MBT und CBT bei chronischen Kreuzschmerzen
Mindfulness vs Cognitive Behavioral Therapy for Chronic Low Back Pain Treated With Opioids: A Randomized Clinical Trial
Zgierska A.E. et al. JAMA Netw Open 2025;8(4):e253204
770 Patienten (56 % Frauen, 58 Jahre) mit chronischen Rückenschmerzen (CLBP) und Opioidtherapie wurden randomisiert und zusätzlich mit kognitiver Verhaltenstherapie (cognitive behavioral therapy, CBT) und achtsamkeitsbasierter Therapie (mindfulness-based therapy, MBT) behandelt (je n=385). Diese STAMP-Studie („Strategies to Assist With Management of Pain“) umfasste 8 wöchentliche 2-stündige Gruppensitzungen, die von einem Therapeuten geleitet wurden, sowie die Aufforderung, an mindestens 6 Tagen pro Woche 30 Minuten lang Übungen zu Hause durchzuführen beziehungsweise zu meditieren. Der Brief Pain Inventory (BPI) betrug 6.1 (mässige Schmerzen) und der Oswestry Disability Index (ODI) 47.2 (moderate funktionelle Einschränkungen), mit reduzierter körperlicher (28.5) und geistiger (42.5) Lebensqualität im SF-12 und hoher Opioiddosierung (177 Morphin Milligram-Äquivalent [MME/d]). Im Verlauf der Studie verbesserten beide Gruppen ihre Ergebnisse: Schmerzen (BPI) mit MBT nach 6 Monaten um 0.35 Punkte und nach 12 Monaten um 0.45, mit CBT um 0.57 und 0.59; Funktion (ODI) mit MBT um 2.15 und um 3.19, mit CBT um 2.24 und 3.49, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Bei der Lebensqualität verbesserte sich die mentale Komponente im SF-12 nach 12 Monaten mit MBT von 41.61 auf 43.48 und mit CBT von 43.29 auf 45.91, und die körperliche Lebensqualität mit MBT von 28.75 auf 30.54 und mit CBT von 28.21 auf 30.00 Punkte. Der Opioidgebrauch fiel mit MBT von 163.12 auf 144.22 und stieg mit CBT und von 191.27 auf 192.31 MME/d. Beim primären Endpunkt ergaben sich nach 6 und 12 Monaten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen für Schmerzen ([BPI] 0.21 [p=0.12] und 0.13 [p=0.33]) bzw. Funktion ([ODI] 0.07 [p=0.94] und 0.27 [p=0.78]). Insgesamt konnte gemäss Studienhypothese eine Nichtunterlegenheit von MBT im Vergleich zur CBT dokumentiert werden.
In dieser grossen Studie verbesserten sich die CLBP-bedingten Symptome nach 6 und 12 Monaten und die Opioiddosierung nahm diskret ab, ohne statistische Signifikanz zwischen den beiden Gruppen MBT und CBT. Allerdings war die Verbesserung bescheiden (ist dies klinisch relevant?) und fehlt leider in dieser Studie ein dritter Arm beispielsweise mit nicht-professioneller Zuwendung. Insgesamt erfährt die Therapieempfehlung von MBT oder CBT bei chronischen Kreuzschmerzen mit dieser Studie eine gewisse Abstützung.

Mortalität bei RA-LD und RA-Bronchiektasen
Risk of total and cause-specific mortality in patients with rheumatoid arthritis-associated interstitial lung disease or bronchiectasis
Zhang Q, et al. Rheumatology 2025:accepted manuscript
Diese retrospektive Kohortenstudie mit Daten der Mass General Brigham Biobank aus Boston hat Patienten mit RA-assoziierter Lungenerkrankung (RA-LD) mit RA-Patienten ohne Lungenerkrankung (RA-no LD) in Bezug auf die Krankheits- und Gesamtmortalität untersucht. Gemäss Akten und thorakaler Bildgebung wurden eine RA-ILD (interstitielle Lungenerkrankung) und RA-BR (Bronchiektasen) als RA-LD definiert.
Von 221 RA-LD Patienten zeigten 151 eine RA-ILD und 70 eine RA-BR verglichen mit 980 RA-no LD-Personen. Insgesamt zeigte sich bei Vorliegen einer RA-LD eine deutlich erhöhte Gesamtmortalität (34.0 versus 13.1 auf 1000 Personenjahre), wobei eine Infekt-assoziierte Mortalität bei den RA-LD Patienten häufiger auftrat. Bei Vorliegen einer ILD zeigten sich Infektionen als Hauptursache, wohingegen bei RA-BR Patienten eine erhöhte Karzinom-assoziierte Mortalität verzeichnet wurde.
Kommentar
Es erstaunt zwar nicht unbedingt, dass RA-ILD Patienten eine gehäufte, Infekt-assoziierte Mortalität aufweisen. Allerdings ist ein Routinescreening auf RA-ILD, oder auch ein Screening bei ILD auf RA weiterhin nicht klar bezüglich eines möglichen Algorithmus.
Eine forcierte RA Therapie dürfte zum schlechten Outcome zwar mitunter beitragen, allerdings darf sich hier die interdisziplinäre Betreuung inklusive Infektprophylaxe und -therapie, Wahl und Dauer der antientzündlichen Therapie, Impfungsstrategien bis hin zur Nikotinkarenz bewähren. Auch wenn dies ein wenig simpel klingen mag.

Fördert bovines Kolostrum die Frakturheilung?
Therapeutic Effects of Bovine Colostrum on Bone Healing, Rehabilitation, and Postoperative Complications: A Prospective, Randomized, Double-Blinded Comparative Trial
Gouhari F et al. J Bone Joint Surg 2025;107(12):1307
Ziel dieser Studie aus dem Iran war es, den Einfluss einer bovinen Kolostrum-Supplementierung auf die Knochenheilung bei Patienten mit einer traumatischen extrakapsulären Hüftfraktur (ECF) zu untersuchen.
Es wurden Patienten mit einer ECF, die sich einer internen Fixation unterzogen, randomisiert und erhielten peroral jeweils 40 Gramm bovines Kolostrum oder Molkenprotein in Pulverform täglich während 3 Wochen. Die Knochenheilung wurde anhand des Radiographic Union Score for Hip (RUSH) beurteilt. Die körperliche Rehabilitation wurde mithilfe des Harris-Hüft-Scores (HHS) und der Short Musculoskeletal Functional Assessment (SMFA) innerhalb von 3 Monaten postoperativ bewertet.
116 Patienten mit ECF wurden in die abschließende Analyse eingeschlossen (Kolostrumgruppe: n = 59; Molkengruppe: n = 57). Die Ausgangsmerkmale wie Alter, Geschlecht, Ethnie und Body-Mass-Index waren zwischen den Gruppen vergleichbar. Die Kolostrumgruppe zeigte über die Zeit hinweg einen signifikant stärkeren Anstieg im RUSH-Score im Vergleich zur Molkengruppe. Die SMFA-Dysfunktions- und Belastungsindizes nahmen in der Kolostrumgruppe signifikant stärker ab als in der Molkengruppe. Daneben zeigten Patienten unter Kolostrum weniger eine verzögerte Fraktur- und Wundheilungsstörung.
Kommentar
Interessante Studie aus dem Iran, die zum Ergebnis kommt, dass bovines Kolostrum als perorales Supplement die Frakturheilung fördert. Daneben scheint es auch die verzögerte Frakturheilung sowie auch die Wundheilung positiv zu beeinflussen. Bovines Kolostrum ist Protein- und Immunglobulin reich und enthält verschiedene Wachstumsfaktoren (z.B. IGF-1, EGF, TGF-β). In vitro Daten deuten darauf hin, dass bovines Kolostrum die Knochenregeneration fördern kann, indem es die Proliferation von Osteoblasten stimuliert und die Knochendichte erhöht.
Es wird interessant sein, ob weitere Studien diesen Effekt bestätigen können.

Bisphosphonate und Demenzrisiko
Bisphosphonates and the risk of dementia in patients with osteoporosis or fragility fracture: A population-based study in Hong Kong
Sing C.W. et al. Alzheimer’s Dement 2025;21:e70503
Retrospektive, Datenbank basierte Studie von Personen über 60 Jahre mit Osteoporose oder Osteoporose-Frakturen über eine Zeit von 15 Jahren. Untersucht wurde, ob Stickstoff enthaltende Bisphosphonate einen protektiven Effekt bezüglich Auftreten einer Alzheimer-Erkrankung und damit assoziierter Demenz mit sich bringen.
Bisphophonate fanden sich im Vergleich zu unbehandelten Patienten mit einem signifikant tieferen Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung (HR = 0,84), auch im Vergleich mit dem Einsatz von Nicht-Bisphosphonaten zeigte sich ein ähnlicher Effekt (HR = 0,76).
Fazit
Stickstoff enthaltende Bisphosphonate zeigten sich in dieser Studie als günstig bezüglich Auftreten einer Demenz. Neuroprotektive Effekte werden schon länger für Bisphosphonate postuliert (insbesondere aufgrund von Tierstudien). Die Stickstoff enthaltenden Bisphosphonate in dieser Studie umfassten Alendronat, Ibandronat, Risedronat sowie Zoledronat; Nicht-Bisphosphonate waren Denosumab, Kalzitonin, Strontiumranelat sowie Teriparatide.
Diese Studie liefert ein weiteres kleines Argument in der Motivation zu einer Osteoporose-Behandlung bei älteren Personen. Wichtige Fragen bleiben abzuklären: Wie lange muss ein Bisphosphonat eingesetzt werden, um einen Effekt zu erzielen? Wie viele Patienten müssen über welchen Zeitraum behandelt werden, um eine Demenz zu verhindern?
Der Pathomechanismus bleibt spekulativ: Immerhin ist bekannt, dass Bisphosphonate die Synthese von Isoprenoiden vermindern, was angesichts einer spezifischen Dysregulation des Isoprenoid-Metabolismus bei Alzheimererkrankungen wichtig sein dürfte.
