Peptidtherapien im Sport und Longevity

Safety and Efficacy of Approved and Unapproved Peptide Therapies for Musculoskeletal Injuries and Athletic Performance

Mendias C et al. Sports Med 2026: Online ahead of print

Diese Übersichtsarbeit analysiert kritisch den aktuellen Einsatz sogenannter «Peptidtherapien» im Sport- und Longevity-Bereich. Der Schwerpunkt liegt auf der Unterscheidung zwischen regulär zugelassenen Peptiden und den zahlreichen unregulierten «Grey-Market»-Produkten, die derzeit stark über soziale Medien und Anti-Aging-Plattformen beworben werden.

Peptide sind kurze Ketten von Aminosäuren, die über sogenannte Peptidbindungen miteinander verbunden sind. Man unterscheidet Oligopeptide mit 2–20 Aminosäuren und Polypeptide mit 20–50 Aminosäuren. Biologisch wirken viele Peptide als Signalstoffe oder Hormone. Sie binden an spezifische Rezeptoren und steuern dadurch Prozesse im Körper. Beispiele sind Insulin, GLP-1, Oxytocin, Vasopressin etc.. Peptide wirken oft sehr gezielt und spezifisch, weil sie exakt an definierte Rezeptoren binden. Deshalb sind sie pharmakologisch eine Art «Zwischenklasse» zwischen klassischen kleinen Medikamenten und großen biologischen Antikörpern.

Die Autoren dieser Übersichtsarbeit betonen zunächst, dass Peptide pharmakologisch durchaus relevante Substanzen sein können. Einige wenige Präparate besitzen eine reguläre Zulassung mit sauberer Evidenzbasis, etwa GLP-1-Agonisten oder bestimmte Wachstumshormon-Analoga. Demgegenüber steht jedoch ein großer Markt unzugelassener Peptide wie BPC-157, TB-500, CJC-1295, Ipamorelin, Sermorelin oder GHK-Cu, die vor allem mit Versprechen wie Muskelaufbau, schnellere Heilung, „Longevity“, Fettabbau oder Leistungssteigerung beworben werden.

Die Arbeit zeigt klar, dass für die meisten dieser populären Peptide keine hochwertige klinische Evidenz existiert. Viele Daten stammen lediglich aus Tierexperimenten, Zellkulturstudien oder kleinen unkontrollierten Fallserien. Besonders BPC-157 und TB-500 werden im Internet massiv propagiert, obwohl robuste Humanstudien fehlen. Die Autoren weisen darauf hin, dass positive Erfahrungsberichte häufig durch Placeboeffekte, soziale Medien, Erwartungshaltungen und Selektionsbias verstärkt werden.

Kritisch hervorgehoben werden zudem erhebliche Sicherheitsprobleme. Viele dieser Präparate stammen aus Compounding-Apotheken oder unregulierten Herstellungsquellen ohne verlässliche Qualitätskontrolle. Reinheit, Dosierung und Kontamination seien oft unklar. Die Autoren warnen vor potenziellen Risiken wie metabolischen Störungen, unerwünschter Wachstumssignalaktivierung, Organbelastung und theoretisch sogar Tumorprogression, insbesondere bei wachstumshormonassoziierten Peptiden. Gleichzeitig existieren kaum Langzeitdaten zur Sicherheit.

Kommentar
Diese Übersichtsarbeit beleuchtet kritsch den aktuellen Hype um Peptidtherapie im Sport und Longevity Bereich. Für die meisten aktuell populären «Peptidtherapien» fehlt eine ausreichende wissenschaftliche Evidenz für Wirksamkeit und Sicherheit. Der derzeitige Anti-Aging- und Performance-Hype geht wissenschaftlich den wissenschaftlich verfügbaren Daten weit voraus.

Wir Ärzte sollten einerseits über diesen aktuellen Trend Kenntnis haben, und unsere Patienten und auch Sportler aktiv über die Diskrepanz zwischen Marketing und evidenzbasierter Medizin aufklären und vor unregulierten Angeboten warnen. Für Sportler sehr wichtig ist, dass viele dieser Peptide auf der Verbotsliste der World Anti-Doping Agency stehen, insbesondere wenn sie Wachstumshormon-, Erythropoetin-, Muskelaufbau- oder Regenerationswege stimulieren.

Zur Studie
Dr. Thomas Langenegger
Baar

Managementberater im Spital?

Changes in Nonprofit Hospitals' Finances, Operations, and Quality of Care After Using Management Consultants

Bruch JD et al. JAMA 2026: doi: 10.1001/jama.2026.5027

Die Autoren in USA verglichen 306 gemeinnützige Krankenhäuser, die 2010-2022 erstmals mit einer Managementberaterfirma zusammenarbeiteten, mit 513 vergleichbaren Krankenhäusern, die in den Jahren 2009-2023 keine Managementberater eingesetzt hatten. Mehr als 20 % der gemeinnützigen Krankenhäuser engagierten während des Studienzeitraums Managementberater. Diese zahlten durchschnittlich 15.7 Millionen Dollar für die Beraterleistungen, was zusammen bei 306 gemeinnützigen Krankenhäusern von 2009 bis 2023 mehr als 7.8 Milliarden Dollar für Management-Dienstleistungen ausmachte. Die relativen Veränderungen für Finanzkennzahlen ergaben für die Netto-Patienteneinnahmen -2.22 % (p=0.14), Betriebskosten -1.07 %(p=0.41), Anlagevermögen +2.05 % (p=0.65), Schulden -6.31 % (p=0.41), Tagesbargeld -8.56 % (p=0.46), Gesamtmarge -0.19 Prozentpunkte (p=0.71) und für die operative Marge 0.15 Prozentpunkte (p=0.79). Die relativen Veränderungen für operative Massnahmen (z. B. stationäre Auslastung, Personalbeschäftigung, Vergütung von Führungskräften und Arbeitnehmern, Wohltätigkeitsversorgung und gemeinnützige Leistungen) betrugen für die stationäre Aufenthaltsdauer 1.71 % (p=0.10) und für die totalen Hospitalisationstage 0.29 % (p=0.85). Die relativen Veränderungen für die Versorgungsqualität wie beispielsweise die schadensabhängige 30-Tage-Mortalität sowie Rehospitalisationen bei akutem Myokardinfarkt, Lungenentzündung und Schlaganfall waren ebenfalls im Allgemeinen nicht signifikant mit der einzigen Ausnahme: 30-tägige Rehospitalisation bei Patienten mit Schlaganfall (1.37 Prozentpunkte; p=0.03).

Die Studie betrifft zwar kein rheumatologisches Thema, aber sie ist im Hinblick auf die ständige Diskussion der Gesundheitskosten bemerkenswert und sollte eine Pflichtlektüre für Spital-CEOs und Gesundheitspolitiker sein. Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung, dass gemeinnützige Krankenhäuser zwar erhebliche Ressourcen in Managementberater investieren, aber keine Hinweise auf bedeutende Veränderungen bei Krankenhausfinanzen, Betrieb oder Versorgungsqualität nachweisbar waren. Die weitverbreitete Nutzung von Managementberatern durch Krankenhäuser und andere Organisationen im Gesundheitswesen sei sorgfältig zu prüfen. Diesen Erwägungen ist nichts beizufügen.

Zur Studie
KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Lungensonografie zur Verlaufskontrolle interstitieller Lungenveränderungen bei rheumatoider Arthritis

Lung Ultrasound for the Detection of Radiologic Progression of Interstitial Lung Abnormalities in Patients With Rheumatoid Arthritis

Vermant M et al. Arthritis Rheum 2026: Online ahead of print

Diese prospektive Pilotstudie untersucht die Rolle der Lungensonografie zur Überwachung radiologischer Progression und zur Detektion neuer interstitieller Lungenabnormalitäten bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis. Die Teilnehmenden wurden zu Studienbeginn und nach 12 bis 18 Monaten mittels HRCT, Lungenfunktionstests, Symptomerfassung und LUS untersucht; B-Lines wurden mit einem 72-Zonen-Protokoll quantifiziert, radiologische Veränderungen in seriellen HRCTs von verblindeten Thoraxradiologen auf einer 5-Punkt-Likert-Skala bewertet. 81 Patientinnen und Patienten absolvierten das Follow-up-HRCT; eine per-Protokoll-LUS lag bei 95% (77/81) vor. Radiologische Progression wurde bei 31% (25/81) beobachtet. Eine Zunahme der B-Lines war signifikant mit radiologischer Progression assoziiert. Die Kombination von LUS und Veränderung der DLCO erreichte eine AUC von 0.82 (95% CI 0.70–0.94). Übertraf Symptomscore-Modelle sowie Pulmonary Function Tests (PTF)-Modelle (AUC 0.59, 95% CI 0.44–0.74).

Kommentar
Zunehmende B-Lines sind ein mögliches Signal radiologischer ILD-Progression bei RA. Während einzelne Likert-Kategorien nur einen nicht signifikanten Trend zeigten, war die dreistufige Einteilung in verschlechtert, stabil und verbessert signifikant korreliert. LUS ist nicht als HRCT-Ersatz, sondern als ergänzendes, strahlenfreies Screening- und Monitoringinstrument in einem multimodalen Ansatz sinnvoll. Die Aussagekraft bleibt limitiert durch kleine Subgruppen, breite Konfidenzintervalle, Dropouts, monozentrisches exploratives Design.

Zur Studie
Dr. Christian Marx
Zürich

Radiologische Veränderungen 15 Jahre nach früher RA

Radiographic outcome over 15 years in patients with early rheumatoid arthritis – a BARFOT study

Andersson MLE et al. BMC Rheumatology 2026: Online ahead of print

Die prospektive Beobachtungsstudie analysierte die radiologischen Veränderungen an Händen und Füssen bei 990 Patienten mit früher rheumatoider Arthritis (Arthritisdauer < 1 Jahr) über 15 Jahre sowie Prädiktoren.
71% waren Frauen, das mittlere Alter betrug 54 Jahre, 71% waren seropositiv (RF oder/und ACPA).
Die stärksten strukturellen Veränderungen (stärkste Progression bei 54 Patienten) fanden sich bei vorbestehendem Schaden bereits initial sowie Seropositivität (94% der Patienten).
Eine mittelschwere Progression fand sich bei 258 Patienten; diese waren in 84% seropositiv.
Eine minimale Progression wiesen 678 Patienten auf, welche in 64% seropositiv waren und zu Beginn keinen oder wenig strukturellen Schaden aufwiesen.
20% der Patienten blieben über die 15 Jahre ohne Erosionen.

Patienten mit weniger druckdolenten Gelenken initial zeigten die stärkste Progression. Seropositivität war ein wichtiger Prädiktor für starke Progression (OR 6.94). Auch eine stets hohe Krankheitsaktivität war mit einer erhöhten Progression assoziiert.

Die gewählte Behandlung zu Beginn war bei allen Patienten ähnlich, über Zeit aber erhielten Patienten mit stärkerer Progression vermehrt Biologika, was die Progression jedoch nicht immer aufhielt.

Fazit
Es besteht eine grosse Heterogenität unter den Patienten mit früher RA. Meist beginnen erosive Veränderungen schon früh (erste Jahre). Trotz wenig Symptomen kann die strukturelle Progression stark sein.
Die Resultate unterstreichen die Bedeutung einer Frühdiagnose, einer Frühbehandlung mit DMARDs sowie eine enge Behandlungskontrolle. Eine klinische Remission schliesst eine weitergehende strukturelle Veränderung nicht aus, weshalb auch im Verlauf deren Erfassung wichtig bleibt.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich