Hohe Rezidivrate von Patienten mit Riesenzellarteriitis nach Stopp der Therapie mit Tocilizumab
Relapse after cessation of weekly tocilizumab for giant cell arteritis: a multicentre service evaluation in England
Quick V. et al. Rheumatology, 2024;63:3407
In dieser Kohortenstudie aus England wurde untersucht, wie hoch die Rezidivrate nach 1-jähriger Behandlung einer Riesenzellarteriitis (RZA) mit Tocilizumab ist. Hintergund dieser Studie ist die Tatsache, dass eine Behandlung der RZA mit Tocilizumab bei therapierefraktärer oder rezidivierender RZA in England nur für 1 Jahr zugelassen und damit kassenpflichtig ist.
336 Patienten mit einer RZA aus 40 englischen Zentren wurden analysiert. Tocilizumab wurde nach 12 Monaten Therapiedauer gestoppt. Die Patienten hatten dabei noch eine durchschnittliche Prednisondosis von 2 mg. Während der Behandlung mit Tocilizumab hatten noch 43% der Patienten ein zusätzliches konventionelles Basistherapeutikum wie z.B. MTX, Leflunomid, Azathioprin etc. 61% der Patienten hatten eine Beteiligung der grossen Gefässe. Diese Daten sprechen für eine schwere Form der RZA.
Die Rezidivrate betrug 6 Monate nach Stopp von Tocilizumab 21.4%, nach 12 Monaten 35.4% und nach 24 Monaten 48.6%. 33.8% der Patienten mit Rezidiv hatten einen sogenannten Major Relaps, d.h. mit klinischen Symptomen einer Ischämie wie z.B. Kieferclaudicatio, Visusstörungen oder Komplikationen im Bereich der Aorta wie Dilatation, Stenosen oder Dissektionen.
Kommentar
In dieser Studie an einem grossen Patientenkollektiv mit einer Riesenzellarteriitis (RZA) unter Behandlung mit Tocilizumab, neben Glukokortikoiden und in 43 % zusätzlich einem konventionellen Basismedikament, zeigte sich, wenn Tocilizumab nach 1 Jahr Therapie gestoppt wurde, eine hohe Rezidivrate von ca. 50 % innerhalb der ersten 2 Jahre. Aufgrund dieser Daten sollte eine RZA, welche mit Tocilizumab behandelt wird, länger als 1 Jahr behandelt werden. Insbesondere wenn schwere Formen der RZA, wie bei diesem englischen Patientenkollektiv, vorliegen. Nach wie vor gibt es keine evidenzbasierten Empfehlungen des ACR oder der EULAR, was die Länge einer Behandlung der RZA anbelangt. Ich persönlich behandle die RZA mindestens während 2 Jahren und schleiche dann die Therapie, wenn die Erkrankung klinisch und labormässig in Remission ist, langsam aus

Virtuelles Yoga bei chronischen Kreuzschmerzen
Effectiveness of Virtual Yoga for Chronic Low Back Pain: A Randomized Clinical Trial
Tankha H. et al. JAMA Netw Open 2024;7(11):e2442339. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.42339
140 Personen eines selbstversicherten Gesundheitssystems (48 Jahre, 81 % Frauen, 74 % Hochschulabschluss, VAS Schmerz 5.7, Roland Morris Disability Questionnaire ([RMDQ] 12) mit chronischen Kreuzschmerzen konnten sich für 12 wöchentliche, 60-minütige, virtuelle, live gestreamte Hatha-Yoga-Gruppenkurse einschreiben (‘Yoga jetzt’ = 71; ‘Yoga später’ = 69 [Wartelistenkontrolle]). In Woche 12 wiesen ‘Yoga jetzt’ im Vergleich zu ‘Yoga später’ eine stärkere Verringerung der Schmerzintensität (-1.5, p<0.001) und des RMDQ (-2.8, p<0.001) auf; diese Unterschiede hielten auch nach 24 Wochen an. Nach 12 Wochen hatten ‘Yoga jetzt’ in der vergangenen Woche 21.4 Prozentpunkte weniger Analgetika eingenommen als die Teilnehmer von ‘Yoga später’, und nach 24 Wochen 21.2 weniger. Die Verbesserung der Schlafqualität (Sleep Disturbance Short Form 8a, Item 1) war bei ‘Yoga jetzt’ nach 12 Wochen (0.4, p=0.008) und 24 Wochen (0.4, p=0.005) grösser vs. ‘Yoga später’.
Virtuelle Yoga-Kurse können eine praktikable, sichere und effektive Behandlungsoption bei chronischen Kreuzschmerzen sein. Ob das selbstversicherte Gesundheitssystem und der hohe Anteil an Hochschulabsolventen sowie der hohe Frauen-Anteil für den Erfolg mitverantwortlich waren, bleibt offen. Zumindest sind solche auf Motivation und Eigenverantwortung gründende Therapiekonzepte im Zeitalter des Internets zu begrüssen.

PRP bei Achillestendinopathie
Effect of Platelet-Rich Plasma Injection on the Treatment of Achilles Tendinopathy: A Systematic Review and Meta-analysis
Ka-Kin Ling S. et al. Orthopaedic J Sports Medicine 2024:online ahead of print
Systematische Review der vorhandenen Literatur über obengenanntes Thema. Identifikation von 409 Publikationen, 6 davon wurden ausgewählt als randomisierte kontrollierte Trials. Die Evaluation der Resultate bei 422 Patienten mit chronischer Achillestendinopathie in der mittleren Portion ergab in der Metaanalyse keine signifikanten Unterschiede zwischen Platelet-Rich-Plasma (PRP) und Kontrollen sowohl in der Patientenbeurteilung wie auch in Bezug auf die maximale Dicke der Achillessehne.
Fazit
Diese umfassende Review ergab keine solide Evidenz für die Wirksamkeit von PRP-Injektionen bei chronischer Achillestendinopathie, obwohl diese Behandlung zunehmend angewandt wird. Aufgrund dieser Resultate kann PRP nicht als Standardtherapie in dieser Behandlungsindikation empfohlen werden.

Vitamin K2 für die Behandlung nächtlicher Wadenkrämpfe
Vitamin K2 in Managing Nocturnal Leg Cramps: A Randomized Clinical Trial
Tan J. et al. JAMA Internal Medicine 2024;184(12):1443
Derzeit gibt es keine guten Behandlungen für nächtliche Wadenkrämpfe (NLCs), die sicher und wirksam sind. Diese multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte klinische Studie wurde zwischen September 2022 und Dezember 2023 in China durchgeführt. Es wurden 65 Jahre oder ältere Personen untersucht, die in Altersheimen lebten und während der zweiwöchigen Screening-Phase mindestens zwei dokumentierte Episoden von NLCs hatten. Nach einer Anamnese und körperlichen Untersuchung wurden die geeigneten Teilnehmer im Verhältnis 1:1 zufällig ausgewählt, um entweder Vitamin K2 oder ein Placebo für 8 Wochen zu erhalten. Die Teilnehmer nahmen täglich Kapseln mit entweder 180 μg Vitamin K2 (Menachinon 7) oder ein äußerlich identisches Placebo ein. Primäres Ziel: Die durchschnittliche Anzahl von NLCs pro Woche zwischen Vitamin-K2- und Placebo-Gruppe. Sekundäre Ziele: Dauer der Krämpfe (in Minuten) und Schweregrad der Krämpfe (analoges Bewertungsschema 1–10). Insgesamt 199 Personen (Durchschnittsalter 72,3 Jahre; 54,3 % Frauen) wurden randomisiert: 103 erhielten Vitamin K2, 96 Placebo.
Die Vitamin-K2-Gruppe reduzierte signifikant die durchschnittliche wöchentliche Häufigkeit von Krämpfen von 2,60 auf 0,96, während die Placebo-Gruppe von 2,71 auf 3,63 stieg. Die Vitamin-K2-Gruppe zeigte auch größere Verbesserungen bei der Schwere der Krämpfe und der Krampfdauer. Es wurden keine Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Vitamin K2 festgestellt.
Kommentar
Nächtliche Wadenkrämpfe (NLC) sind eine häufige, schwer behandelbare Störung. Diese Studie zeigt, dass Vitamin K2 (MK-7) eine effektive und sichere Therapieoption darstellt. Bereits ab der ersten Woche reduzierte die tägliche Einnahme von Vitamin K2 die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Muskelkrämpfen signifikant im Vergleich zu Placebo. Vitamin K2 wirkt muskelentspannend, vermutlich durch die Hemmung spannungsabhängiger Calciumkanäle, was die intrazellulären Calciumspiegel senkt. Vitamin K2 gilt als sicher, birgt jedoch Risiken für Personen unter Warfarin-Therapie, da es die Wirkung des Medikaments beeinträchtigen kann. Insgesamt stellt Vitamin K2 eine vielversprechende Option zur Behandlung von NLCs bei älteren Menschen dar.
