Online-Tai-Chi gut für Gonarthrose

Online Unsupervised Tai Chi Intervention for Knee Pain and Function in People With Knee Osteoarthritis: The RETREAT Randomized Clinical Trial

Zhu S.J. et al. JAMA Intern Med 2025:e255723. doi: 10.1001/jamainternmed.2025.5723

Von 178 Patienten mit Gonarthrose erhielten 89 (Alter 61 Jahre; 74 % Frauen) in der Kontrollgruppe Zugang zu einer eigens entwickelten Website mit Informationen über Arthrose sowie die Vorteile von Bewegung und 89 (Alter 62 Jahre; 66 % Frauen) in der Tai-Chi-Interventionsgruppe die ‘My Joint Tai Chi-Intervention’ mit Zugang zur gleichen Website sowie ein 12-wöchiges (mindestens dreimal pro Woche durchzuführendes), unbeaufsichtigtes, videobasiertes Tai-Chi-Programm im Yang-Stil und die Motivation zur Verwendung einer App zur Erleichterung der Programmeinhaltung. 96 % konnten nach 12 Wochen nachkontrolliert werden. Die Tai-Chi-Gruppe berichtete über grössere Verbesserungen der Knieschmerzen (Kontrollen -1.3; Tai Chi -2.7 [p<0.001]) und der Kniefunktion (Kontrollen -6.9; Tai Chi -12.0 [p<0.001]) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Mehr Teilnehmer mit Tai Chi als in der Kontrollgruppe erreichten einen minimalen klinisch bedeutsamen Unterschied bei den Schmerzen (73 % vs. 47 % [p<0.001]) und bei der Funktion (72 % vs. 52 % [p=0.007]). Auch für die meisten sekundären Endpunkte wie Sport- und Erholung, Lebensqualität, körperliches und geistiges Wohlbefinden, globale Verbesserung, Selbstwirksamkeit und Gleichgewicht war die Tai Chi-Gruppe den Kontrollen überlegen. Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet.

In dieser australischen Studie gelang es, Gonarthrosepatienten zu motivieren, selbstständig (online) ein Tai-Chi-Programm für 12 Wochen durchzuführen, welches zu einer klinisch relevanten Verbesserung führte. Eine Vergleichsstudie dieses Tai-Chi-Programms mit bei uns üblicher Physiotherapie wäre aufschlussreich.

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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Erhöhen SSRI-Antidepressiva das Frakturrisiko?

The risk of fracture among women starting selective serotonin reuptake inhibitors

Solomon D et al. J Bone Miner Res 2025;40(11):1238

Die prospektive SWAN-Kohortenstudie (Study of Women’s Health Across the Nation) aus den USA untersucht das Frakturrisiko bei Frauen im mittleren Lebensalter nach Beginn einer Therapie mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Eingeschlossen wurden 1849 Frauen, darunter 218 neue SSRI-Anwenderinnen, verglichen mit Frauen ohne Antidepressiva sowie mit Anwenderinnen anderer Antidepressiva. Das Studiendesign als «New-User-Analyse» erlaubt eine robuste Bewertung des Risikos nach Therapiebeginn.
SSRI-Anwenderinnen zeigten im Verlauf eine signifikant höhere Frakturinzidenz als Nichtanwenderinnen (2,64 vs. 1,21 Frakturen pro 100 Personenjahre). Auch nach Adjustierung für Alter, Menopausenstatus, depressive Symptome, Body-Mass-Index, Lebensstilfaktoren und Komorbiditäten blieb das Frakturrisiko deutlich erhöht (Hazard Ratio ca. 1,8). Dieser Zusammenhang bestand ebenfalls in Analysen mit Einbezug der Knochendichte, was darauf hinweist, dass das erhöhte Risiko nicht allein durch eine verminderte Knochenmineraldichte erklärbar ist.

Kommentar
Die Ergebnisse sprechen für einen unabhängigen Zusammenhang zwischen SSRI-Therapiebeginn und Frakturrisiko bei Frauen im Übergang zur Menopause. Mögliche Mechanismen umfassen neben Effekten auf den Knochenstoffwechsel auch eine erhöhte Sturzneigung. Klinisch unterstreichen die Daten die Notwendigkeit, bei SSRI-Neuverschreibungen das Frakturrisiko insbesondere bei vulnerablen Patientinnen sorgfältig zu berücksichtigen.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Methotrexat bei PMR – höhere Dosierung mit «höherem» Erfolg

Results of a 1-year randomised double-blind placebo-controlled trial with methotrexate 25 mg/week in recently diagnosed polymyalgia rheumatica

Bolhuis T E al. Ann Rheum Dis 2025: online ahead of print

Die Gabe von Methotrexat (MTX) bei Polymyalgia rheumatica (PMR) hatte insbesondere bei tieferen MTX-Dosierungen bezüglich der Einsparung von Glucocorticoiden (GC) zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt. In dieser Arbeit aus den Niederlanden wurde bei PMR-Patienten mit einer kurz zurückliegenden Diagnosestellung von < 8 Wochen die Gabe von 25mg MTX pro Woche versus Placebo mit einer 24-wöchigen Glucocorticoidreduktion hinsichtlich einer GC-freien Remission untersucht.

Insgesamt hatten 80% der 58 final analysierten Patienten eine GC-freie Remission nach 52 Wochen Studiendauer erreicht. Dies konnte jedoch bei lediglich 46% der Placebopatienten erzielt werden (p=0.0042). Keiner der Betroffenen entwickelte eine Riesenzellarteriitis während der Studienphase.

Kommentar
Die Autoren schlussfolgern, dass diese erhöhte MTX-Dosis mit einem frühen Start im Krankheitsverlauf einen klar und signifikant positiven Effekt zeigen konnte. Letztlich bleibt unter anderem die Frage nach dem optimalen Beginn mit MTX zu diskutieren – und natürlich, ob jede/jeder PMR-Patient überhaupt ein GC-einsparendes Protokoll benötigt.

Der hier beschrittene Weg, diese Entscheidung nach spätestens 8 Wochen GC-Therapie zu treffen, erscheint gemäss den vorliegenden Daten (und ja meist auch klinisch gesehen) sinnvoll.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Adipositas als Risikofaktor für Autoimmunerkrankungen

Obesity as a Risk Factor for Autoimmune Diseases: A Systematic Review and Meta-Analysis

Spatocco I et al. Obesity 2026;34:36

Adipositas ist assoziiert mit entzündlichen Vorgängen. Die vorliegende Analyse untersuchte den Zusammenhang von Adipositas mit dem Auftreten und der Prävalenz von Autoimmunerkrankungen.

Adipositas (BMI >30), im Vergleich mit Normgewichtigen (BMI <25), fand sich assoziiert mit einer erhöhten Prävalenz von rheumatoider Arthritis (RA; RR 1.11) und Psoriasis (PS; RR 1.35), einem erhöhten Risiko für das neue Auftreten einer RA (RR 1.3) wie auch einer PS (RR 1.18), aber auch einer erhöhten Inzidenz der Multiplen Sklerose (RR 1.49) und der inflammatorischen Kolitiden M. Crohn /Kolitis ulzerosa (RR 1.35).

Fazit
Adipositas ist assoziiert mit verschiedenen entzündlichen Vorgängen. Es erstaunt deshalb nicht, dass Autoimmunerkrankungen bei Adipösen vermehrt auftreten, was nicht nur für oben erwähnte Krankheiten gilt.

Damit haben wir einen Grund mehr, unseren Patienten zu einem Normgewicht zu verhelfen, umso mehr, als bekannt ist, dass auch die Therapien bei Normgewichtigen besser ansprechen als bei adipösen Patienten.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich