Lungenultraschall bei systemischer Sklerose: Hohe diagnostische Genauigkeit für die Detektion einer interstitiellen Lungenerkrankung in einer internationalen Multizenterstudie

Diagnostic Performance of Lung Ultrasound for Systemic Sclerosis-Associated Interstitial Lung Disease: An International Cross-Sectional Study from Two Tertiary Care Centers

Beigi DMR et al. Clin Rheumatol 2026: Online ahead of print

Diese internationale multizentrische Querschnittsstudie untersucht die diagnostische Genauigkeit zweier standardisierter Lungenultraschall-Scores zur Erkennung einer interstitiellen Lungenerkrankung bei systemischer Sklerose sowie den zusätzlichen Nutzen ihrer Kombination. Insgesamt wurden 108 Patienten untersucht, bei denen Lungenultraschall und HRCT am selben Tag durchgeführt wurden. Als Referenzstandard diente eine HRCT mit mindestens 10 % Lungenbeteiligung. Der Cut-off von ≥10 B-Linien erreichte eine Sensitivität von 90,5 % und eine Spezifität von 84,4 % (AUC 0,875), während die Fairchild-Kriterien eine Sensitivität von 93,2 % und eine Spezifität von 93,8 % (AUC 0,935) zeigten. Die OR-Regel erzielte die höchste Sensitivität (95,9 %) und den höchsten negativen Vorhersagewert (89,7 %), während die AND-Regel die höchste Spezifität (96,9 %) und den höchsten positiven Vorhersagewert (98,5 %) erreichte. Sämtliche Patienten mit ausgedehnter ILD waren in beiden Scores positiv. Die Autoren schließen daraus, dass beide standardisierten LUS-Scores eine hohe diagnostische Genauigkeit besitzen und sich in ihrer diagnostischen Aussage ergänzen.

Kommentar
Die Autoren bewerten sowohl den ≥10-B-Linien-Score als auch die Fairchild-Pleuralinien-Kriterien als robuste und reproduzierbare Verfahren zur Detektion einer SSc-ILD. Die diagnostische Genauigkeit blieb in zwei unabhängigen internationalen Zentren trotz unterschiedlicher Ultraschallgeräte und Untersucher hoch, was die Übertragbarkeit eines standardisierten 14-Zonen-Protokolls im klinischen Alltag unterstützt.

Die Kombination beider Scores zeigte ein komplementäres diagnostisches Profil. Die OR-Regel eignet sich insbesondere für Screening-Situationen, da sie die höchste Sensitivität erreicht und möglichst wenige ILD-Fälle übersieht. Demgegenüber eignet sich die AND-Regel aufgrund ihrer sehr hohen Spezifität und ihres hohen positiven Vorhersagewertes besser zur Bestätigung einer ILD, insbesondere wenn eine HRCT nicht unmittelbar verfügbar ist.

Zusätzlich korrelierten positive LUS-Befunde mit einer schlechteren Lungenfunktion (FVC, DLCO) sowie klinischen Merkmalen einer schwereren Erkrankung wie Anti-Scl-70-Positivität, digitalen Ulzera, inspiratorischen Rasselgeräuschen und immunsuppressiver Therapie.

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Dr. Christian Marx
Zürich

Serositis bei Lupus

Relapse risk of lupus-related serositis according to immunosuppressive therapy: a national real-world study

Fels E. et al. RMD Open 2026;12(2):e006919

Patienten mit Perikarditis und/oder Pleuritis bei SLE wurden mittels eines landesweiten (französischen; Club Rhumatismes et Inflammations) Aufrufs gesucht. 100 Patienten (47.5 Jahre alt, SLE-Diagnose mit 33 Jahren, 80 % Frauen, BMI 26, 73 % anti-dsDNS positiv, 98 % Hydroxychloroquin) hatten über eine durchschnittliche Nachbeobachtungszeit von 91 Monaten (7 ½ Jahren) 180 Serositis-Episoden (161 Perikarditiden, 51 Pleuritiden, assoziiert in 32 Fällen); 46 % erlebten ≥1 Rezidiv (definiert mit einer Behandlungsintensivierung ≥3 Monate nach dem Indexschub). Insgesamt sprachen 108 von 124 (87.1 %) der Serositis-Episoden auf die anfängliche entzündungshemmende Therapie an, ohne signifikanten Unterschied zwischen glukokortikoidbasierten und Aspirin/Colchicin-Behandlungen. Der Glukokortikoidkonsum beeinflusste das Rezidivrisiko nicht (46.0 % gegenüber 46.2 %, p=0.98). Konventionelle Immunsuppressiva (Methotrexat, Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil, aber auch Rituximab) waren nicht mit einem reduzierten Rezidivrisiko assoziiert, während Belimumab mit einem geringeren Rezidivrisiko assoziiert war (HR=0.34, p=0.019).

Die Lupus-bedingte Serositis ist häufig und rezidiviert oft. In dieser retrospektiven französischen Kohorte mit 100 gemeldeten Patienten war Belimumab – jedoch keine herkömmlichen Immunsuppressiva – mit einem reduzierten Rückfall der Serositis assoziiert. Der Glukokortikoidkonsum beeinflusste das Rezidivrisiko nicht.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Vitamin D Status und Risiko von Stressfrakturen

Vitamin D and the Risk of Stress Fractures in Athletes and Military Personnel: A Systematic Review and Meta-analysis

de Faria Moraes B et al. Am J Sports Med 2026: Online ahead of print

Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Spiegeln und dem Risiko für Stressfrakturen bei Athleten und Militärangehörigen. Eingeschlossen wurden 15 Studien mit insgesamt 4183 Teilnehmern, davon 1068 mit Stressfrakturen und 3115 Kontrollen.

Die Analyse zeigte, dass Personen mit Stressfrakturen im Durchschnitt signifikant niedrigere Serum-25(OH)-Vitamin-D-Spiegel aufwiesen als Kontrollpersonen. Der Unterschied betrug etwa 5.8 nmol/L, was auf einen Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin-D-Status und erhöhtem Stressfrakturrisiko hinweist.

Ein interessantes Ergebnis war, dass der Zusammenhang vor allem in Populationen sichtbar war, deren Kontrollgruppen bereits einen suffizienten Vitamin-D-Status hatten. Dies deutet darauf hin, dass selbst moderate Abfälle des Vitamin-D-Spiegels in ansonsten gut versorgten Gruppen klinisch relevant sein könnten.

Limitationen der Arbeit sind die hohe Heterogenität der eingeschlossenen Studien, unterschiedliche Methoden zur Diagnosestellung von Stressfrakturen sowie potenzielle Confounder wie Trainingsbelastung, Ernährung, Calciumzufuhr und Sonnenexposition.

Kommentar
Insgesamt unterstützt die Studie die Annahme, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ein modifizierbarer Risikofaktor für Stressfrakturen sein könnte. Besonders bei diesen Risikogruppen erscheint die Bestimmung und Optimierung des Vitamin-D-Status sinnvoll.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Modic-Läsionen und Bandscheibenhernien-Rezidive

Scientific award winning paper 2025 of the swiss society of spinal surgery: The impact of Modic changes in recurrent lumbar disc herniation: Persistent Modic type 1 changes represent a high-risk phenotype for early re-herniation

Fischer G et al. Brain and Spine 2026: Online ahead of print

Schweizerstudie mit Analyse von prospektiv erhobenen Daten einer Registerkohorte. Primäres Ziel war es, die verschiedenen Modic-Varianten in Bezug auf den klinischen Verlauf, die radiologische Progression sowie die Reoperationsraten bei rezidivierenden lumbalen Diskushernien zu untersuchen.

Persistierende Modic 1 Läsionen zeigten sich assoziiert mit der kürzesten Zeit bis zu einer Reoperation und sie wiesen die höchste Revisionsrate unter den Modic-Läsionen nach Mikrodiskektomie auf, wobei das Risiko nach instrumenteller Fusion deutlich reduziert war (Re-Revisionsraten nach Mikrodiskektomie 36.7%, nach Fusion 15.7%). Zudem zeigte sich bei Modic 1 Läsionen eine besonders schnelle Diskusdegeneration sowie eine starke Abnahme der Diskushöhe.

Fazit
Modic-Läsionen sind definiert als bestimmte Veränderungen der vertebralen Endplatte mit Änderungen des KM-Signals im MRI. Beim Typ 1 zeigt sich ein KM-Ödem mit Entzündung (Hypointensität auf T1 und Hyperintensität auf T2).

Diese mit einem Preis ausgezeichnete Studie zeigt nun einen Zusammenhang zwischen persistierenden Modic 1 Läsionen und rasch auftretenden rezidivierenden lumbalen Diskushernien, einer erhöhten operativen Revisionsrate sowie einer beschleunigten segmentalen Degeneration im Vergleich zu den anderen 2 Modic-Typen. Dass eine Fusion die Raten an Re-Revisionen zu senken vermag, dürfte für den Chirurgen eine wichtige Erkenntnis in der Therapiewahl sein.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich