Darmmikrobiom unter Biologikatherapie bei entzündlicher Arthritis: Veränderungen und Biomarkerpotenzial

Gut Microbiota as a Biomarker and Target in Biologic Therapy for Autoimmune and Immune-Mediated Arthritis: A Systematic Review.

Rondla M et al. J Rheumatol 2026;53(7):739

Diese systematische Übersichtsarbeit untersucht, wie Biologikatherapien das Darmmikrobiom bei autoimmunen und immunvermittelten Arthritiden verändern und ob mikrobielle Muster als Biomarker für Therapieansprechen und Krankheitsaktivität dienen können. PubMed, Scopus, Cochrane Library und Web of Science wurden nach Studien durchsucht, die das Darmmikrobiom vor und nach einer Biologikatherapie untersuchten. Insgesamt wurden 12 Studien eingeschlossen.

Vorwiegend untersuchte TNF- und IL-17-Inhibitoren veränderten Zusammensetzung und Diversität des Darmmikrobioms. Die meisten Studien zeigten eine Zunahme der Alpha-Diversität und eine Normalisierung der Beta-Diversität, wobei die Ergebnisse nicht durchgehend konsistent waren. Unter Therapie wurden kurzkettige-Fettsäuren-produzierende Taxa wie Faecalibacterium prausnitzii, Megamonas, Lachnoclostridium und Blautia vermehrt oder wieder auf ein mit gesunden Kontrollen vergleichbares Niveau gebracht. Gleichzeitig nahmen entzündungsassoziierte Gattungen wie Escherichia-Shigella und Klebsiella ab. Lachnospiraceae und Megamonas korrelierten mit klinischer Verbesserung und geringerer Krankheitsaktivität.

Kommentar
Die zusammenfassende Aussage eines generellen «shift toward eubiosis» ist stärker als die zugrunde liegenden Einzeldaten.

Mehrere Studien zeigten keine signifikanten Veränderungen der Alpha- oder Beta-Diversität.

Eine Studie berichtete eine Abnahme der Alpha-Diversität. Einzelne Taxa veränderten sich je nach Erkrankung und Biologikaklasse in gegensätzliche Richtungen.

Unter Secukinumab wurden in einer Studie sowohl potenziell günstige als auch potenziell ungünstige Veränderungen beobachtet, darunter eine Zunahme von Escherichia-Shigella sowie eine Abnahme von Faecalibacterium und Lachnospira.

Einige taxonomische Veränderungen verloren nach Korrektur für multiples Testen ihre statistische Signifikanz.

Die Evidenz betrifft überwiegend die Spondyloarthritis, insbesondere die ankylosierende Spondylitis unter TNF-Inhibition. Für die rheumatoide Arthritis wurde nur eine Studie eingeschlossen. Für die juvenile idiopathische Arthritis fand sich keine robuste Veränderung des Mikrobioms und keine validierte Biomarkersignatur.

Spezifische mikrobielle Taxa könnten als nichtinvasive Biomarker für Therapieansprechen und Krankheitsaktivität dienen. Vor einer klinischen Anwendung sind jedoch longitudinale und interventionelle Validierungsstudien erforderlich.

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Dr. Christian Marx
Zürich

Kurze kognitive Verhaltenstherapie erfolgreich bei chronischen Schmerzen

Brief cognitive behavioral therapy for chronic pain rapidly improves pain interference: a randomized controlled trial

Beehler GP et al. Pain 2026;167:1839

Diese randomisierte kontrollierte Studie untersuchte 184 Hausarzt-Patienten (Alter 59 Jahre, 84.8 % männlich, 77.2 % weiss) mit mässigen bis schweren chronischen muskuloskelettalen Schmerzen, welche entweder mit kurzer kognitiver Verhaltenstherapie (CBT, 6 Einzel Sitzungen à 30 Minuten mit Psychoedukation, Verhaltens- und kognitiven Fähigkeiten sowie Rückfallprävention) zusätzlich zur üblichen Schmerzbehandlung oder mit üblicher Schmerzbehandlung in einem medizinischen Zentrum der Veterans Health Administration behandelt wurden. Die Untersuchungen fanden zu Beginn, nach 6 Wochen (Mitte der Behandlung), nach 12 Wochen (Abschluss der Behandlung) und nach 24 Wochen (3 Monate nach der Behandlung) statt. Die Resultate zu Schmerzstörungen (primäres Endergebnis), Schmerzintensität, psychischen Symptomen, Lebensqualität und sozialer Rollenbeteiligung zeigten, dass die 92 Teilnehmer mit CBT im Vergleich zu den 92 Patienten mit lediglich üblicher Schmerzbehandlung zu jedem Zeitpunkt statistisch eine grössere Verbesserung der Schmerzstörung zeigten. Eine klinisch signifikante Verbesserung der Schmerzinterferenz (Brief Pain Inventory, BPI, interference subscale) wurde bereits nach 6 Wochen (Mitte der Behandlung) erreicht, mit anhaltender Verbesserung nach Abschluss der Behandlung und nach 3-monatiger Nachbeobachtung in der CBT-Gruppe, jedoch nicht in der Kontrollgruppe. Die kognitive Verhaltenstherapie war auch mit einer verbesserten körperlichen Lebensqualität und Schlafqualität verbunden.

Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) hat sich in den letzten Jahren wissenschaftlich als verlässliche Behandlungsmöglichkeit bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen etabliert. Der grosse Zeitaufwand und die ungenügende Verfügbarkeit setzen dieser Therapie im praktischen Umfeld Grenzen. Hier wird ein verkürztes Verfahren (6 x 30 Minuten) vorgestellt, welches im Kurzzeitverlauf (3 Monate) erfolgreich war, doch bleibt der längere Verlauf abzuwarten. Immerhin hat diese stark verkürzte Verhaltensbehandlung zu schnellen und für drei Monate anhaltenden Verbesserungen der Schmerzergebnisse geführt. Es wäre zu begrüssen, wenn solche Angebote in der Schweiz aufgebaut würden.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Häufigkeit eines Knochenödems im Bereich der Sakroiliakalgelenke im MRI in der Allgemeinpopulation

Prevalence and determinants of sacroiliac joint bone marrow oedema in the general population in Germany: a population-based cross-sectional study

Bressem K et al. Lancet Rheumatol 2026;8(8):e599-e611

Diese Studie untersuchte 11’163 Personen im Alter von 20–69 Jahren aus der NAKO Gesundheitsstudie aus Deutschland (prospektive, populationsbasierte Langzeitstudie in Deutschland, die 205’415 Erwachsene aus der Allgemeinbevölkerung eingeschlossen hat). die im Rahmen dieser Studie eine Ganzkörper MRI Untersuchung erhielten. Es fand sich bei etwa 30 % der Allgemeinbevölkerung ein Knochenmarködem (BME) der Sakroiliakalgelenke im MRI (Expertenbeurteilung 28,9 % und mittels validierter KI-Analyse 30,8 %). Lediglich 0,5–0,6 % der untersuchten Personen hatten eine bekannte axiale Spondyloarthritis.
Die Risikofaktoren waren folgende: Ein BME war häufiger bei Frauen, höherem Alter, erhöhtem BMI, Schwangerschaft bzw. vorausgegangenen Geburten und körperlich belastender beruflicher Tätigkeit. Bei Männern waren vor allem Alter, BMI und körperliche Berufsbelastung relevant. Chronische Rückenschmerzen hingegen zeigten keine überzeugende spezifische Beziehung zum BME. Dies spricht dafür, dass ein erheblicher Anteil dieser MRI-Veränderungen mechanisch bzw. physiologisch und nicht entzündlich bedingt sind.

Kommentar
Eine weitere grosse Studie, die zeigt, dass ein Knochenmarködem im SIG-MRI keineswegs gleichbedeutend mit Sakroiliitis oder axialer SpA ist. Ein isoliertes BME hat angesichts einer Hintergrundprävalenz von rund 30 % eine begrenzte Spezifität. Lokalisation, Ausdehnung und Morphologie der Läsionen, strukturelle Veränderungen sowie Alter, Geschlecht, BMI, Schwangerschaftsanamnese und mechanische Belastung müssen in die Interpretation einbezogen werden. Die Autoren weisen ausdrücklich auf die Gefahr von Überdiagnose einer Spondylarthritis und daraus resultierender unnötiger Biologikatherapie hin. Für die Diagnose einer axSpA sollte nicht die Frage «BME vorhanden ja/nein?» entscheidend sein, sondern ob Muster und Ausmass des BME im jeweiligen klinischen Kontext tatsächlich typisch für eine entzündliche Sakroiliitis sind.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Lumbal-Bandage bei unspezifischen Lumbalbeschwerden

Lumbar Belt for Nonspecific Low Back Pain A Randomized Clinical Trial

Grange L et al. Jama Network Open 2026;9(8):e2629793

Diese randomisierte Studie untersuchte, ob eine elastische Lendenbandage bei unspezifischem Lumbalschmerz Funktion und Beschwerden verbessert.
168 Patienten (Durchschnitts-Alter 49 Jahre, 60% Frauen) mit unspezifischen Lumbalschmerzen von 1 – 6 Monaten Dauer wurden eingeschlossen (2 Gruppen unter Standardbetreuung mit bzw. ohne elastische Bandage für 12 Wochen). Nach 12 Wochen zeigte sich für die Gruppe mit Lendenbandage eine klare Verbesserung versus die Gruppe ohne Bandage (Oswestry Disability Index (ODI), Ruhe- und Belastungsschmerz, geringerer Medikamentengebrauch).

Fazit
Die meisten Guidelines erachten die Evidenz für den Nutzen einer Lendenbandage als ungenügend. Diese Studie indessen weist sehr günstige Auswirkungen auf Funktion, Schmerz sowie Medikamentenbedarf nach. Somit empfiehlt sich eine elastische Lendenbandage bei unspezifischen Rückenschmerzen von 1 – 6 Monaten Dauer.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich