Welche Immunsuppressiva zur Behandlung der Psoriasis und/oder Psorasisarthritis haben das günstigste Nebenwirkungsprofil

Systemic therapies for psoriatic disease and serious adverse events in older adults: a population-based cohort study

Drucker A et al. J Invest Dermatol 2025:online ahead of print

Die Studie untersuchte die Sicherheit verschiedener systemischer Therapien bei älteren Erwachsenen mit Psoriasis oder Psoriasisarthritis, wobei der Schwerpunkt auf dem Risiko schwerwiegender unerwünschter Ereignisse (Hospitalisationen oder Notfallkonsultationen) lag. Grundlage ist eine bevölkerungsbasierte Kohorte aus Ontario mit 11’641 Personen im Alter von mindestens 66 Jahren, die zwischen 2002 und 2020 erstmals ein systemisches Medikament gegen Psoriasis oder Psoriasisarthritis erhielten. Die Therapien wurden in sechs Klassen eingeteilt: Methotrexat, andere konventionelle Systemtherapeutika wie Cyclosporin oder Acitretin, Anti-TNF-Biologika, Anti-IL-17-Biologika, Anti-IL-12- und/oder IL-23-Biologika sowie Tofacitinib. Die Analyse erfolgte mittels multivariabler Andersen-Gill-Modelle, die wiederholte Ereignisse berücksichtigen und für zahlreiche Störgrössen wie Alter, psoriatischer Phänotyp, Komorbiditäten, sozioökonomische Faktoren, Wohnsituation, Nutzung anderer Immunsuppressiva adjustiert wurden. Insgesamt wurden 42’553 schwere Ereignisse registriert; rund drei Viertel der Patienten erlitten im Verlauf mindestens ein schwerwiegendes Ereignis.

Biologika, insbesondere IL-12- und/oder IL-23-Inhibitoren und TNF-Blocker wiesen bei älteren Patienten die günstigste Sicherheitsbilanz hinsichtlich SAE auf. IL-23 und IL-17 sind zudem die wirksamsten Klassen für kutane Psoriasis; die Studie unterstützt ihren Einsatz auch hinsichtlich Sicherheit. Konventionelle Systemtherapien (MTX, Cyclosporin, Acitretin) zeigen im Vergleich höhere SAE-Raten. JAK-Inhibitoren bleiben aufgrund niedriger Exposition in der Kohorte schwer zu bewerten.

Kommentar
Biologika, insbesondere IL-12- und/oder IL-23- und TNF-Blocker, zeigen bei älteren Patienten mit Psoriasis und/oder Psoriasisarthritis ein vergleichsweise niedriges Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Demgegenüber zeigen konventionelle systemische Therapien wie Methotrexat, Cyclosporin oder Acitretin ein höheres relatives Risiko. Insgesamt liefert die Studie robuste, realweltliche Evidenz, dass Biologika für ältere Patientinnen und Patienten mit Psoriasis oder Psoriasisarthritis ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil besitzen.

Diese Studie zeigt einmal mehr, dass die meisten Biologika betreffend Sicherheit gut verträglich sind, evtl. mit sogar weniger Nebenwirkungen als konventionelle Immunsuppressiva wie z.B. Methotrexat.

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Dr. Thomas Langenegger
Baar

Einfluss von Adipositas und Diabetes mellitus bei Spondylodese

Adverse Impact of Obesity on Lumbar Spine Fusion, Patient-reported Outcomes and Costs: A Systematic Review and Meta-analysis

O'Toole J.E. et al. Spine 2025;50:1208

Adverse Impact of Diabetes on Spine Fusion and Patient-Reported Outcomes: A Systematic Review and Meta-analysis

Steinmetz M.P. et al. Spine 2025;50:E347

Die beiden Metaanalysen gehen anhand von Inzidenz von Pseudarthrose, patient-reported outcome measures (PROMs) und Gesundheitskosten auf Adipositas sowie anhand des Risikos für das Auftreten von spinaler Pseudoarthrose und PROMs auf Diabetes mellitus bei Spondylodesen ein.

Adipositas: 15 Studien mit 61’341 Patienten wurden eingeschlossen. Adipositas (BMI≥30) war signifikant mit einer höheren Pseudarthrosen-Häufigkeit assoziiert (OR 2.10, p<0.01). Der Oswestry Disability Index (ODI) war in der Adipositas-Gruppe signifikant schlechter (MD 6.29, p<0.001). Stärkere Schmerzen wurden anhand der VAS Rückenschmerzen (MD 0.95, p<0.05) und VAS Beinschmerzen (MD 0.94, p<0.001) für lumbalchirurgische Patienten mit Adipositas gemessen. Die SF-12/36 zeigten signifikant schlechtere Ergebnisse bei Patienten mit Adipositas (SMD -0.46, p=0.01). Die Kosten für den Krankenhausaufenthalt waren bei Patienten mit Adipositas signifikant höher (SMD 0.09, p<0.001).

Adipositas ist mit höheren Pseudarthrose-Raten, schlechteren Patienten-berichteten Ergebnismessungen, einschließlich des Oswestry Disability Index, der Visual Analogue Scale und der 36-Item Short Form Survey sowie höheren Krankenhausaufenthaltskosten nach einer lumbalen Wirbelsäulenfusion verbunden.

Diabetes mellitus: 18 Studien mit 118’617 Patienten wurden eingeschlossen. Diabetes-Patienten hatten eine höhere Inzidenz von Pseudoarthrose an der Lendenwirbelsäule (OR 1.13, p<0.05). Patienten mit Diabetes berichteten über erhöhte VAS-Werte für Rücken-/Nackenschmerzen (SMD 0.21, p<0.001) sowie schlechtere Oswestry Disability Index (ODI)-Ergebnisse (MD 3.96, p<0.001), EQ-5D (MD -0.06, p<0.001) und SF-12/36 (SMD -2.70, p<0.05).

Patienten mit Diabetes wiesen nach Spondylodese im Vergleich zu nicht-diabetischen Patienten eine höhere Inzidenz von Pseudoarthrose und schlechtere funktionelle Ergebnisse (VAS, ODI, EQ-5D und SF-36) auf.

Zusammengefasst sind es keine überraschenden, aber doch gut belegte Daten: Das Resultat einer Spondylodese ist bei Adipositas sowie bei Diabetes mellitus im Durchschnitt schlechter als ohne diese beiden Diagnosen.
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KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Polymyalgia rheumatica: Höhere Inzidenz und Prävalenz als angenommen

Frequency, diagnosis, and management of polymyalgia rheumatica in Germany - database analysis of medical insurance data

Schmidt W et al, Rheumatology 2025;64:5818

Diese cross-sektionale Studie basiert auf Krankenkassen-Daten von 4.8 Millionen Versicherten in Deutschland mit dem Ziel, Inzidenz, Prävalenz und Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Polymyalgia rheumatica (PMR) darzustellen.

Die Extrapolierung auf die Gesamtbevölkerung des Landes ergab eine Inzidenz von 111/100 000 und eine Prävalenz von 937/100 000 Personen, wobei die Diagnosestellung wie erwartet hauptsächlich im ambulanten Sektor stattfand. Dies zumeist bei Hausärzten (37%), Internisten (22%) und schliesslich bei Rheumatologen und Orthopäden (!) zu fast gleichen Teilen (11% / 10% resp.). Bei ca 21% Patienten erfolgte nach Diagnostellung eine Zuweisung an einen Rheumatologen für die weitere therapeutische Begleitung. Therapeutisch fand sich die Gabe von Methotrexat in ca 20% der Betroffenen als häufigste nicht-steroidale Therapie.

Die Rate der Komorbiditäten in dieser Population zeigte sich sehr hoch mit arterieller Hypertonie (76%), Dyslipidämie (55%), Diabetes mellitus (30%), Osteoporose (27%), KHK (23%) und Katarakt in 24%.

Die Autoren schlussfolgern unter anderem, dass Rheumatologen früher und häufiger in Diagnose und Therapie involviert werden sollten.

Kommentar
Erst kürzlich sind die Daten zum Management der PMR aus den drei deutsch-sprachigen Ländern und ihren jeweiligen Vertreterinnen und Vertretern veröffentlich worden und zeigen klar auf, dass eine bereits primäre Versorgung durch Rheumatologinnen und Rheumatologen mehr als wünschenswert ist [Buttgereit F, et al. Z Rheumatol 2025;84:494-505].

Dies auch, da häufig (ca 20-25% der Fälle) andere medizinische Probleme unterliegen und mit den Zeichen einer PMR einhergehen können – was dazu führt, dass wir als Rheumatologen oft erst bei Glucocorticoid-refraktärer Situation hinzugezogen werden.

Es wird aus personellen und zeitlichen Gründen nicht immer möglich sein, PMR Patienten «up front» rheumatologisch zu sehen, dies darf aber ein klares Ziel werden, wenn wir die vorgelegten Daten ernst nehmen.

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Prof. Dr. Sabine Adler
Aarau

Curcumin: Wirksamkeit bei rheumatoider Arthritis

Effect of curcumin on inflammatory markers and disease activity in patients with rheumatoid arthritis

Fuhan Zhang MM, Ben Niu MM, Medicine 20025:online ahead of print

Metaanalyse zur Evaluation der Wirkung von Curcumin als Ergänzung zur Basistherapie bei rheumatoider Arthritis.

Eingeschlossen wurden sieben randomisierte kontrollierte Studien. Curcumin führte zu einer Reduktion des DAS28(Disease Activity Score in 28 Gelenken), aber auch des Rheumafaktor-Titers, der BSR sowie des CRP.

Fazit
Die Ergänzung von Curcumin zur Basistherapie kann die antientzündliche Wirkung verstärken und sowohl die Krankheitsaktivität wie auch systemische Entzündungsmarker bei RA vermindern. In den meisten Studien wurde eine Dosis von 250 bis 500 mg Curcumin angewandt.

Offen bleibt die wirksamste Dosis, die Applikationsart, aber auch die Wirkung über längere Zeit. Eine  Aufschlüsselung der Resultate nach Art der Basistherapie war nicht möglich, da diese zu vielfältig war. Auch diesbezüglich müssten künftige Studien mehr Klarheit bringen.

Für die Praxis ein interessanter Weg, bei Restaktivität Curcumin zu berücksichtigen. Da Curcumin unter anderem zu einer Reduktion von verschiedensten Entzündungsmarkern inklusive Interleukine führt, dürfte dessen Anwendung auch für andere Indikationen interessieren.

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Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich