Beseitigt Tocilizumab die Entzündung bei GCA?
Does Tocilizumab Eliminate Inflammation in GCA? A Cohort Study on Repeated Temporal Artery Biopsies
Ricordi C et al. RMD Open 2024;10(4):e005132
Die Studie zeigt, dass vaskuläre Entzündungen bei Patienten mit Riesenzellarteriitis (GCA) auch nach einer kombinierten Behandlung mit Tocilizumab (TCZ) und Glukokortikoiden (GC) bestehen bleiben können. Bei den 13 untersuchten Patienten, die mindestens sechs Monate behandelt wurden, wiesen 38,5 % in wiederholten Biopsien der Schläfenarterien nach Behandlung weiterhin entzündliche Veränderungen auf. Während initial bei 84,6 % der Patienten transmurale Entzündungen (TMI) festgestellt wurden, war die Entzündung bei der zweiten Biopsie oft auf adventitielle oder kleinvaskuläre Bereiche begrenzt. In der Bildgebung zeigten etwa ein Drittel der Patienten weiterhin Hinweise auf aktive Vaskulitis, sowohl im PET/CT als auch im Doppler-Ultraschall (CDUS), obwohl eine signifikante Reduktion des PET-Vaskulären Aktivitäts-Scores festgestellt wurde.
Kommentar
Die Studie untersucht erstmals die histopathologischen Veränderungen in Schläfenarterienbiopsien (TAB) bei Patienten mit Riesenzellarteriitis (GCA), die mit Tocilizumab (TCZ) und Glukokortikoiden (GCs) behandelt wurden. Bei 40 % der Patienten wurden noch Entzündungen festgestellt. Während TMI größtenteils zurückging, bleibt die Bedeutung der persistierenden adventitiellen Entzündung unklar, da sie teils als Alterserscheinung und teils als Teil des GCA-Spektrums interpretiert wird.
Bildgebende Verfahren wie PET/CT und CDUS bestätigen diese Ergebnisse, indem sie bei einem Drittel der Patienten trotz Therapie eine anhaltende vaskuläre Aktivität zeigen. Klinische, histologische und bildgebende Befunde korrelieren jedoch nicht konsistent miteinander, was die Diagnose und Bewertung der Krankheitsaktivität erschwert.
Die Studie zeigt auf, dass TCZ und GCs zwar die IL-6-abhängige Entzündung (TH-17 assoziierte Entzündung) wirksam unterdrücken, jedoch nur begrenzte Effekte auf die durch TH1-Zellen vermittelte chronische Entzündung haben. Zukünftige Forschung sollte die persistierenden entzündlichen Infiltrate und deren Zytokinprofile näher untersuchen, um potenzielle neue Therapieansätze zu identifizieren.

Gichtanfälle korrelieren mit Höhe der Serumharnsäure
Identifying the association between serum urate levels and gout flares in patients taking urate-lowering therapy: a post hoc cohort analysis of the CARES trial with consideration of dropout
Tedeschi SK et al. Ann Rheum Dis 2024;83:1375
Bei 6183 Patienten (Alter 65 Jahre, 84% männlich) wurden im Rahmen einer Sekundäranalyse nach Beginn einer uratsenkenden Therapie (ULT) in den Monaten 0-6 mit Anfallsprophylaxe und in den Monaten 6-72 ohne Anfallsprophylaxe die Anzahl Gichtanfälle gezählt. Die Anfallsrate war im ersten Jahr der ULT in allen Serumharnsäure (SU)-Gruppen ähnlich. In den Monaten 36-72 konnte eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der SU-Kategorie (≤240, 240-360, 360-475, 475-595 oder ≥595 µmol/L) und der Anzahl Gichtanfälle belegt werden. Eine niedrigere Anzahl Gichtanfälle wurde bei SU ≤240 µmol/L und eine höhere Anzahl Gichtanfälle bei SU ≥595 µmol/L beobachtet, verglichen mit SU 240-360 µmol/L (p für Trend <0.01).
Einmal mehr zeigte sich, dass die Gichtanfallsrate desto höher ist, je höher die SU ist. Speziell betraf dies in dieser Studie den SU-Wert ≥360 µmol/L. Zudem deutet der Anstieg der Gichtschübe in allen Kategorien nach Beendigung der Prophylaxe darauf hin, dass eine länger als sechs Monate dauernde Prophylaxe gerechtfertigt sein könnte.

NSAR-Gebrauch vermindert Fertilität bei Patientinnen mit Spondylarthritiden
NSAID exposure delays time-to-pregnancy in patients with spondyloarthritis: an analysis of the GR2 prospective cohort
Hamroun S et al. RMD Open 2024;10(4):e004745
In dieser prospektiven Beobachtungsstudie aus Frankreich wurde die Fertilität bei Patientinnen mit einer Spondylarthritis und Kinderwunsch untersucht. Bei 88 in die Studie eingeschlossenen Patientinnen mit Kinderwunsch (mittleres Alter 31.6 Jahre, BMI 23.8, 70% waren unter Therapie mit TNF-Blockern und/oder NSAR), kam es bei 56 (63.6%) im Beobachtungszeitraum zu einer Schwangerschaft. Die mittlere Zeit ab Beginn des Kinderwunsches bis zum Eintritt der Schwangerschaft (TTP = time to Pregnancy) betrug 16.1 Monate.
In einer multivariaten Analyse wurden Alter, BMI, BASDAI, Raucherstatus, Krankheitsdauer, Spondylarthritis Phänotyp, Medikation mit NSAR, csDMARDs und bDMARDs berücksichtigt. Die Subfertilitätsrate (TTP > 12 Monate ab Kinderwunsch) betrug 45.4%. Es fand sich eine signifikante Assoziation der Zeit zur Schwangerschaft (TTP) mit dem Alter der Patientinnen und dem Gebrauch von NSAR. Die mittlere TTP betrug 12.1.
% bei Patientinnen, welche keine NSAR einnahmen versus 31.6 Monate bei Patientinnen, die regelmässig NSAR benötigten. Andere Variablen wie Krankheitsdauer, BASDAI Score, Gebrauch von DMARDS zeigte keinen signifikanten Einfluss auf die TTP.
Kommentar
Diese prospektive Beobachtungsstudie aus Frankreich zeigt einen eindrücklichen Effekt bei Patientinnen mit einer Spondylarthritis auf die Fertilität bei regelmässigem NSAR Gebrauch. Die mittlere Zeit bis zur Schwangerschaft (TTP) betrug 12.1 Monate ohne NSAR Gebrauch und 31.6 Monate bei NSAR Gebrauch. Auch das Alter zeigte einen signifikant negativen Einfluss, während dem die Krankheitsdauer- und aktivität gemessen mit dem BASDAI, der Phänotyp der SpA und auch der Gebrauch von DMARDs, insbesondere TNF-Blockern bei 70% keine Rolle spielte.
Die Subfertilitätsrate (definiert als TTP von > 12 Monaten oder keine Schwangerschaft) betrug in dieser Studienpopulation 45.4%. Daten aus Westeuropa bei gesunden Frauen zeigen eine solche Rate zwischen
9–18% bzw. 10–20% (Hum Reprod 1999;14:1250ff, Hum Reprod 2007;22:1506ff).

Osteoporose: Patientensicht
Patient perceptions of osteoporosis management: a qualitative pilot study by a patient advisory group
Javier RM et al. Archives Osteoporosis 2025:online ahead of print
Die Befragung von Osteoporose-Patienten ergab, dass diese in ihren Arzt, meist ein Rheumatologe, Vertrauen haben. Für die Nichtbefolgung von verordneten Massnahmen sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Angst und Unsicherheiten bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung; die medizinische Information wird als ungenügend betrachtet oder wird schlecht verstanden. Grösste Auswirkungen haben negative Informationen, insbesondere auch vermittelt durch die Medien. Gegenüber den Pharmafirmen besteht wenig Vertrauen, ebenso wird die Ethik der Ärzte in Frage gestellt.
Fazit
Diese französische Studie über die Sicht der Patienten betreffend Osteoporose identifizierte wesentliche Hindernisse zur wirksamen Osteoporose-Behandlung. Für die Befolgung der Therapieverordnungen scheint eine umfassende und fortlaufende medizinische Information der Patienten notwendig, insbesondere zum Zeitpunkt der Diagnose und des Behandlungsbeginns.
