Hand-MR unterscheidet PMR von RA
Magnetic resonance imaging of hand involvement in polymyalgia rheumatica: a comparison with seropositive rheumatoid arthritis
Fruth M et al. RMD Open 2026;12(2):e006838
Eine retrospektive Analyse untersuchte 51 ausgewählte Patienten mit bestätigter Diagnose einer Polymyalgia rheumatica (PMR) und einem kontrastmittelverstärkten MR (ceMR; 1.5 Tesla mit 6 Sequenzen) der Hände. Als Vergleichsgruppe wurden 51 Patienten mit seropositiver rheumatoider Arthritis (RA+) und ceMR der Hände bestimmt. Synovitis, Osteitis und Erosionen der Metakarpophalangealgelenke (MCP) 2-5 sowie eine Tenosynovitis der Flexor-/Extensorkompartimente wurden entsprechend dem Rheumatoide Arthritis MR-Score (RAMRIS) bewertet. Die Verteilung der Synovitis-Werte unterschied sich signifikant mit überwiegend geringer und gelegentlich moderater Synovitis bei PMR gegenüber gleichmässig verteilten Gesamtwerten bei RA+. Der Nachweis von Erosionen und Osteitis fehlte bei PMR-Fällen, war jedoch bei RA+ weit verbreitet. Die periartikuläre Entzündung war bei PMR signifikant höher. Tenosynovitis der Flexoren war bei PMR signifikant häufiger, obschon Tenosynovitiden in beiden Gruppen generell häufig waren (alle p<0.001). Eine Kombination aus leichter bis mittlerer Synovitis zusammen mit einer schweren periartikulären Entzündung eines MCP-Gelenks stellte einen charakteristischen Befund bei PMR dar und differenzierte, wenn sie bei mindestens einem MCP-Gelenk auftrat, die Gruppen mit einer Sensitivität und Spezifität von 78.4 % bzw. 78.4 %. Die Spezifität verbesserte sich auf 90.2 % auf Kosten der Sensitivität (70.6 %), wenn dieses charakteristische Entzündungsmuster bei mehr als einem MCP-Gelenk pro Hand vorhanden war.
Ein ceMR der Hände konnte bei diesen Patienten zuverlässig zwischen PMR und RA+ unterscheiden. Dies eröffnet Möglichkeiten für eine KI-gestützte Diagnostik. Einzuwenden ist, dass die Fallzahl gering war und es sich um typische (‘klassische’) Patienten handelte, bei denen die klinische Diagnose wohl unumstritten war.

«Frailty» bei Menschen mit rheumatoider Arthritis
Frailty in rheumatoid arthritis and the general population: a cross-sectional analysis of the Groningen Frailty Indicator and Fried criteria
Truijen, S P M et al. Ann Rheum Dis 2026: Online ahead of print
Hintergund
Diese cross-sektionale, niederländische Studie einer RA Kohorte bezüglich des Alterns (STAR-Studying Ageing in Rheumatoid Arthritis) hat anhand zweier verschiedener Messinstrumente sowohl die Prävalenz bezüglich Gebrechlichkeit als auch deren mögliche Einflussfaktoren untersucht. Ausgewertet wurden Daten zu 207 RA Patienten und 214 alters-gematchten nicht RA Patienten.
Letztlich zeigte sich, dass Gebrechlichkeit / frailty bei RA Patientinnen und Patienten deutlich erhöht war (34% versus 18% der Nicht -RA Betroffenen) – zudem zeigten sich Werte für eine beginnende Gebrechlichkeit bereits bei 72% versus 50%.
Das Alter alleine hatte keinen alleinigen Einfluss auf diese Ergebnisse. Am ehesten zeigte sich eine Korrelation zwischen Gebrechlichkeit und Krankheitsmanifestationen.
Dennoch zeigte sich ja altersbezogen eine höhere Gebrechlichkeit im Rahmen einer RA versus gesunden, nicht-RA Personen.
Die Autoren stellen die Notwendigkeit zusätzlicher Diagnostik bezüglich einer Gebrechlichkeit über das übliche Mass im Rahmen einer Konsultation somit in Frage.
Kommentar
Ob man nun die Gebrechlichkeit separat untersucht oder welche Instrumente man hierfür verwendet, scheint weniger wichtig zu sein als überhaupt an diese «Ko-Morbidität» zu denken, sie zu adressieren im Rahmen des Erreichens einer Krankheitskontrolle und entsprechende physiotherapeutische Ansätze zu wählen.
Die Autoren betonen ebenfalls, dass es bei den RA Patientinnen und Patienten eben nicht um ein geriatrisches Problem geht, sondern das Alter allein in dieser Gruppe keine wesentliche oder zumindest keine alleinige Rolle bezüglich der zunehmenden Gebrechlichkeit spielt.

Evidenz von intraartikulären Injektionstherapien bei Athleten
Knee Injectables in Young Athletes: Evidence, Recommendations, and Clinical Application
Hantouly A et al., J Bone Joint Surg Am 2026;108(11):835
Diese Review-Arbeit bewertet die Evidenz zu intraartikulären Knie-Injektionen bei jungen Athleten mit Knieschmerzen durch Überlastung, Trauma oder frühe degenerative Veränderungen. Analysiert wurden Kortikosteroide, Hyaluronsäure (HA), PRP sowie neuere biologische Verfahren wie BMAC, Exosomen und amnionbasierte Produkte.
Die Evidenz bei jungen Sportlern ist insgesamt schwach, heterogen und meist aus älteren, nicht-athletischen Populationen extrapoliert. Es fehlen hochwertige sportartspezifische Studien, weshalb klare Empfehlungen schwierig sind.
Kortikosteroid-Injektionen können kurzfristig Schmerzen und Entzündungen lindern, eignen sich aber vor allem für akute inflammatorische Situationen. Wiederholte Injektionen werden wegen möglicher negativer Effekte auf Knorpel und Sehnen nicht empfohlen.
Hyaluronsäure kann bei Athleten mit früher Arthrose oder Chondromalazie symptomatisch helfen, insbesondere bei persistierenden Beschwerden. Die Evidenz ist jedoch begrenzt.
Für PRP (Platelet-Rich Plasma) besteht die relativ beste Datenlage. PRP könnte bei früher Arthrose, Patellatendinopathie und teilweise nach Meniskusverletzungen hilfreich sein, die Resultate sind jedoch stark abhängig von Präparation, Dosierung und Injektionsprotokoll.
Für neuere Verfahren wie Bone Marrow Aspirate Concentrate (BMAC), Exosomen, Peptide oder amnionbasierte Produkte gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz für einen routinemässigen Einsatz bei jungen Athleten.
Kommentar
Obwohl die Datenlage für die erwähnten Injektionen bei Athleten schwach ist, werden diese in der Sportmedizin häufig angewandt. In ausgewählten Fällen können Knie-Injektionen symptomatisch hilfreich sein, sollten aber stets individualisiert und als Ergänzung zu Rehabilitation, Physiotherapie und sportartspezifischem Training eingesetzt werden. PRP erscheint derzeit am vielversprechendsten. Prospektive gut kontrollierte Studien zu dieser Fragestellung fehlen aber mehrheitlich, so dass Evidenz basierte Empfehlungen nicht möglich sind.
Hyaluronsäurepräparate und PRP sind nicht auf der Dopingliste. Glukokortikoide sind je nach Applikationsweg und Zeitpunkt im Wettkampf verboten oder genehmigungspflichtig. Wachstumsfaktoren oder andere biologische Präparate können unter Umständen unter die WADA-Verbotsliste fallen. Siehe auch www.sportintegrity.ch.

Schwangerschaft bei RA
Evaluation of pregnancy outcomes in patients with rheumatoid arthritis compared with the general population: results from a French national prospective and matched study
Hamroun S et al. RMD Open 2026;12:e006922
Ziel dieser französischen prospektiven multizentrischen Kohortenstudie war die Analyse von schwangeren Frauen mit rheumatoider Arthritis (RA) in Bezug auf Auswirkungen und Risiken. 46% erhielten Glukokortikoide (GC), 39% Biologics.
In 100 Schwangerschaften von 90 Frauen (58% Nullipara) fand sich eine erhöhte Rate an Frühgeburten (assoziiert mit dem Alter sowie mit der Einnahme von >10 mg GC) sowie eine zurückgebliebene Körpergrösse (assoziiert mit Nullipara).
Fazit
RA-Schwangerschaften sind assoziiert mit vermindertem Wachstum sowie Frühgeburt, wobei die Behandlung mit GC das letztere Risiko besonders beeinflusst.
Wenn immer möglich sollten GC, insbesondere >10 mg, während der Schwangerschaft vermieden werden.
