Vitamin C-Prophylaxe kann CRPS I nach Knieprothese verhindern

Prophylaxis Against Complex Regional Pain Syndrome Recurrence with Vitamin C in Total Knee Arthroplasty: A Propensity Score-Matched Analysis of 960 Cases

Hernigou J. et al. J Bone Joint Surg Am 2025;107:2352

In dieser retrospektiven monozentrischen Beobachtungskohortenstudie mit Propensity-Score-Matching (PSM) bei 960 Patienten, wovon 28 eine Vorgeschichte von CRPS hatten, entwickelten 6.9 % (33) der 480 Patienten, die nach Knietotalendoprothese (TKA) eine Vitamin-C-Prophylaxe (1 g täglich für 40 Tage) erhielten, ein CRPS, verglichen mit 11.0 % (53) der 480, die kein Vitamin C erhielten (Odds Ratio [OR] 0.59, p=0.024). Die Rate von CRPS war bei Patienten mit CRPS in der Vorgeschichte signifikant höher (32 % gegenüber 8 % bei Patienten ohne vorheriges CRPS; OR 5.4, p<0.001). Bei den 28 Patienten mit CRPS in der Vorgeschichte reduzierte die Vitamin-C-Prophylaxe die Rate des CRPS-Rezidivs nach TKA auf 19 % (4 von 21) im Vergleich zu 71 % (5 von 7) bei den Patienten ohne Vitamin C (OR 0.09, p=0.02). In der multivariablen Regression war Vitamin C unabhängig mit einer niedrigeren Rate an CRPS-Rezidiven nach TKA assoziiert (OR 0.53, p=0.011).

Trotz der langjährig bewährten Budapest-Kriterien für das CRPS ist die Diagnose nach wie vor klinisch schwierig zu stellen und sind dementsprechend diese Daten nur teilweise verlässlich; auch die statistische Signifikanz wurde nur knapp erreicht. Trotzdem, auch gestützt auf frühere Studien, ist heute bei Patienten, welche in der Vorgeschichte ein CRPS haben, eine Vitamin C-Prophylaxe (1 g täglich für 40 Tage) – bei der einfachen, nebenwirkungsarmen Einnahme und den geringen Kosten (selbstzahlend) – zu empfehlen.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Mediterrane Diät bei Reizdarmsyndrom

The Mediterranean Diet for Irritable Bowel Syndrome: A Randomized Clinical Trial

Bamidele J et al. Ann Intern Med 2025;178(12):1709

In dieser britischen randomisierten Nichtunterlegenheitsstudie wurde geprüft, ob die mediterrane Ernährung (MD) bei Reizdarmsyndrom (IBS) der herkömmlichen Ernährungsempfehlung (Traditional Dietary Advice, TDA) hinsichtlich der Symptomkontrolle mindestens gleichwertig ist. Hintergrund ist der Bedarf an praktikablen, evidenzbasierten Erstlinientherapien, da restriktive Diäten wie Low-FODMAP aufwendig sind und häufig erst als Zweitlinientherapie empfohlen werden.
168 erwachsene IBS-Patienten wurden randomisiert; 139 gingen in die modifizierte Intention-to-treat-Analyse ein. Nach einer strukturierten Online-Ernährungsberatung setzten die Teilnehmenden über sechs Wochen entweder die mediterrane Ernährung oder TDA um. Der primäre Endpunkt war eine klinisch relevante Symptomverbesserung, definiert als eine Reduktion des IBS Symptom Severity Score (IBS-SSS) um mindestens 50 Punkte.
Ein klinisches Ansprechen wurde bei 62 % der MD-Gruppe gegenüber 42 % der TDA-Gruppe erreicht. Zudem zeigte sich unter mediterraner Ernährung eine stärkere mittlere Reduktion des IBS-SSS sowie ein höherer Anteil an Patienten mit ausgeprägter Symptomverbesserung (≥100 Punkte). Besonders die Häufigkeit abdominaler Schmerzen nahm unter MD signifikant ab. Verbesserungen von Lebensqualität und weiteren Symptomen traten in beiden Gruppen auf, ohne relevante Unterschiede.
Die Adhärenz zur mediterranen Ernährung war gut. Limitationen sind die kurze Studiendauer und fehlende Langzeitdaten.

Kommentar
Diese Studie ist auch für uns Rheumatologen interessant, da wir immer wieder Patienten mit rheumatischen Erkrankungen betreuen, die zusätzlich ein Reizdarmsyndrom haben. Zusammenfassend ist die mediterrane Ernährung der traditionellen Diät bei IBS nicht unterlegen und in mehreren Endpunkten überlegen. Sie stellt eine gut verträgliche, alltagstaugliche Erstlinientherapie dar, bevor restriktivere Diätformen eingesetzt werden.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Periphere Blutbiomarker zur Stratifizierung einer RA-ILD

Combining Three Peripheral Blood Biomarkers to Stratify Rheumatoid Arthritis-Associated Interstitial Lung Disease Risk

Coziahr K et al. Arthritis Care Res 2025: Accepted Article

Neben den bekannten laborchemischen «Risikofaktoren» für eine RA-assoziierte interstitielle Lungenerkrankung (RA-ILD) (wie RF Positivität, CCP-Antikörper) und klinisch langdauernder RA fehlen jedoch weitere prädiktive Marker.

In dieser nordamerikanischen Studie bei US-Veteranen mit bekannter rheumatoider Arthritis (RA) wurde multizentrisch, cross-sektional sowohl Prävalenz als auch Inzidenz einer RA-ILD untersucht. Hierbei wurde ein Biomarker als genetischer Risikofaktor für eine idiopathische Lungenfibrose beschrieben (MUC5Brs35705950), wobei  MUC5B ebenfalls als Risikofaktor für die Entwicklung einer RA-ILD  definiert wurde. Zudem wurden Plasma Matrix Metalloproteinase-7 (MMP-7) und Serum Anti-malondialdehyd-acetaldehyd (Anti-MAA AK) untersucht.

Die Hinzunahme dieser drei Biomarker zusätzlich zu den bekannten klinischen Risikofaktoren konnte die RA-ILD Risikostratifizierung deutlich verbessern. Die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer RA-ILD zeigte sich korrelierend mit einem erhöhten Biomarker Score – ebenfalls fand sich eine inzidente RA-ILD bei denjenigen Teilnehmern, welche den  höchsten kombinierten Biomarker Risikoscore aufwiesen (148/2043).

Kommentar
Die Autoren schlussfolgern, dass zwar aktuell diese Biomarker noch nicht zur täglichen klinischen Risikostratifizierung herangezogen werden können, dass jedoch in Zukunft andere als die bisher gültigen klinisch-serologischen Kriterien eine RA-ILD Wahrscheinlichkeit oder Vorhersage deren Entwicklung erlauben können.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Rhinosinusitis und Rheuma-Risiko

The Risk of Rheumatic Disorders Among Patients With Rhinosinusitis: A Systematic Review and Meta-Analysis

Aulakh A et al. International Forum of Allergy & Rhinology 2025;15:1279

Evaluation von über 86’000 Patienten mit Rhinosinusitis (RS) betreffend Assoziation mit rheumatischen Erkrankungen.

Chronische RS fand sich assoziiert mit einem erhöhten Risiko für Rheumatoide Arthritis (OR: 1.7), Systemischem Lupus (OR: 1.61) sowie Spondylitis ankylosans (OR: 1.48). Die akute RS zeigte eine Verknüpfung mit der seronegativen RA.

Fazit
Eine chronische RS zeigt eine recht starke Assoziation mit RA, SLE und AS, während eine akute RS mit der seronegativen RA verknüpft war.

Die mukosale Entzündung scheint eine Immundysregulation herbeizuführen, welche bei prädisponierten Individuen rheumatische Erkrankungen zum Vorschein bringen kann. Ganz ähnlich scheinen auch chronische Entzündungen der Gingiva mit einer erhöhten Inzidenz an RA einherzugehen. Für die Praxis heisst dies, bei besonders chronischer therapieresistenter RS das Augenmerk auf Frühzeichen einer rheumatischen Entzündung zu richten.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich