Fussklopftests (FTT) für L5-Radikulopathie

Foot Tapping Test as a Simple Quantitative Index of Motor Function for Lumbosacral Radiculopathy

Kobayashi H. et al. Spine 2025;50:60

Zur Einschätzung der Wertigkeit des Fussklopftests (FTT) wurden Patienten untersucht, welche sich zwischen 2009 und 2020 einer Operation wegen lumbosakraler Radikulopathie unterzogen hatten. Der FTT-Score wird gemessen, indem im Sitzen die Fusssohle 10 Sekunden lang so oft wie möglich klopfen muss, während die Ferse in Kontakt mit dem Boden bleibt. Die Gruppen L4, L5 und S1 wurden anhand der Scores auf der Seite der Radikulopathie zugeordnet, und die Kontrollgruppe wurde anhand der Scores auf der intakten Seite zugeordnet. Von den 522 in Frage kommenden Patienten wurden 80 einbezogen. Die präoperativen FTT-Scores in den L4- und L5-Gruppen waren signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe, was auf eine funktionelle Beeinträchtigung hindeutet. Ein Jahr nach der Operation zeigten alle Gruppen Verbesserungen der FTT-Werte, wobei die L5-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikante Verbesserungen zeigte.

Dieser einfache und mir bisher nicht bekannte Test gibt, aufgrund dieser kleinen Studie, einen Hinweis auf den Erfolg einer möglichen Operation, insbesondere bei einer L5-Radikulopathie. Natürlich gibt es andere klinische Möglichkeiten wie beispielsweise der einbeinige Zehenstand, eine Radikulopathie als Hinweis auf eine mögliche Operation zu dokumentieren. Leider fehlen entsprechende Vergleiche. Der Umkehrschluss sei erlaubt, dass ein normaler FTT stutzig machen und die Operationsindikation kritisch hinterfragen sollte.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Der IL-23 Inhibitor Guselkumab ist wirksam bei der Kolitis ulzerosa

Guselkumab in patients with moderately to severely active ulcerative colitis (QUASAR): phase 3 double-blind, randomised, placebo-controlled induction and maintenance studies

Rubin D. et al. Lancet 2025;405:33

Es gibt zunehmend Daten, dass IL-23 Hemmer einen positiven Effekt bei den entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) wie der Kolitis ulzerosa oder dem Morbus Crohn haben. Wir Rheumatologen kennen die beiden IL-23 Hemmer Guselkumab (Tremfya®) und Risankizumab (Skyrizi®) als wirksame Medikamente zur Behandlung der Psoriasis und der Psoriasisarthritis. Risankizumab ist in der Schweiz seit 2024 auch in der Behandlung des Morbus Crohn zugelassen.

In dieser Doppelblindstudie wurde der Effekt von Guselkumab bei der Kolitis ulzerosa als Induktions- und Erhaltungstherapie untersucht. Patienten mit moderat bis schwer aktiver Kolitis ulzerosa, die auf konventionelle oder fortgeschrittene Therapien (Biologika, JAK-Hemmer) nicht ausreichend ansprachen oder diese nicht vertrugen, erhielten in der Induktionsphase Guselkumab (200 mg i.v.) oder ein Placebo. Patienten, die auf die Induktionstherapie ansprachen, wurden in der Erhaltungsstudie randomisiert zu Guselkumab (200 mg s.c. alle 4 Wochen, 100 mg alle 8 Wochen oder Placebo). Die primären Endpunkte waren klinische Remission nach 12 Wochen (Induktion) und 44 Wochen (Erhaltung).

Die Induktionsstudie umfasste 701 Patienten, von denen 60% mit Guselkumab behandelt wurden. In der Erhaltungsstudie wurden 568 Patienten, die auf Guselkumab in der Induktion angesprochen hatten, randomisiert zu den verschiedenen Behandlungsgruppen. Ein signifikant höherer Anteil der mit Guselkumab behandelten Patienten erreichte nach 12 Wochen eine klinische Remission (23% vs. 8%). In der Erhaltungstherapie erreichten nach 44 Wochen 50% der Patienten, die Guselkumab alle 4 Wochen erhielten, und 45%, die es alle 8 Wochen erhielten, eine klinische Remission im Vergleich zu 19% unter Placebo. Die Sicherheitsprofile waren günstig und entsprachen den bisherigen Daten zu Guselkumab.

Kommentar
Guselkumab ist eine wirksame und sichere Induktions- und Erhaltungstherapie bei Patienten mit moderat bis schwer aktiver Kolitis ulzerosa. Eine Zulassung zur Behandlung dieser Erkrankung dürfte demnächst kommen.

Damit verbessert sich das Armentarium zur Behandlung von unseren Rheumapatienten mit Psoriasisarthritis und einer gleichzeitigen entzündlichen Darmerkrankung. Neben den TNF-Blockern und Januskinasehemmern wie Upadacitinib (Rinvoq®) und Tofacitinib (Xeljanz®) scheinen auch IL-23 Hemmer sowohl bei der Kolitis ulzerosa wie auch dem Morbus Crohn gut wirksam zu sein.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Vagusnerv-Stimulation gegen Schmerzen bei Gonarthrose

Transcutaneous vagus nerve stimulation as a pain modulator in knee osteoarthritis: a randomized controlled clinical trial

Elsehrawy GG et al. BMC Musculoskeletal Disorders 2025:online ahead of print

Die transkutane Vagusnervstimulation (tVNS) kann bekannterweise Schmerzen und Entzündungen günstig beeinflussen. Untersuchung an 68 Patienten mit chronischer Gonarthrose, 34 in der Gruppe mit Stimulation des aurikulären Vagusnervs, 34 in der Placebogruppe (Elektrodenansatz am Ohr, wo sich keine entsprechenden Nerven finden). Stimulation 1 x täglich während drei Tagen jede Woche für insgesamt 12 Wochen (Sitzung pro Stimulation: 30 Minuten).

In der tVNS-Gruppe verbesserten sich die Schmerzparameter wie auch die funktionellen Outcome-Daten, auch vier Wochen nach der Intervention zeigte sich immer noch eine verbesserte Druckdolenz. Die Veränderungen in der Kontrollgruppe waren hingegen nicht signifikant. Keine ernsthaften Nebenwirkungen.

Fazit
Die transkutane Vagusnervstimulation, hier bei chronischer Gonarthrose mit Stimulation des aurikulären Vagusnervs, könnte eine zusätzliche Behandlungsoption bei schmerzhafter chronischer Gonarthrose darstellen. Weitere Studien sind nötig, um den Effekt und das optimale Behandlungsschema besser zu evaluieren.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich

Hydroxychloroquin bei SLE / RA in der Schwangerschaft und Risiko von kongenitalen Fehlbildungen

Hydroxychloroquine in lupus or rheumatoid arthritis: pregnancy and risk of major congenital malformations: a population-based cohort study

Nguyen NV et al. Rheumatology 2025;64:117

Diese schwedische Kohortenstudie hat Daten von 2006-2021 bei SLE und RA Patientinnen mit oder ohne Exposition zu Hydroxychloroquin (HCQ) bezüglich Risiko für kongenitale Fehlbildungen untersucht.

Es wurden 454 SLE Schwangerschaften mit HCQ Exposition zu 533 SLE Schwangerschaften ohne HCQ Exposition untersucht (RA: 144 mit HCQ und 2356 ohne HCQ in der Schwangerschaft). Adjustiert wurde für weitere Confounders wie Rauchen, BMI, Co-Morbiditäten und Medikation.

Für die am häufigsten exponierten SLE Patientinnen fand sich eine adjustierte Risikoratio um 1.3. Aufgeschlüsselt nach Malformationen zeigten sich insgesamt 25 angeborene Herzfehler, dies bei 14 Kindern ohne HCQ Exposition im Vergleich zu 11 Kindern mit HCQ Exposition (als Exposition während des ersten Trimesters).  Zu ungunsten HCQ zeigten sich 6 / 2 Extremitätenfehlbildlungen, 3/0 Gaumenspalten, 2/1 Genitalveränderungen (nicht näher spezifiziert) und 1/0 Augenveränderungen.

Zu beachten gilt, dass nicht klar ist, wie viel HCQ Dosis wirklich und über welchen Zeitraum gegeben wurde. Retrospektiv wurde lediglich die Rezeptierung von HCQ mit mindestens einer Verschreibung berücksichtigt. Andererseits ist dies die grösste Arbeit zu diesem Thema, welche auch die präkonzeptionelle versus postkonzeptionelle Gabe berücksichtigt – bei ersterer fanden sich tendenziell eher günstigere Daten.

Kommentar
Die Risikoreduktion eines kongenitalen Herzblockes bei SLE Patientinnen überwiegt das nominell gering erhöhte Fehlbildungsrisiko. Die Autoren können hierbei keine signifikanten Assoziationen erkennen.

Somit darf die Empfehlung für die Fortführung von HCQ während der Schwangerschaft, respektive insbesondere auch der Beginn vor einer Schwangerschaft bei Risikokonstellation weiterhin gelten.

Die Daten für RA Patientinnen sind zahlenmässig klein, eine HCQ Exposition ist ja auch eher die Ausnahme als die Regel im Vergleich zum SLE.

Zur Studie
Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau