Secukinumab für Polymyalgia rheumatica

Phase 3 Trial of Secukinumab in Polymyalgia Rheumatica

Stone HJ et al. N Engl J Med 2026:doi: 10.1056/NEJMoa2602567

381 Patienten (je 127 pro Gruppe) mit Rezidiv einer Polymyalgia rheumatica (PMR) erhielten entweder Secukinumab in einer Dosis von 300 mg (wöchentlich für 4 Wochen, dann vierwöchentlich; SEC-300 Gruppe), Secukinumab in einer Dosis von 150 mg (SEC-150 Gruppe) oder Placebo für 52 Wochen. Die Patienten erhielten zudem Prednison nach einem Ausschleichschema für 24 Wochen. In der 52. Woche wurde eine anhaltende Remission bei 41.2 % der Patienten in der SEC-300-Gruppe, bei 40.6 % der SEC-150-Gruppe und bei 20.4 % der Placebo-Gruppe beobachtet (p<0.001 für beide Secukinumab-Dosen vs. Placebo). Die durchschnittlich angepasste jährliche kumulative Glukokortikoiddosis betrug 1604 mg in der SEC-300-Gruppe, 1683 mg in der SEC-150-Gruppe und 2093 mg in der Placebo-Gruppe (p<0.001 für SEC-300, p=0.002 für SEC-150). Schwere unerwünschte Ereignisse traten bei 13.5 % der Patienten der SEC-300-Gruppe, bei 15.9 % in der SEC-150-Gruppe und bei 14.2 % in der Placebo-Gruppe auf. Bei den drei Todesfällen verstarb ein Patient der SEC-150-Gruppe an einer Kryptokokkenmeningitis, einer an Herzversagen und ein Patient der Placebogruppe verübte Suizid. Nasopharyngitis, Überempfindlichkeitsreaktionen, Harnwegsinfektionen, Pilzinfektionen und Rückenschmerzen traten in den Secukinumab-Gruppen häufiger auf als in der Placebo-Gruppe.

Secukinumab, ein humaner, monoklonaler, selektiver Interleukin-17A Antikörper (auch in der Dosierung von 150 mg), zusammen mit einem Glukokortikoid-Reduktionsschema, führte bei rezidivierender PMR zu häufigeren Remissionen mit geringerem Glukokortikoid-Gebrauch, ohne vermehrte schwere Nebenwirkungen. Diese Daten entsprechen zwar nicht jenen der GCAptAIN-Studie, sind aber ein Lichtblick für die Behandlung der häufigen PMR-Rezidive.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Stopp der kurzzeitigen Glucocorticoidgabe nach Neudiagnose einer rheumatoiden Arthritis

Successful discontinuation of oral glucocorticoids after short-term bridging therapy in patients with newly diagnosed rheumatoid arthritis

Brinkmann GH et al. Ann Rheum Dis 2026;85(6):1073

Hintergrund
Diese randomisierte Studie adressiert die Frage, ob  kurzzeitige Glucocorticoidgabe als sogenanntes «bridging» bei der Therapie einer neu diagnostizierten RA wie vorgesehen auch erfolgreich wieder gestoppt werden kann.

Hierzu wurden 227 Therapie-naive Patienten und Patientinnen mit einer neu diagnostizierten RA-mit Methotrexat und Prednisolon als überbrückende Therapie behandelt. Die initiale Prednisolongabe erfolgte mit 15mg und einem Ausschleichen auf 0 über die folgenden 7 Wochen.

Als Endpunkt nach 24 Monaten galt ein vollständiger Stopp von Prednisolon als «erfolgreich».

Insgesamt konnten 84 % nach 7 Wochen, 89 % nach 3 Monaten und 95 % innerhalb von 24 Monaten die Prednisoloneinnahme beenden. Langfristig konnten 80% der Patienten mit erfolgreichem Absetzen auch weiterhin ohne Prednisolon verbleiben. Dahingegen waren 22% auch nach mehr als 3 Monaten unter Prednisolon, 5% benötigten dies sogar bei jeder Visite. Es wurde ein Median von 55 Tagen Prednisoloneinnahme über 2 Jahre Beobachtungszeit beschrieben.

Betroffene mit erhöhtem Prednisolon-Dauerbedarf wurden gehäuft mit ein oder im follow-up sequentiell mehreren Biologika therapiert.

Kommentar
Diese Studie unterstützt die EULAR Empfehlungen zur kurzzeitigen Gabe von Glucocorticoiden in der Initialtherapie der rheumatoiden Arthritis, hier in der Studie bei doch deutlicher initialer Aktivität.

Eine weiterhin notwendige frühe Erfassung dieser Patientinnen und Patienten könnte eventuell einen längerfristigen Prednisolonbedarf noch reduzieren. Letztlich ist aber eine Zahl von 80% dauerhafter Prednisolonfreiheit eine gute Nachricht, die der Realität und nicht nur den Empfehlungen zu entsprechen scheint.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Nachbehandlung nach Mikrodiskektomie

Lumbar Microdiscectomy and Postoperative Activity Restrictions: A Randomized Controlled Trial

Roadley J et al. Spine 2026;51(13):901

In dieser randomisierten kontrollierten Studie wurde untersucht, ob postoperative Aktivitätseinschränkungen nach lumbaler Mikrodiskektomie einen Vorteil gegenüber einer frühzeitigen Rückkehr zu normalen Aktivitäten bieten. Insgesamt wurden 200 Patienten nach Diskushernienoperation entweder einer Gruppe mit klaren Verhaltensregeln (Sitzen nur kurzzeitig, kein Heben über 5 kg, kein Bücken oder Drehen) oder einer Gruppe ohne spezifische Einschränkungen zugeteilt. Die Nachbeobachtungszeit betrug ein Jahr.
Nach zwölf Monaten zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich Schmerzen, funktioneller Verbesserung, Lebensqualität oder der Notwendigkeit weiterer Eingriffe. Beide Gruppen profitierten deutlich von der Operation: Die Rücken- und Beinschmerzen nahmen stark ab, und die funktionellen Einschränkungen verbesserten sich erheblich. Auch die Rate an Rezidivhernien und Reoperationen unterschied sich nicht signifikant.
Ein besonderer Aspekt der Studie war die objektive Erfassung der tatsächlichen Aktivität mittels elektronischer Bewegungssensoren. Dabei zeigte sich, dass die meisten Patienten die verordneten Einschränkungen nur unzureichend einhielten. Insbesondere die Sitzeinschränkungen wurden von den meisten Patienten nicht befolgt. Tatsächlich unterschieden sich die realen Aktivitätsmuster zwischen den beiden Gruppen kaum. Die Patienten verbrachten in den ersten Wochen nach der Operation ähnlich viel Zeit im Sitzen, Stehen und Gehen, unabhängig von den ärztlichen Vorgaben.

Kommentar
Die Studie zeigt auf, dass starre postoperative Aktivitätsbeschränkungen nach einer unkomplizierten lumbalen Mikrodiskektomie keinen nachweisbaren Nutzen bringen. Eine schmerzadaptierte Mobilisation und die Rückkehr zu normalen Aktivitäten nach individuellem Befinden erscheinen sicher und führen zu vergleichbaren Ergebnissen wie restriktive Nachbehandlungsschemata. Interessant ist sicher auch die Tatsache, dass sich die meisten Patienten in dieser Studie unzureichend an die restriktiven Instruktionen hielten.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

BSG: Ist eine rasche Messung möglich?

Rapid Measurement of Erythrocyte Sedimentation Rate Using a Tube Positioned at a 45° Angle Compared With the Westergren Reference Method

Amponsah FA et al. BioMed Research International 2026:Online ahead of print

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) wird in der Praxis sehr häufig eingesetzt, um einen entzündlichen Prozess anzuzeigen oder im Verlauf zu kontrollieren. Diese Studie aus Ghana setzte sich zum Ziel, die übliche Zeit der Bestimmung von 1 h herabzusetzen. Man hat festgestellt, dass bei Entnahmeröhrchen, welche etwas schief stehen, die BSR bereits früher ablesbar ist (rascheres Absinken der Erythrozyten).

Deshalb wurde nun bei 100 Personen der Unterschied eines senkrecht stehenden Röhrchens zu einem geneigten Röhrchen von 45° untersucht. Nach einer Ablesezeit von 8 Minuten fand sich die beste Übereinstimmung der BSR-Werte mit der üblichen Technik nach Westergren.

Fazit
Die Studie zeigt auf, dass die Messung der BSR bereits nach 8 Minuten erfolgen kann, wenn das Entnahmeröhrchen in einem Winkel von 45° aufgestellt wird, die Werte stimmen mit der Standardmethode nach Westergren (90° Winkel) gut überein.

Für unterversorgte Gebiete wie Ghana ist dies ein grosser Fortschritt in der Beurteilung der Krankheitssituation und damit für den Patientenfluss. Bei Bedarf dürfte dieser Trick aber auch bei uns zur Vereinfachung des Ablaufs in der Praxis von Vorteil sein.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich