Infliximab bei Modic-Ödem erfolglos

Modic Change Edema in Chronic Low Back Pain Treated With Infliximab or Placebo: The BackToBasic Trial

Dagestad M.H. et al. Spine 2025;50:1091

128 Patienten (Alter 43 Jahre, 84 Frauen, 78 per Protokoll [PP]-Patienten) mit chronischen Kreuzschmerzen (LBP) und Modic-Veränderungen (Typ-1-MC) in fünf norwegischen Spitälern erhielten über einen Zeitraum von 98 Tagen vier Infliximab-Infusionen oder Placebo. Die Odds Ratio für ein reduziertes MC-Ödem nach sechs Monaten in der Infliximab- gegenüber der Placebogruppe betrug 2.2 (p=0.12) in der primären PP-Analyse und 2.1 (p=0.04) in der Gesamtstichprobe. Weder MC-Ödeme noch ‘apparent diffusion coefficient’ (ADC)-Werte veränderten die Infliximab-Wirkung auf die Oswestry Disability Index (ODI)- oder LBP-Intensität. Nach fünf Monaten betrug der Effekt in der Gruppe mit initialem Ödemvolumen (Volmax) ≥25% des Wirbelkörpers -4.2 ODI-Punkte (p=0.33) (in der primären PP-Analyse).

Ähnlich wie in der TNF-Studie von Gjefsen (Weekly vom 23.06.2025) zeigte Infliximab in der vorliegenden Studie keinen signifikanten Effekt auf die Modic-Veränderungen. Nach den jahrlangen Bemühungen sollte das Thema TNF-Hemmer bei chronischen Kreuzschmerzen abgeschlossen sein.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Reduzierter Langzeitschaden bei SLE und Rituximabtherapie

Effect of rituximab on long-term damage acquisition in patients with systemic lupus erythematosus

da Silva Brito A. et al. Rheumatology 2025; 64:5031

Diese Studie hat Daten von insgesamt 380 Patientinnen und Patienten mit SLE aus den Jahren 1978-2023 mit einer Standardtherapie des SLE untersucht, wobei 190 Betroffene Rituximab erhalten hatten – 190 andere Betroffenen waren als «Kontrollgruppe» analysiert und gemäss Geschlecht und Alter zum Erkrankungsbeginn gematcht worden.

In der Rituximab-therapierten Gruppe war eine erhöhte Krankheitsaktivität gemäss anti-ds DNA- Antikörpern gesehen worden, zudem hatten diese Betroffenen einen erhöhten Score gemäss SLICC/ACR Damage Index und wurden somit als schwerer erkrankt eingestuft als Patientinnen der Kontrollgruppe. Die Progression des Organschadens (progression of damage index) zeigte sich signifikant geringer in der Rituximab (RTX)- versus der Kontrollgruppe (58% vs 44%) mit jedoch erhöhter Infektrate unter RTX.

Kommentar
Die Wahl von RTX in dieser Patientengruppe war mutmasslich aufgrund der schwereren und teilweise lebensbedrohlichen Organmanifestationen gewählt worden, um so wichtiger erscheint es, dass die Progression / respektive der Langzeitschaden («damage progression») geringer ausgefallen ist als in der Kontrollgruppe.

Es finden sich aufgrund der unterschiedlichen Schweregrade jedoch unterschiedliche begleitende Immunsuppressiva, die ebenfalls zum Verlauf beigetragen haben dürften.

Letztlich ist die Gruppe derjenigen Betroffenen, die am meisten von RTX profitieren würden, nicht optimal dargestellt, «in favour» ist RTX jedoch klar für SLE-Patientinnen/Patienten mit einer ausgeprägten Manifestation zu erwägen.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Primäres Raynaud-Phänomen als kardiovaskulärer Risikofaktor

Raynaud's phenomenon is associated with an increased risk of cardiovascular disease and venous thromboembolism

Hughes M et al. Semin Arthritis Rheum 2025: online ahead of print

Die Studie von Hughes et al. untersuchte, ob ein primäres Raynaud-Phänomen (RP), d.h. ohne zugrunde liegende Autoimmunerkrankung, mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) und venösen Thromboembolien (VTE) verbunden ist. Grundlage war eine retrospektive Kohortenanalyse elektronischer Gesundheitsakten aus Nordamerika mit über 140 Millionen Personen. RP wurde über mindestens zwei ICD-10-Codes (I73.0) definiert, die Vergleichsgruppe bestand aus Patienten mit Reizdarmsyndrom (IBS), da diese Gruppe ähnliche demografische Merkmale aufweist, aber kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweist. Primäre Endpunkte waren das Auftreten von major adverse cardiovascular events (MACE, inklusive Myokardinfarkt und Schlaganfall) sowie VTE (inklusive Lungenembolie und tiefer Venenthrombose). Die Analyse wurde altersstratifiziert durchgeführt (<45 Jahre und ≥45 Jahre), mit 1:1 Propensity-Score-Matching und Cox-Regressionsmodellen.

Insgesamt wurden 30’088 gematchte Paare unter 45 Jahren und 60’145 Paare ab 45 Jahren ausgewertet. Bei Jüngeren war das Risiko für MACE um 23 % erhöht (HR 1,23; CI 1,07–1,42) und für VTE um 32 % (HR 1,32; CI KI 1,20–1,46). Bei Älteren ergaben sich ebenfalls erhöhte Risiken: MACE HR 1,17 (CI 1,13–1,22), VTE HR 1,20 (CI 1,14–1,26). Auch sekundäre Endpunkte wie Myokardinfarkt, Schlaganfall oder Lungenembolie traten häufiger bei RP auf, wenngleich Schätzungen für DVT bei beiden Altersgruppen und für Myokardinfarkt unter 45 weniger präzise waren.

Kommentar
Die Autoren folgern, dass ein primäres Raynaud-Phänomen – auch ohne begleitende Autoimmunerkrankung – ein unabhängiger Risikofaktor für CVD und VTE ist, unabhängig von Alter und klassischen Risikofaktoren. Pathophysiologisch könnte das Raynaud-Syndrom Ausdruck einer subklinischen systemischen Gefäßdysfunktion sein. Die Studie hebt hervor, dass Patienten mit RP sorgfältig kardiovaskulär evaluiert werden sollten, auch wenn es sich um primäres RP handelt. Prospektive Studien sind erforderlich, um die Mechanismen zu klären und mögliche präventive oder therapeutische Strategien zu entwickeln.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Wirksamkeit von Guselkumab: Daten aus dem Alltag

Guselkumab effectiveness in real-world settings: observations from an Italian Multicentre study

Becciolini A. et al. Rheumatol Adv Pract 2025:online ahead of print

Retrospektive Multicenter-Studie aus Italien mit 278 Patienten. Analyse der Wirksamkeit von Guselkumab (Interleukin-23-Inhibitor) bei Psoriasis-Arthritis (PsA).

Die Verbleiberate nach 6, 12 bzw. 24 Monaten betrug 90%, 80% bzw. 68%. Nebenwirkungen zeichneten für deutlich weniger als 10% der Medikamentenabbrüche verantwortlich.

Eine Komedikation mit Kortikosteroiden bzw. auch csDMARDs war mit vermehrten Abbrüchen der Medikation assoziiert, während ein axialer und auch ein Befall der Enthesen sich günstig auswirkte.

Fazit
In dieser Multicenter-Beobachtungsstudie von konsekutiven Patienten unter Guselkumab wegen Gelenksbeteiligung bei PsA fanden sich hohe Retentionsraten für diese Medikation. Besonders günstig wirkte sich ein Befall der Wirbelsäule wie auch eine Enthesitis aus. Interessant ist die Tatsache, dass Guselkumab eher abgesetzt wurde bei Zusatzmedikation mit Kortikosteroiden (wird in den allgemeinen Richtlinien bei PsA nicht empfohlen wegen Rebound-Effekt) sowie unter konventionellen Basistherapeutika (csDMARDs); die Ursache bleibt ungeklärt. Dies zeigt aber, dass Guselkumab sich in der Praxis ausgezeichnet eignet als Monotherapie, insbesondere bei Patienten mit PsA und zusätzlicher Enthesitis und/oder axialer Beteiligung.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich