2D-T1-Black-Blood-MRT bei Riesenzellarteriitis: Visuelles Scoring bleibt der Goldstandard gegenüber quantitativer Wandanalyse

2D-Cranial T1-Black-Blood MRI in Suspected Giant Cell Arteritis-Measurement of Vessel Wall Thickness Does Not Give a Diagnostic Advantage Compared to Visual Scoring Alone.

Seitz P et al. Frontiers in Radiology 2025;5:1597938

In einer retrospektiven Analyse von 151 Patienten mit Verdacht auf Riesenzellarteriitis (RZA) wurde die diagnostische Leistung zweier Auswertungsverfahren für 2D-T1-gewichtete Black-Blood-MRT der superfiziellen cranialen Arterien (SCA) verglichen: ein visuelles semiquantitatives Schema (T1-BB-VISUAL) und ein kombiniertes Verfahren mit zusätzlicher Wanddickenmessung (T1-BB-COMP). Die visuelle Methode zeigte eine höhere Sensitivität (87,8 % vs. 81,7 %) bei vergleichbarer Spezifität und Gesamtgenauigkeit. Die Übereinstimmung beider Methoden war insgesamt hoch (91,6 %, κ = 0,80), insbesondere bei größeren Gefäßen. Die zusätzliche quantitative Messung brachte keinen diagnostischen Mehrwert, erforderte jedoch fast doppelt so viel Zeit. Die Studie belegt, dass die visuelle Beurteilung effizienter und ebenso zuverlässig ist, weshalb sie für die klinische Praxis bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis zu bevorzugen ist.

Kommentar
Während die hochauflösende Duplexsonographie aktuell als bevorzugte Erstabklärung empfohlen wird, gewinnt die MRT – insbesondere mit der kontrastmittelverstärkten T1-Black-Blood-Sequenz (T1-BB) – zunehmend an Bedeutung. Die T1-BB bietet laut Metaanalysen die höchste diagnostische Genauigkeit unter den MRT-Sequenzen zur Erkennung der RZA. In der klinischen Anwendung existieren zwei etablierte Auswertungsschemata für die T1-BB: ein rein visuelles semiquantitatives und ein kombiniertes Verfahren mit zusätzlicher Wanddickenmessung. Die aktuellen Ergebnisse sprechen klar dafür, das visuelle Scoring als Standardverfahren zur MRT-basierten (T1-BB) Beurteilung der SCAs bei Verdacht auf RZA zu etablieren. Dies wird ebenfalls so von internationalen Konsensgruppen empfohlen. In ausgewählten Einzelfällen mit grenzwertiger Befundlage kann eine gezielte Wanddickenmessung ergänzend hilfreich sein. In der klinischen Praxis hat es sich als gut erwiesen, eine enge Abstimmung mit den kooperierenden Radiologen sicherzustellen – insbesondere, um bei der Anmeldung einer MRT zur Diagnostik einer Riesen­zellarteriitis (unter Verwendung der SCA-Analyse) die Durchführung von T1-Black-Blood-Sequenzen zu gewährleisten.

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Dr. Christian Marx
Zürich

Vitamin C bei Hüftprothesenoperation

Efficacy of Vitamin C as Glucocorticoid Substitute for Reducing Pain and Inflammation After Total Hip Arthroplasty: A Randomized Controlled Trial

Jiang W et al. J Bone Joint Surg Am 2025;107:1123

107 Patienten (43 % Männer, 57 Jahre, BMI 25, 100 % Han-Chinesen) erhielten bei einer Hüfttotalendoprothesenoperation (THA) entweder Vitamin C (n=35) oder Dexamethason (n=38) oder keines von beiden (n=34). Die Patienten mit Vitamin C (1 g intravenös vor Operation sowie danach täglich bis zum Spitalaustritt und anschliessend 1 g peroral für 2 Wochen) oder Dexamethason (10 mg intravenös vor der Operation) hatten einen niedrigeren VAS-Schmerzwert am ersten postoperativen Tag, einen geringeren perioperativen Morphingebrauch und zeigten an den Tagen 1 und 2 ein niedrigeres CRP gegenüber der Kontrollgruppe. Die beiden Gruppen zeigten auch eine niedrigere Rate an Reserveanalgetika am postoperativen Tag 1 und höhere Harris-Hüftwerte der Gelenkfunktion nach 2 und 12 Wochen postoperativ sowie einen kleineren Oberschenkelumfang und Schwellung in den ersten 2 Tagen nach der Operation. Beide Behandlungen waren mit einer geringeren Rate an postoperativer Übelkeit und Erbrechen verbunden. Dexamethason war mit einem höheren Blutzuckerspiegel nach der Operation verbunden. Alle Werte waren signifikant.

Die entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung von Vitamin C ergab in dieser Studie trotz kleiner Patientenzahl statistisch signifikante Kurzzeit-Resultate für postoperativen Schmerz, Schwellung, Nausea und Erbrechen sowie Gelenkfunktion. Nach 12 Wochen (ausser bessere Gelenkfunktion mit Vit. C und mit Dexamethason nach 12 Wochen) und 24 Wochen fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen mehr. Es ist erstaunlich und fast unglaublich, welche Wirkung ein tägliches Gramm Vitamin C für zwei Wochen peri-/postoperativ hatte. Diese Studie (ohne Cortison) muss dringend wiederholt werden. Könnte Vitamin C auch bei anderen Operationen und Entzündungserkrankungen wirksam sein?

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Einfluss von NSAR auf die MRI-Diagnostik bei axialer Spondylarthritis

Non-steroidal anti-inflammatory drugs reduce sacroiliac joint inflammation, as seen on MRI, in axial spondyloarthritis

Jones G et al. Arthritis Care Res 2025;online ahead of print

Die Studie untersuchte, ob die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) die Darstellung einer aktiven Sakroiliitis in der Magnetresonanztomografie (MRI) beeinflusst. Dazu unterzogen sich Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) einem 1–2-wöchigen NSAR-Waschout vor einer MRI-Untersuchung der Sakroiliakalgelenke. Patienten mit aktiven Entzündungszeichen in der ersten MRI-Untersuchung gemäss definierten Kriterien der ASAS (Assessment of Spondyloarthritis International Society) erhielten nach Wiederaufnahme der täglichen NSAR-Einnahme eine zweite MRI sechs Wochen später.

Von 146 Patienten mit aktiver Sakroiliitis bei der ersten MRI-Untersuchung zeigten 25 (etwa 20 %) bei der zweiten MRI unter NSAR keine entzündlichen Veränderungen mehr. Diese Ergebnisse wurden auch durch zusätzliche halbquantitative und quantitative MRI-Auswertungen gestützt.

Kommentar
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass NSAR bei einem Teil der Patienten die Entzündungszeichen in der MRI-Untersuchung vollständig unterdrücken können. Deshalb kann ein kurzfristiger Verzicht auf NSAR vor einer diagnostischen MRI hilfreich sein, um die Entzündungsaktivität besser beurteilen zu können.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Voraussage der Medikationsverschwendung

Predicting medication wastage using machine learning based on patient beliefs

Aziz F et al. Digital Health 2025;11:1

Querschnittsstudie von 734 Patienten in Malaysia betreffend mögliche Ursachen der Verschwendung von Medikamenten.

Hauptsächliche Voraussagewerte für die Verschwendung von Medikamenten schlossen folgende Faktoren ein: Einstellung gegenüber den Medikamenten (generell schädliche Nebenwirkungen, Sorge über zu häufige Verwendung von Medikamenten, Skepsis gegenüber spezifischen Medikamenten), Alter (im Alter Gedächtnisstörungen, komplizierte Medikationsschemata, physische Schwierigkeiten bei der Einnahme von Medikamenten; im jüngeren Alter weniger Verschwendung dank proaktiver Einstellung gegenüber der Gesundheit, ungestörte kognitive Kapazität), Ethnizität (Eingeborene  neigten zu mehr Verschwendung bei limitiertem medizinischen Zugang und sozioökonomisch niedrigem Stand sowie kulturellen Differenzen (Glaube vermehrt in natürliche Medikationen), monatliches Einkommen (Patienten mit tiefen Einkommen befolgten die vorgeschriebenen Medikationsschemata weniger).

Fazit
Obwohl eine Studie aus Malaysia, treffen wohl viele der ursächlichen Faktoren einer Medikationsverschwendung auch in unseren Breitengraden zu. Um diese Verschwendung so klein wie möglich zu halten, bedarf es einer eingehenden Information insbesondere bei Patienten, welche sich eher skeptisch gegenüber der Schulmedizin zeigen. Bei Multimedikation ist die Organisation der Medikationsabgabe durch ein Familienmitglied sowie Medikationskalender zu optimieren.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich