Hochfrequenz-Ultraschall der Tränendrüsen zur Diagnose des primären Sjögren-Syndroms

Diagnostic value of high-frequency ultrasound assessment of the lacrimal glands for primary Sjögren’s disease

Terslev L. et al. RMD Open2025;11(3):e005884

Die Studie untersuchte den diagnostischen Nutzen der Tränendrüsen-Sonographie (LGUS) bei Patienten mit Verdacht auf primäres Sjögren-Syndrom. In einer Kohorte von 30 Patienten zeigte sich, dass LGUS mit einem OMERACT-Score ≥2 eine moderate Sensitivität (61,5 %) und eine hohe Spezifität (87,5 %) für die Diagnose aufweist. Der positive und negative prädiktive Wert lagen mit 80 % bzw. 73,3 % höher als bei der Speicheldrüsen-Sonographie. Eine signifikante Assoziation bestand zwischen pathologischen LGUS-Befunden und dem Nachweis von SSA- und SSB-Antikörpern, nicht jedoch mit dem Schirmer-Test.

Kommentar
Die Studie zeigt, dass der Ultraschall der Tränendrüsen (LGUS) bei Verdacht auf primäres Sjögren-Syndrom (pSjD) diagnostisch wertvoll ist und teils bessere Kennzahlen liefert als der Speicheldrüsenultraschall (SGUS). Als Cut-off für pathologische Veränderungen eignet sich in beiden Drüsengruppen derselbe Schwellenwert (Grad ≥2). Die Untersuchung ist praktikabel, da sie weniger als 10 Minuten beansprucht. Der geringe ESSDAI bei Diagnosestellung weist zudem auf frühe Krankheitsstadien in der Kohorte hin. Zwar existieren alternative Scoringsysteme für die Tränendrüsen, doch fehlen einheitliche Definitionen der zugrunde liegenden Läsionen, was ihre breite Anwendung einschränkt. Limitiert wird die Studie durch die kleine Fallzahl; Stärken sind dagegen die Nutzung des validierten OMERACT-Scoringsystems und hochfrequenter Sonden, die eine präzise Darstellung parenchymaler Veränderungen erlauben.

Zur Studie
Dr. Christian Marx
Zürich

Überzählige Nervenwurzeln bei lumbaler Spinalkanalstenose sind eher ein günstiges Zeichen für das Operationsresultat

Clinical Importance of Redundant Nerve Roots in Patients With Symptomatic Lumbar Spinal Stenosis: A Secondary Analysis of NORDSTEN Spinal Stenosis Trial Data

Franssen E. et al. Spine 2025;50:941

Von 416 Patienten vor Spondylodese wegen lumbaler Spinalkanalstenose hatten 163 (39 %) zu Studienbeginn eine redundante Nervenwurzel (RNR). Die RNR+ – Gruppe und die RNR– – Gruppe waren in Bezug auf Alter, Rauchgewohnheiten, Body-Mass-Index und Dauer der Symptome ähnlich. Beide Gruppen zeigten zu Studienbeginn (präoperativ) ähnliche Schmerz- und Funktionswerte. In der RNR+ – Gruppe war der Anteil an Männern, an Patienten mit schwerer Stenose und an multiplen Stenoselevels in der Magnetresonanztomographie höher verglichen mit der RNR– – Gruppe. Bei der 2-Jahres-Nachuntersuchung betrug die mittlere Veränderung des Oswestry Disability Index (ODI) -22.1 in der RNR+ – Gruppe und -17.4 in der RNR– – Gruppe [p=0.007]. Statistisch signifikante Unterschiede wurden auch für die sekundären Endpunkte ‘Zürcher Claudication Questionnaire’ und ‘Numerical Rating Scale Bein- und Rückenschmerzen’ zugunsten der RNR+ – Gruppe gefunden.

Zusätzliche Nervenwurzeln stellen einen Zufallsbefund in der Magnetresonanzuntersuchung dar, dessen Stellenwert nicht abschliessend geklärt ist. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2018 kam zum Schluss, dass dieses radiologische Zeichen als negativer Prädiktor für das Ergebnis angesehen werden könnte. In dieser selektiven Kohorte von Patienten mit operationsbedürftiger lumbaler Spinalkanalstenose hatten Patienten mit RNR zwar ähnliche Symptome und Befunde wie Patienten ohne; zwei Jahre nach der Dekompression war der klinische Zustand jedoch günstiger mit RNR als ohne. Vorläufig bleibt die Wertigkeit einer überzähligen Nervenwurzel offen.

Zur Studie
KD Dr. Marcel Weber
Zürich

Telemedizinische Behandlung von chronischen Schmerzpatienten

Telehealth and Online Cognitive Behavioral Therapy-Based Treatments for High-Impact Chronic Pain: A Randomized Clinical Trial

DeBar L et al. JAMA 2025:online ahead of print

In dieser amerikanischen Studie wurde die Wirksamkeit von zwei telemedizinischen kognitiv-verhaltenstherapeutischen Programmen (CBT= Cognitive Behavioral Therapy) zur Behandlung von Patienten mit schweren chronischen Schmerzen untersucht. Es wurden 2300 Patienten mit einer schweren nicht-malignen Schmerzerkrankung eingeschlossen. Das Durchschnittsalter betrug 59 Jahre, 2/3 davon waren Frauen. Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen randomisiert: einer von Health Coaches per Telefon oder Video angeleiteten CBT-Schulung (8 Sitzungen), einem Online-Selbstlernprogramm mit 8 Modulen(painTRAINER) oder einer Kontrollgruppe mit üblicher Versorgung plus Informationsbroschüre.

Der primäre Endpunkt war eine mindestens 30-prozentige Reduktion der Schmerzintensität nach drei Monaten. Dieses Ziel erreichten 32 Prozent in der Health-Coach-Gruppe, 27 Prozent in der Online-Gruppe und 21 Prozent unter üblicher Versorgung. Damit waren beide Interventionen signifikant wirksamer als die Kontrolle, wobei die Coach-begleitete Therapie kurzfristig etwas überlegen war. Nach sechs und zwölf Monaten hielten die Vorteile beider Programme gegenüber der Kontrollgruppe an, Unterschiede zwischen den beiden aktiven Behandlungen bestanden dann jedoch nicht mehr. Auch sekundäre Parameter wie Schmerzintensität, funktionelle Einschränkungen sowie soziale und körperliche Teilhabe verbesserten sich anhaltend.

Kommentar
Insgesamt belegt die Studie, dass sowohl telemedizinisch begleitete als auch selbstständig online durchgeführte CBT-Programme bei chronischen Schmerzpatienten zu klinisch bedeutsamen, wenn auch moderaten Verbesserungen führen können. Diese ressourcenschonenden Ansätze könnten die Betreuung von chronischen Schmerzpatienten unterstützen im Rahmen eines multimodalen Therapieansatzes.

Zur Studie
Dr. Thomas Langenegger
Baar

Kalziumpyrophosphatkristalle im Synovialpunktat

Predominance of Calcium Pyrophosphate Crystals in Synovial Fluid Samples of Patients at a Large Tertiary Center

Manigold T., Leichtle A. Diagnostics 2025;15:907

Kristallarthropathien gehören zu den häufigsten Gelenkserkrankungen in der rheumatologischen Praxis. Die vorliegende Studie aus Bern untersuchte die Prävalenz verschiedener Kristalle sowie die entsprechende Charakteristik der Patienten.

Meist wurde das Kniegelenk punktiert. Für Uratkristalle (UK) überwog der Männeranteil mit 10:1, bei Kalziumpyrophosphatkristallen (CPP) zeigte sich eine zunehmende Häufigkeit mit dem Alter. Unter den über 5’000 Synovialpunktaten fanden sich in 22% CPP-Kristalle, in 15,3% UK – und in 9,5% Hydroxylapatit (Alizarin rot Färbung) – Kristalle. Besonders hoch war der Anteil der CPP-Kristalle in nicht entzündlichen Punktaten (65,7%). Im Gegensatz dazu fanden sich UK häufiger bei entzündlichen Punktaten.

Fazit
CPP-Kristalle finden sich in der grossen Mehrheit der Kristallarthritiden. Bei hohem Polymorphonukleären-Anteil der Zellen im Punktat bei klinisch nicht inflammatorischen Befunden dürfte das Vorliegen von CPP sowie UK eine subklinische Entzündung anzeigen. Ob sich eine entsprechende Frühtherapie bereits in diesem Stadium lohnt, bleibt offen.

Die Prävalenz der unterschiedlichen Kristalle im Punktat wurde hier in einem grossen tertiären Zentrum untersucht. Ob die Prävalenz in der rheumatologischen Praxis ähnlich ist, muss offenbleiben.

Zur Studie
Prof. Dr. Beat A. Michel
Zürich