Die Studie zeigt eine dosisabhängige Beziehung zwischen einer hohen Aufnahme von rotem und verarbeitetem Fleisch und einem erhöhten Risiko für seropositive RA, während Gemüse und Obst das Risiko verringern. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine gesunde Ernährung das Risiko, an einer RA zu erkranken vermindert, resp. viel Genuss von rotem und verarbeitetem Fleisch das Risiko erhöht.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Langzeitdaten der GUSTO Studie bei Riesenzellarteriitis

Efficacy of tocilizumab monotherapy after ultrashort glucocorticoid administration to treat giant cell arteritis: three-year follow-up

Christ L et al. Rheumatology 2025;64:5616

Die GUSTO Studie (GCA treatment with ultra-short glucocorticoids and tocilizumab) hatte bei Patienten mit einer RZA (Riesenzellarteriitis) untersucht, ob eine 3tägige hochdosierte Gabe von Methylprednisolon, gefolgt von 1xiger TCZ (Tocilizumab)-gabe, danach wöchentlicher TCZ s.c. Gabe (ohne weitere Glucocorticoidgaben) über insgesamt 52 Wochen eine dauerhafte Remission erzielen kann – was bei der überwiegenden Zahl der Patienten (13/18 Pat) gelungen war.

Die aktuell vorliegenden Langzeitdaten nach Stopp des TCZ in Remission zeigen, dass bei 2 Patienten ein «minor Relapse» aufgetreten war, welcher nach Re-Start von TCZ-Monotherapie wieder in Remission gebracht werden konnte.

Insgesamt befanden sich 11 der initial 18 in die Studie eingeschlossenen Patienten nach 208 Wochen in einer relapse-freien Remission, 11/13 Patienten befanden sich für 156 Wochen in Therapie-freier Remission.

Kommentar
In dieser Studie fanden sich nach Absetzen des TCZ nach 52 Wochen weniger Rückfälle als in den meisten anderen ähnlichen Studien, in denen ca. 50% der Patienten einen Relapse erlitten. Die Autoren beschreiben, dass möglicherweise die initiale i.v. hoch-dosierte Gabe von Methylprednisolon hierzu beigetragen haben könnte.

Zudem ist auch die mutmassliche rasche Erreichung eines höheren TCZ-Serumspiegels durch initial einmalige i.v. Gabe von TCZ und die rasch folgende TCZ s.c. Gabe im wöchentlichen Rhythmus ein wichtiger Punkt für die Langzeitremission.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Polymyalgia rheumatica häufiger als angenommen

Frequency, diagnosis, and management of polymyalgia rheumatica in Germany-database analysis of medical insurance data

Schmidt W.A. et al. Rheumatology 2025:keaf367. doi: 10.1093/rheumatology/keaf367

Von 2018 bis 2021 wurden jährlich rund 1.7 Millionen Versicherte aus der Forschungsdatenbank InGef (Institut für Gesundheitsforschung Berlin GmbH) in die Studie eingeschlossen. Hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung im Jahr 2021 lag die Inzidenz der Polymyalgia rheumatica (PMR) bei 111/100’000 (~1 ‰) und die Prävalenz bei 937/100’000 (~1 %). Die Diagnose wurde überwiegend ambulant gestellt (86.7 %), am häufigsten von Allgemeinmedizinern (37.1 %; Internisten 22.2 %; Rheumatologen 11.4 %; Orthopäden 10.2 %). Die Behandlung wurde am häufigsten von Hausärzten eingeleitet, gefolgt von Rheumatologen, und umfasste Methotrexat in 19.8 %. Zu den häufigsten Komorbiditäten gehörten arterielle Hypertonie (75.9 %), Dyslipidämie (55.0 %), Diabetes mellitus (29.7 %), Osteoporose (27.1 %), koronare Herzkrankheit (23.4 %) und Katarakt (24.3 %).

Die Zahlen zeigen, dass PMR bei Personen ab 50 Jahren in Deutschland häufiger auftritt als bisher angenommen, und dass die Komorbiditäten wichtig sind. Traurig stimmt die Angabe, dass jeder 5. Patient Methotrexat (MTX) mit bekanntem grossen Nebenwirkungspotenzial erhielt, obwohl lediglich eine fragliche italienische Studie dessen Wirkung zeigte (vs. anderen neutralen Studien) und die am EULAR 2025 präsentierten Daten gegen den Einsatz von MTX bei PMR sprechen.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

TNF-Blocker verbessert zerebrovaskuläre Funktion bei RA-Patienten

TNF-α inhibitor etanercept improves cerebrovascluar function in elderly RA patients: findings from a randomized controlled trial

Ren Q. et al. BMC Rheumatology 2025;9:135

Prospektive randomisierte Studie mit 159 älteren RA-Patienten zur Evaluation des Effektes von TNF-Blocker Etanercept auf zerebrovaskuläre Funktionen bei älteren RA-Patienten. Die TNF-Gruppe erhielt nebst dem TNF-Blocker Methotrexat und Celecoxib, die Kontroll-Gruppe nur Methotrexat und Celecoxib. Vor der Behandlung sowie sechs Monate später wurden die zerebrovaskulären Funktionen gemessen (transkranialer Doppler, Fluss-Geschwindigkeit, Pulsationsindex, Resistenzindex der mittleren Zerebralarterie sowie die zerebrovaskuläre Reaktivität).

Die Gruppe mit TNF-Blocker zeigte im Verlauf von sechs Monate eine signifikante Verbesserung aller zerebrovaskulären Funktionen, was mit einer Abnahme von typischen Entzündungsfaktoren wie Interleukinen korrelierte.

Fazit
Der TNF-Inhibitor Etanercept vermag bei älteren RA-Patienten deutliche Verbesserungen der zerebrovaskulären Hämodynamik und Funktion zu erzielen, wahrscheinlich durch Unterdrückung der systemischen Entzündung und Verbesserung der vaskulären endothelialen Funktion.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich