Nebenniereninsuffizienz nach Glucocorticoid-Stopp bei PMR und GCA

Changes in Adrenal Function and Insufficiency Symptoms After Cessation of Prednisolone

Hansen SB et al. JAMA Network Open 2025;8(3):e251029

Diese Querschnitts-Studie aus Dänemark hat bei 267 Patientinnen und Patienten mit entweder Polymyalgia rheumatica (PMR) (70%) oder Riesenzellarteriitis (RZA) (14%) oder beiden Erkrankungen untersucht, wie häufig eine Nebennierenrindeninsuffizienz (NNRi) 2 oder mehr Wochen nach Beendigung einer Prednisolontherapie zu finden ist.

Die durchschnittliche Behandlungsdauer lag bei 13 Monaten, zeigte aber eine grosse Varianz zwischen 3-180 Monaten, ebenfalls lag die initiale Prednisolondosis zwar im Mittel bei 15mg/d, zeigte aber ebenfalls eine erwartbare Spanne von 5-75mg/d.

Insgesamt zeigten lediglich 5 Patienten (1.9%) eine NNRi – gemäss eines ACTH Kurztestes. Klinisch jedoch berichteten 75 Patienten (34%) über Beschwerden, die einer NNRi zuzuordnen wären.

Kommentar
Im klinischen Alltag ist ein ACTH Kurztest vor dem kompletten Stopp einer meist langsamen GC-Reduktion meist nicht üblich. Diese Studie aus dem JAMA hat gezeigt, dass dies mutmasslich auch nicht notwendig ist. Interessant ist zudem, dass die doch sehr unterschiedliche Therapiedauer keinen Einfluss auf eine NNRi Entwicklung zu haben scheint.

Ob es sich lohnt, bei denjenigen Patienten, welche Symptome einer NNRi zeigen, einen ACTH Kurztest durchzuführen, bleibt spekulativ. Letztlich entscheiden wir meist klinisch und erhöhen in der Regel die GC-Dosis. Eigentlich ist dies – gemäss den vorgelegten Studiendaten – für die meisten Pateinten eine nicht notwendige Dosissteigerung.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Osteoporose-Screening verhindert Frakturen

Screening for Osteoporosis to Prevent Fractures: A Systematic Evidence Review for the US Preventive Services Task Force

Kahwati LC et al. JAMA 2025;333:509

Die Autoren fanden zur Überprüfung des Osteoporose-Screenings bei über 65-jährigen Frauen mit hohem Risiko 3 RCTs und 3 systematische Übersichtsarbeiten. Das Screening war im Vergleich zur üblichen Versorgung mit einer reduzierten Hüftfrakturrate (gepooltes relatives Risiko [RR] 0.83; 3 RCTs; 42 009 Teilnehmer) und weniger schweren osteoporotischen Frakturen (RR 0.94; 3 RCTs; 42 009 Teilnehmer) verbunden. Dies entspricht 5 bis 6 Frakturen weniger pro 1000 gescreente Teilnehmer mit Screening verglichen mit ohne. Im Vergleich zu Placebo waren Bisphosphonate (RR 0.67; 6 RCTs; 12 055 Teilnehmer) und Denosumab (RR 0.60; 1 RCT; 7808 Teilnehmer) mit weniger Hüftfrakturen assoziiert. Im Vergleich zu Placebo wurden keine statistisch signifikanten Assoziationen für unerwünschte Ereignisse beobachtet.

Das Osteoporose-Screening bei über 65-jährigen Frauen mit hohem Risiko führt im Vergleich zur üblichen Versorgung zu einer nachweislichen, wenn auch geringen Risikoreduktion für Hüft- und schwere Frakturen. Voraussetzung ist die Kombination eines Frakturrisikobewertungstools mit der Knochenmineraldichte (BMD). Das Screening mit BMD allein oder das Screening bei Männern oder jüngeren Frauen wurde nicht untersucht. Die Osteoporosebehandlung mit Bisphosphonaten oder Denosumab über mehrere Jahre war mit Frakturreduktion ohne unerwünschte Ereignisse verbunden.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Wie häufig ist die Entwicklung einer Psoriasisarthritis bei Psoriasis Patienten unter Behandlung mit verschiedenen Biologika

Risk of developing psoriatic arthritis in patients with psoriasis initiating treatment with different classes of biologics

Gisondi P et al. Ann Rheum Dis 2025;84(3):435

In dieser retrospektiven Beobachtungsstudie wurde das Risiko für die Entwicklung von Psoriasis-Arthritis (PsA) bei Patienten mit Plaque-Psoriasis (PsO), die verschiedene Biologika erhielten, untersucht.

Der Vergleich der Häufigkeit der Entwicklung einer PsA im Verlauf unter den verschiedenen Biologika-Klassen (TNF-Inhibitoren, IL-17-Inhibitoren, IL-23-Inhibitoren) wurde unter Verwendung einer inversen Wahrscheinlichkeitsgewichtung, um mögliche Störfaktoren zu berücksichtigen, ausgewertet.

Die Studie umfasste 622 Patienten, von denen 317 (50,9%) mit TNF-Inhibitoren, 164 (26,4%) mit IL-17-Inhibitoren und 141 (22,7%) mit IL-23-Inhibitoren behandelt wurden. Insgesamt entwickelten 60 Patienten (10%) während der Beobachtungszeit eine PsA: 45 (14,2%) in der TNF-Gruppe, 9 (5,5%) in der IL-17-Gruppe und 6 (4,3%) in der IL-23-Gruppe. Nach der inversen Wahrscheinlichkeitsgewichtung waren die Behandlungsgruppen gut ausbalanciert, und das Risiko, PsA zu entwickeln, war für IL-17-(HR 0,63) und IL-23-Inhibitoren (HR 0,57) im Vergleich zur TNF-Gruppe verringert.

Kommentar
Diese Beobachtungsstudie liefert ein interessantes Resultat, indem bei einer Behandlung der Psoriasis mit IL-17- oder IL-23-Hemmern das Risiko, im Verlauf eine Psoriasisarthritis zu entwickeln, kleiner ist als bei der Behandlung mit TNF-Inhibitoren.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

SLE-Schübe unter Hydroxychloroquin

Comparison of flares in 85 patients with SLE who maintained, discontinued or reduced dose of hydroxychloroquine during a prospective study of ophthalmological screening for retinopathy (PERFOCTAPAS Study)

Marques Dias JI et al. Lupus Science & Medicine 2025;12:e001434

Prospektive Studie an 85 Patienten mit SLE, alle auf Hydroxychloroquin (HCQ); entsprechend dem ophthalmologischen Befund wurde die ursprüngliche Dosis beibehalten (5,6 mg/kg/Tag), reduziert (im Mittel um 45%) oder gar abgesetzt.

In den zwei Beobachtungsjahren erlitten 28% (17 Patienten) unter kontinuierlicher Dosis einen Schub, 50% (10) in der Reduktionsgruppe sowie 40% (2) in der Gruppe mit HCQ-Stopp.

Fazit
Diese Studie zeigt eindrücklich, dass HCQ ein wichtiges Medikament zum Schutz vor Schüben bei SLE darstellt. Die optimale Dosis ist bisher nie exakt evaluiert worden, im Allgemeinen wird jedoch eine Dosierung von 5 mg/kg/Tag empfohlen. Eine Reduktion dieser Studie um 45% hatte eine deutliche Schubrate zur Folge, diese Dosierung mit etwa 3 mg/kg/Tag dürfte also eher zu niedrig sein. Bis neuere Daten bekannt werden, dürfte die Empfehlung von 5 mg/kg/Tag weiterhin gelten.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich